Vom grünen Rathaus bis zum Springbrunnen: Das tut die Stadt Schwandorf gegen die Hitze

In der zweiten Junihälfte ächzte ganz Schwandorf unter rekordverdächtigen Temperaturen. Inzwischen hat es etwas abgekühlt, aber die nächste Hitzewelle ist schon in Sicht: Für Mitte Juli sind erneut Werte deutlich über 30 Grad angesagt. Die Stadt hat die zunehmenden Wetterextreme auf dem Schirm – ob im Rathaus oder im Elisabethenheim. Auch in der Innenstadt gibt es Ansätze, um für Abkühlung zu sorgen. Ein Überblick.
Stichwort Rathaus: Anfang des Jahres wurde die Begrünung in die Wege geleitet. Die Kletterpflanzen beginnen sich an den angebrachten Gerüsten bereits in die Höhe zu ranken und werden nach Angaben von Pressesprecher Andreas Hofmeister „voraussichtlich im kommenden Jahr die vollständige Fassadenhöhe erreicht haben“. Die Begrünung des Westflügels soll bis dahin ebenfalls erfolgen. Laut Hofmeister wird die Investition aus dem EU-Programm „Verbesserung der Energieeffizienz bei kommunalen Infrastrukturen“ mit 80 Prozent gefördert.

Um wie viel Grad dadurch die Temperatur in den Rathausbüros sinken wird, lässt sich nach Angaben der Stadt noch nicht abschätzen. Doch der Effekt ist laut Hofmeister grundsätzlich positiv. Der Pressesprecher: „Unstrittig ist, dass die Begrünung in den Sommermonaten für eine wirksame Verschattung der Fassade sorgt.
Darüber hinaus heizt sich der Bereich vor dem Gebäude weniger stark auf als bei einer unbewachsenen Fassade, da die Pflanzen die Sonnenstrahlung aufnehmen und durch Verdunstung zusätzlich für eine Kühlung im Fassadenbereich sorgen.“ Im Winter wirke die Begrünung wiederum als zusätzlicher Puffer gegen die Kälte draußen.
Im Elisabethenheim wird die Glasfront energetisch saniert
Senioren sind besonders anfällig für starke Hitze. Und so hat die Stadt Schwandorf im Elisabethenheim bereits auf die Temperaturextreme reagiert und zunächst in den Wohnküchen auf zwei Wohnebenen Klimageräte installiert. Ein weiterer Schritt ist nach Angaben der Stadt die energetische Sanierung der gläsernen Gebäude-Fassade, die bereits in Angriff genommen wurde. Pressesprecher Hofmeister: „Ein erster Musterabschnitt wurde bereits erfolgreich realisiert.“ Dabei wurde laut Heimleiterin Galina Klein die komplette Glasfront erneuert und mit Jalousien versehen. Statt einem Fenster gibt es jetzt zwei, um besser lüften zu können. „Die Maßnahme hat sich bewährt“, sagt Klein. Die Sanierung soll nun schrittweise fortgesetzt werden.

Ein ganzes Bündel von Maßnahmen an Schwandorfs Schulen
Die Stadt Schwandorf setzt auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen, um an den Schulen für ein erträgliches Raumklima zu sorgen. Je nach Alter und baulichen Voraussetzungen gibt es laut Pressestelle Sonnenschutzfolien an den Fenstern, außen angebrachte Jalousien oder dreifachverglaste Fenster. Bei Bedarf werden Ventilatoren und auch mobile Klimageräte aufgestellt. Auch die Umstellung auf LED könne die Wärmeentwicklung reduzieren, so Hofmeister. Die Stadt prüfe fortlaufend, welche Lösungen vor Ort sinnvoll und technisch realisierbar seien.
Trinkbrunnen und Pocket-Parks sorgen für Abkühlung
Nach Angaben des Pressesprechers gibt es derzeit vier öffentliche Trinkbrunnen in der Stadt Schwandorf – in den vier sogenannten Pocket-Parks nahe der Adenauer-Brücke, in der Kreuzbergallee sowie am Stettner- und beim Adolf-Kolping-Platz. Ein weiterer Pocket-Park wurde am Wendelinplatz in der Nähe der Arbeitsagentur angelegt. Die Zahl der Trinkbrunnen ist aus Sicht der Stadt ausreichend. Weitere Grünanlagen seien denkbar, heißt es auf MZ-Anfrage, das setze jedoch geeignete und verfügbare Flächen voraus. Gerade in der Innenstadt seien diese nur begrenzt vorhanden.
Kommt ein Wassernebelsystem wie in Straubing?
Im Juni des vergangenen Jahres hat die CSU-Fraktion im Stadtrat für die Innenstadt ein Wassernebelsystem nach dem Vorbild der Stadt Straubing ins Gespräch gebracht, um für Abkühlung zu sorgen. Nach Angaben Hofmeisters hat die Stadtverwaltung die Prüfung eines möglichen Einsatzes „bereits aufgenommen“. Zurzeit laufe die Erkundungsphase wegen möglicher Systeme. Über das weitere Vorgehen werde „auf Grundlage der Prüfungsergebnisse entschieden“.
Mehr Bäume im Zentrum: Laut Verwaltung gar nicht so einfach
Das Klima in der Innenstadt lässt sich nach Einschätzung der Verwaltung grundsätzlich durch Entsiegelung versiegelter Flächen, Dach- und Fassadenbegrünung und zusätzliche Baumpflanzungen verbessern. Letzteres ist nach Angaben Hofmeisters allerdings nur schwer umzusetzen. Der Pressesprecher: „Ein wesentlicher begrenzender Faktor ist die vorhandene unterirdische Infrastruktur. Leitungen von Strom, Gas, Telekommunikation und Breitband erfordern Schutzabstände und Mindestüberdeckungen.“ Auch robuste Baumarten kämen auf Dauer nicht mit extrem kleinen Wurzelräumen aus.

