Mehr Schatten anstatt Hitzestau: Langquaids Marktplatz soll grüner werden

Von Alexandra Nurtsch · 10. Juli 2026 um 05:00

Bis zu fünf Grad wärmer als in den Wohngebieten: Der Langquaider Marktplatz wird im Sommer zur Hitzefalle. ÖDP-Marktrat Peter-Michael Schmalz will das ändern und hat Bürgermeister Herbert Blascheck und die Markträte auf seiner Seite. Diese Ideen liegen auf dem Tisch.

In Zeiten großer Hitze lechzen Menschen nach Abkühlung und natürlichem Schatten. Doch am Langquaider Marktplatz herrscht hier Fehlanzeige. Vielmehr heizt sich der Bereich aufgrund der dichten Bebauung schnell auf und die Hitze kann nur schlecht entweichen. ÖDP-Marktrat Peter-Michael Schmalz will das ändern und den Marktplatz klimagerecht umgestalten. Damit stößt er bei Bürgermeister Herbert Blascheck und seinen Ratskollegen auf offene Ohren.

Schon in der Vergangenheit habe er immer wieder auf die dringend notwendige Verbesserung der kleinklimatischen und optischen Situation des Marktplatzes hingewiesen, sagt Schmalz. „Am Marktplatz liegen die Temperaturen bei den alljährlich immer länger andauernden und häufiger auftretenden Hitzewellen aufgrund der baulichen Situation zum Teil um bis zu fünf Grad höher als in den Siedlungsbereichen.“

Kugelakazien ohne klimarelevante Schutzfunktion

Die Folge sei vermeidbarer extremer Hitzestress für Menschen, die sich am Marktplatz aufhalten oder dort wohnen. „Da steht im Sommer die Luft.“

Die Kugelakazien am Straßenrand könnten nicht im Ansatz eine klimarelevante Schutzfunktion erfüllen, sagt er. Durch den regelmäßigen starken Rückschnitt und die viel zu kleinen Pflanzflächen seien die Bäume regelrecht verkrüppelt. Neben ihrem Austausch plädiert Schmalz auch dafür, größere Grünbereiche zu schaffen und so die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Gemeinsam mit seinem ÖDP-Kollegen Johannes Reschke fordert Schmalz deshalb in einem Antrag die Umsetzung wirksamer Maßnahmen zur Reduzierung des Hitzestresses. Dabei geht es ihm nicht allein darum, die Bäume zu ersetzen. Vielmehr spricht er sich dafür aus, eine Fachstelle mit einer wissenschaftlich fundierten Beurteilung zu beauftragen, welche Maßnahmen den größten klimatischen Nutzen bringen und den Marktplatz optisch aufwerten.

Heimische Bäume bevorzugt

Denkbar wären für ihn größere Grünbereiche vor der Volksbank oder am Jakobsbrunnen. Auch eine Fassadenbegrünung könne er sich vorstellen – jedoch solle bei der Umgestaltung die historische Bausubstanz nicht versteckt werden. Welche Bäume letztendlich für natürlichen Schatten und Abkühlung am Marktplatz sorgen sollen, darauf will sich Schmalz nicht festlegen. „Hauptsache, es sind heimische Bäume.“

Mit seinen Ideen schließt Schmalz an bestehende Planungen an. Die Aufwertung des Zentrums durch weniger Barrieren, mehr Komfort und eine höhere Aufenthaltsqualität ist seit Längerem Thema in Langquaid. Bürger hatten dazu ihre Anregungen eingebracht und 2023 fand eine „Marktwerkstatt“ mit Bürgermeister und Markträten statt, bei der die Ideen gebündelt wurden. Das Konzept sieht barrierefreie Gehbahnen und Querungen sowie mehr Grün am Marktplatz vor.

„Der Antrag passt optimal zu den Maßnahmen, die wir mit den Bürgern erarbeitet haben“, sagt Bürgermeister Herbert Blascheck auf Nachfrage. Auch in der jüngsten Marktratssitzung, bei der die Grünordnung Thema gewesen sei, seien Schmalz Anregungen auf breite Zustimmung gestoßen.

Im Herbst soll das Konzept fertig sein

Nun soll ein Planungsbüro ein entsprechendes Konzept erarbeiten, wo neue Bäume gepflanzt und weitere Grünflächen geschaffen werden können. Eine Fassadenbegrünung sieht Blascheck am Marktplatz jedoch nicht. Denkbar sei vielmehr, bestimmte Bereiche zu entsiegeln sowie Hauseingänge oder Torbögen mit Hilfe von Rankgittern zu begrünen.

Läuft alles nach Plan, soll im Herbst ein Feinkonzept vorliegen. Dann will Blascheck mit den Räten bei einem gemeinsamen „Marktspaziergang“ über die möglichen Maßnahmen beraten. Danach könnten die Förderanträge für das Projekt gestellt werden. Ist die Finanzierung gesichert, könnten die Arbeiten nächstes Jahr starten. „Das ist ein tolles Projekt“, freut sich Blascheck.

Das Foto aus den 1930er-Jahren zeigt, einst standen am Langquaider Marktplatz große Kastanienbäume. - Foto: Archiv Markt Langquaid

Blick in die Geschichte

Die Baumreihen sind charakteristisch für den Langquaider Marktplatz. Vor mehr als 100 Jahren standen hier Kastanien. Wie es in den Schriften des Bürgervereins „Rund um Langquaid“ heißt, wurden die Bäume 1889 unter Bürgermeister Josef Münsterer gepflanzt.

Die rund 40 Kugelakazien, die heute den Marktplatz zieren, wurden bei der Sanierung des Marktplatzes in den 80er Jahren ausgetauscht.