Schwäche zur Stärke machen: Heiko Burs vom FC Zandt spricht vor Schülern über sein Handicap

Seine (vermeintlichen) Schwächen zu seinen Stärken machen – das gab Heiko Burs den Jugendlichen an der Realschule der Pfingstrittstadt, die als erste weiterführende Schule im Landkreis Cham über das Profil Inklusion verfügt, bei seinem Vortrag am Montagvormittag mit. Der 53-Jährige aus Zandt hat, seit er ein Baby war, einen verkürzten linken Arm. Doch das hält ihn nicht davon ab, im alltäglichen Leben aktiv zu sein. Im Gegenteil.
Auch an der Realschule gibt es Schüler mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, berichtete die Inklusionsbeauftragte Ina Krause. Dazu zählen etwa eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rheuma, Migräne oder Asthma. Heiko Burs hat eine andere Geschichte.
Virus breitete sich in seinem Körper aus
Sechs Wochen war Heiko alt, als sich in seinem kleinen Körper ein Virus ausbreitete. Es kam zu einer chemischen Reaktion, die der Oberarzt nicht erkannt hatte, bis eine Krankenschwester intervenierte, erzählte Heiko. Zu diesem Zeitpunkt habe sein Körper bereits zu 70 Prozent aus Eiter bestanden, noch drei Tage länger und er wäre daran gestorben. Weil vor allem sein linker Oberarm durch den Virus angegriffen gewesen sei, wurde dieser entfernt. Was blieb, sind sein Unterarm und seine Hand.

So ist Heiko aufgewachsen, er kennt es gar nicht anders. Mobbing gehörte während seiner Schulzeit zwar zum Alltag, doch er ließ sich davon nicht entmutigen: „Ich war immer ganz vorne mit dabei“, sagte der Vater von zwei Söhnen.
Ich bin mit dem Handicap aufgewachsen und kenne es nur so.Heiko Burs
In der damaligen DDR im heutigen Bundesland Thüringen aufgewachsen, habe er eine schöne Kindheit und Jugend erlebt. An den See radeln, fischen, mit dem Moped umherfahren und Schabernack treiben – trotz seiner Behinderung habe er ein aufregendes Leben gehabt, wie es bei Buben ohne Smartphone und Tablet eben damals so üblich gewesen sei.
Trotz seines Handicaps Verschiedenes ausprobiert
Nach der Wende habe Heiko in einem Berufsbildungswerk für körperlich und geistig behinderte Menschen in Mühldorf am Inn in Oberbayern eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker absolviert „und auch die Welt kennengelernt“, sagte er. Einen großen Teil seiner Freizeit verbrachte er mit Fußballspielen. Darüber hinaus habe er trotz seines Handicaps verschiedene Aktivitäten wie Klettern, Windsurfen oder Badminton ausgeübt.

Seit 2006 lebt der 53-Jährige zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen in Zandt. Seit 2005 ist er nach eigener Aussage bei der Zollner Elektronik AG in Altenmarkt angestellt. Dort ist er verantwortlich für das Testen und Reparieren der Elektronikkomponenten.
Auch wenn die Firma die Arbeitsplätze an die Mitarbeiter mit Behinderungen anpasse – Heiko selbst benötige keine extra Werkzeuge, speziell eingerichtete Arbeitsplätze oder Ähnliches. „Ich bin mit dem Handicap aufgewachsen und kenne es nur so.“
Weil sich Heiko nicht verstecken, sondern im Gegenteil einbringen wollte, habe er vor Jahren angefangen, sich ehrenamtlich im Dorf zu engagieren. Wegen seiner Leidenschaft zum Kicken sei es für ihn naheliegend gewesen, sich für den Fußballverein des 1. FC Zandt einzusetzen. So wurde er bald Trainer der F-Junioren. Mittlerweile fungiert Heiko als Vorsitzender der Abteilung Fußball und organisiert beispielsweise auch die Ferienfreizeit im Dorf mit. „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe und als Zugezogener so gut aufgenommen wurde“, sagte Heiko, der für die Sechstklässler Sportspiele in der Turnhalle vorbereitet hatte.

Negative Kommentare wie in seiner Schulzeit bekomme er heute zwar nicht mehr zu hören, doch merke er, dass er immer wieder Blicke auf sich zieht. So geschehen erst kürzlich im Urlaub in Griechenland. „Es ist mir scheißegal. Wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie wegschauen. Ich bin trotzdem der erste, der vorne mit dabei ist“, sagte Heiko und fügte hinzu, dass es besser sei, einfach auf ihn zuzugehen und ihn anzusprechen, wie es hin und wieder Kinder machen würden.