Flachwurzler wiederum seien ungeeignet, „da ihre Wurzeln Beläge anheben und Schäden verursachen können“. Weitere Baumstandorte lassen sich laut Pressesprecher Hofmeister „im Prinzip nur dort schaffen, wo Flächen entsiegelt werden können“. Denkbar wäre dazu die Auflösung von Parkflächen und Sitzplätzen für die Gastronomie oder der Ankauf und eine Begrünung bisheriger Bauflächen. Bei künftigen Baumaßnahmen will die Stadt Möglichkeiten für mehr Grün „jeweils im Einzelfall“ prüfen.
Stadt unterstützt Bauherren bei der Begrünung
Nach den Worten Hofmeisters wurde das Fassaden- und Geschäftsflächenprogramm der Stadt Schwandorf im vergangenen Jahr um Maßnahmen zur Klimaanpassung erweitert. Förderfähig seien unter anderem die Entsiegelung versiegelter Flächen, die Beseitigung von Schottergärten und die Schaffung von Grünflächen. In der Gestaltungssatzung der Stadt gebe es weitere Vorgaben zur Klimaanpassung, unter anderem zur Dach- und Fassadenbegrünung. Weitere Fördermöglichkeiten seien in Arbeit.
Ideen für eine Anpassung der Stadt an den Klimawandel hat in einer Mitteilung auch die Regionalgruppe der „Omas/Opas for Future Stadt und Landkreis Schwandorf“ eingebracht. Diese Anregungen macht das Bündnis:
• 1. Deutlich mehr Grün in der Stadt: Bäume, auch in der Friedrich-Ebert-Straße, vertikale Gärten an kahlen Fassaden samt Förderprogramm als Anreiz für private Immobilienbesitzer sowie begrünte Dächer auf öffentlichen Gebäuden (idealerweise in Verbindung mit Photovoltaik).
• 2. Parks: Dafür gibt es schon viele gute Beispiele (Stadtpark, Pocket-Park in der Kreuzbergallee). „Nicht gelungen finden wir die Anlage am Schlesierplatz, die keinen Schatten bietet. Besser wäre zum Beispiel eine entsiegelte Fläche mit einem großen Baum in der Mitte und einer Sitzbank rundum“, so die Mitteilung.
• 3. Einführung einer Baumschutzverordnung, die für das ganze Stadtgebiet gilt
• 4. Schottergärten sollten flächendeckend verboten werden.
• 5. Entsiegelung städtischer Flächen, wo es möglich ist. Stattdessen Gestaltung von Grünmulden.
• 6. Wasser: Schaffung von vielen kleinen Wasserflächen, mehr Trinkbrunnen
• 7. Plätze zur Abkühlung anbieten: ein klimatisierter Raum im Rathaus, eine Ecke in einem großen Supermarkt mit Tischen und Stühlen, Trinkwasser und Obst, das der Supermarkt zur Verfügung stellt.
• Resümee: „Für all diese Vorschläge gibt es unzählige Beispiele von Kommunen, die diese Projekte bereits realisiert haben. Wir finden, es ist allerhöchste Zeit, auch in Schwandorf noch mehr Maßnahmen für ein besseres Klima zu ergreifen“, heißt es abschließend in der Mitteilung der Regionalgruppe.