Weltkriegsmunition auf Baustelle in Bad Kötzting sorgt kurzzeitig für Aufregung

Von David Salimi · 13. Juli 2026 um 16:13

Kurzzeitig für Aufregung hat am Montagvormittag ein Munitionsfund auf der Baustelle für den neuen Radweg an der Westumgehung in Bad Kötzting (Landkreis Cham) gesorgt. Bauarbeiter stießen bei Erdarbeiten auf ein Artilleriegeschoss aus dem Zweiten Weltkrieg. Spezialisten untersuchten den Fund und gaben noch am Mittag Entwarnung.

Video ansehen

Nach Angaben der Stadt wurde der Fund am Vormittag vom Bauleiter gemeldet. Bad Kötztings stellvertretender Bürgermeister Ludwig Kern wurde gegen 10 Uhr informiert und verschaffte sich gemeinsam mit Stadtbauamtsleiter Christian Kopf und Florian Heigl vor Ort ein Bild von der Lage. Spezialisten der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber aus Nürnberg sowie der auf Munitionsbergung spezialisierten Firma Semmler aus Regensburg untersuchten das Fundstück.

Lesen Sie außerdem: Rollerfahrer bei Unfall in Furth im Wald mittelschwer verletzt – Kinder helfen vorbildlich

Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigt, handelte es sich um ein scharfes 7,5-Zentimeter-Artilleriegeschoss aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Geschoss sei bei den Baggerarbeiten zerstückelt worden, wodurch nach Einschätzung der Experten keine Gefahr mehr von ihm ausging. Vorsorglich richteten die Einsatzkräfte einen Schutzradius von 15 Metern um die Fundstelle ein.

Keine Gefahr für Bevölkerung

Für die Bevölkerung bestand jedoch zu keiner Zeit eine Gefahr, betont eine Sprecherin der Kötztinger Polizei. Auch der Verkehr auf der Westumgehung konnte während des Einsatzes ohne Einschränkungen weiterfließen.

Das Geschoss wurde anschließend abtransportiert. Vorsorglich bleibt nach Angaben Kerns bis Dienstag ein Experte auf der Baustelle, um die weiteren Erdarbeiten zu begleiten. So soll sichergestellt werden, dass mögliche weitere Funde umgehend untersucht werden können.

Kern zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Einsatzes. Er hoffe, dass bei den weiteren Bauarbeiten keine weiteren Kampfmittel mehr entdeckt werden. Vor allem sei er froh, dass der Vorfall schnell geklärt werden konnte und zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe.

Ursprung zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges

Für Stadtarchivar Clemens Pongratz kommt der Fund nicht überraschend. Er sieht ihn in engem Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Kriegstage. Bad Kötzting sei am 5. und 6. Mai 1945 der 11. Panzerdivision der Wehrmacht als Kapitulationsraum zugewiesen worden. Vor allem im Bereich der heutigen Westumgehung bis nach Gehstorf hätten zahlreiche Fahrzeuge der Division gestanden. Pongratz hält es für denkbar, dass dabei Munition verloren ging und bis heute im Boden verblieben ist.

Aktuell im Netz: Unbekannter greift in Cham 13-jähriges Mädchen an – Polizei sucht Zeugen

Nach seinen Worten waren zurückgelassene Waffen in der Region nach Kriegsende keine Seltenheit. Immer wieder seien Gewehre von Zivilisten gefunden worden. Teilweise seien auch spielende Kinder auf die Waffen gestoßen. Pongratz erinnert in diesem Zusammenhang an zwei tödliche Unglücksfälle mit Kindern in Reitenstein und Miltach, bei denen sich Schüsse aus aufgefundenen Gewehren lösten.