Hohe Kosten, lange Wartelisten: So viele Pflegeplätze gibt es in Neumarkt

Von Hanna Broghammer · 17. Juli 2026 um 11:00

Pflegeplätze sind in Neumarkt rar, die Wartelisten sind lang. Und noch ein weiteres Problem beschäftigt die Betreiber von Einrichtungen: Sollte eine angestrebte Pflegereform umgesetzt werden, könnten die Kosten massiv steigen.

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Die Wartelisten sind lang, Kosten steigen immer weiter, Personal fehlt an allen Ecken und Enden. So oder so ähnlich lautet die Beschreibung der stationären Pflege im aktuellen politischen Diskurs. Aber stimmt das auch für Neumarkt oder gibt es vielleicht doch Kapazitäten in einer der sechs stationären Pflegeeinrichtungen?

Wer in Neumarkt Pflegeheime wegen eventuell freier Plätze anruft, wird feststellen, dass diese rar sind. Insgesamt stehen in den sechs stationären Einrichtungen 543 Pflegeplätze zur Verfügung. Fast überall sind die Wartelisten lang. Einzig im Martin-Schalling-Haus der Diakonie ist diese kürzer. Grund dafür ist nach Angaben der Einrichtung die laufende Generalsanierung. Im zweiten Haus der Diakonie in Pyrbaum stehen derzeit etwa 30 Personen auf einer Warteliste. Das sei normalerweise auch beim Martin-Schalling-Haus der Fall.

Umzug in Pflegeheime erfolgt immer später

Trotz der seit 2017 deutlich gestiegenen Eigenanteile ist die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen auch in Neumarkt ungebrochen. Der hohe Eigenanteil, der sich seit 2017 mehr als verdreifacht hat, senkt offensichtlich nicht den Bedarf. Eine Veränderung ist trägerübergreifend zu beobachten: Menschen ziehen immer später und gezielter ins stationäre Pflegeheim um. Simone Zenner vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) führt das auf mehrere Faktoren zurück. Einerseits sei die ambulante Pflegeinfrastruktur besser geworden, aber auch flexiblere Arbeitsmodelle erlauben es, Menschen in ihrem eigenen Zuhause zu pflegen.

Die insgesamt 543 stationären Pflegeplätze, die es in Neumarkt gibt, verteilen sich auf sechs Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet.

Dass Menschen später in ein Pflegeheim ziehen, zeigt sich vor allem an den Pflegegraden. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums entfallen nur 14 Prozent der stationär Versorgten auf die Pflegegrade eins und zwei. Entsprechend hoch ist der Pflegeaufwand in den Einrichtungen. Die Entwicklung zeigt, dass viele Menschen erst dann in ein Pflegeheim ziehen, wenn der Pflegebedarf bereits sehr hoch ist.

Gerade im Hinblick auf das zunehmende Altern der Gesellschaft sei es aber wichtig, Nachwuchs sicherzustellen, teilt Öffentlichkeitsreferentin Dr. Andrea von Eberstein für die Caritas mit. Einrichtungen wie die Neumarkter Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe seien dafür essenziell, betont die Diakonie. Um die Attraktivität des Berufes zu steigern, seien aber vor allem faire Löhne und Arbeitsbedingungen wichtig, verdeutlicht von Eberstein.

Laut dem Bundesgesundheitsministeriums haben die meisten Perosnen, die in stationären Pflegeeinrichtungen untergebracht sind, Pflegegrad drei. Die Pflegegrade eins und zwei machen den kleinsten Teil aus.

Anders als vielerorts ist die Personalsituation bei den Neumarkter Trägern derzeit vergleichsweise stabil. Nach Angaben der Caritas gibt es für die Ausbildung zur Pflegefachkraft sogar mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze. Dennoch sehen die Einrichtungen langfristig Herausforderungen – besonders mit Hinblick auf das geplante Pflegeneuordnungsgesetz. Nach ihrer Einschätzung würden tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen künftig nicht mehr vollständig von der Pflegeversicherung refinanziert werden. Dadurch entstünde eine Finanzierungslücke, die die Einrichtungen aus eigenen Mitteln kaum ausgleichen könnten.

Weitere Erhöhung der Kosten befürchtet

Um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren, blieben nach Ansicht der Träger wenige Möglichkeiten: Entweder müssten sie Personal einsparen oder die zusätzlichen Kosten über höhere Eigenanteile an die Bewohner weitergeben. Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. sagt dazu: „Die Lücke entsteht bei Einrichtungen und Diensten. Dort entscheidet sich, ob Pflegeplätze und ambulante Touren künftig noch verlässlich existieren“. Bei gemeinnützigen Vereinen sei diese Lücke noch schwerer zu schließen, da sie keine oder nur begrenzt Rücklagen bilden dürfen, aus denen der gestiegenen Lohn gezahlt werden könnte.

Die Pflegebedingten Eigenanteil sind in den Jahren seit 2017 stark angestiegen. In der Grafik werden Leistungszuschläge, die nach Wohndauer gestaffelt sind, nicht einberechnet.

Die Wartelisten in Neumarkt bleiben lang. Die größere Herausforderung sehen die Träger jedoch in der Finanzierung der Pflege. Sollten steigende Personalkosten künftig nicht ausreichend ausgeglichen werden, könnten höhere Eigenanteile oder Einschränkungen bei den Angeboten folgen. Wie leistungsfähig die stationäre Pflege künftig bleibt, entscheidet sich deshalb nicht nur in den stationären Einrichtungen selbst, sondern vor allem auf politischer Ebene.