Drogenproblem im Landkreis Cham und in der Oberpfalz wächst beständig und besorgniserregend

Von Alexander Frimberger · 7. Juli 2026 um 19:00

Im Jahr 1996 wurde die Suchthilfeeinrichtung Maximilianshöhe in Furth im Wald ins Leben gerufen. Von Anfang an dabei: Dr. Jürgen Dörfert, therapeutischer Leiter der Einrichtung. Zum 30. Geburtstag stattete Bezirkstagspräsident Franz Löffler der Einrichtung am Montagnachmittag einen Besuch ab.

Selten sieht man Löffler ratlos und betroffen. Doch das Thema Sucht beschäftigt ihn, weil die Fallzahlen ständig steigen. Deswegen sind ihm Einrichtungen wie die in der Drachenstadt, die seit 2022 zum Sozialteam gehört, eine Herzensangelegenheit. Er fragt fast flehentlich in die Runde von Fachleuten und ehemaligen Suchtkranken, was man tun kann, um die Wucht abzumildern, mit der Drogen auch Landkreis und Bezirk treffen.

Ein ehemals Betroffener sieht ein Problem darin, dass Cannabis legalisiert worden ist. Man sehe schon Jüngere vor den Schulen mit einem Joint. Großen Applaus bekam er dafür von Löffler, der sich nach eigenen Aussagen „furchtbar aufgeregt hat“, als das Legalisierungsgesetz in Kraft getreten ist. Auch Dörfert sieht, dass die Zahl der Drogenabhängigen und damit verbundenen Infektionskrankheiten, vor allem Hepatitis C, steigt. Immer mehr Bewohner hätten Persönlichkeitsstörungen, man habe inzwischen Jugendliche, die ganz andere Substanzen als frühere Generationen konsumieren. Die „Jungen Wilden“, wie der Einrichtungsleiter sie nennt, kommen früh in Berührung mit Amphetaminen, synthetischen Cannabinoiden und Neuen Psychoaktiven Substanzen (PNS).

Ein Hauptproblem sei, dass Suchtmittel auf dem Schulhof verfügbar seien und problemlos im Internet bestellt werden können. Dazu, so Dörfert, brauche es heute keinen Dealer mehr. An der Verfügbarkeit ander Drogen sieht er auch einen Hauptgrund dafür, dass die Zahl der Alkoholabhängigen kleiner geworden ist. Doch das Problem betreffe nicht nur Kinder und Jugendliche. Dörfert: „Das ist eine gesellschaftspolitische Frage. Wir leben in einer sehr stark leistungsorientierten Gesellschaft, da produzieren wir auch Opfer.“ Daneben habe auch das Verständnis innerhalb der Bevölkerung nachgelassen. „Wenn ich vor 15 Jahren gesagt habe, dass die Leute sterben, wenn ich ihnen nicht helfe, dann waren die Menschen betroffen“, sagt Dörfert. Heute würde man ihm mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnen.

Daher, darüber bestand in der Runde Einigkeit, sei es wichtig, der Gesellschaft die Augen zu öffnen, Betroffene und Nichtbetroffene einzubinden. Das, so Andrea Polzer, Leiterin der Wohngemeinschaften, klappe seit zwei Jahren gut. Konsens auch bei dem was Peter Weiß, Geschäftsführer des Sozialteams, sagte: „Wir brauchen mehr Prävention.“ Der Königsweg sei laut Löffler, dass Betroffene an Schulen und andere Einrichtungen gehen und von ihrem Leidensweg berichten. Derzeit arbeitet man auf der Maximilianshöhe an einem Konzept, wie man Mehrfachversagern, die trotz Substitution und Wohnbetreuung, immer wieder rückfällig werden, in kleinen Schritten helfen kann.

Maximilianshöhe

Der Bezirk ist Kostenträger für die Maximilianshöhe. Die Einrichtung hat 66 stationäre Wohnplätze. 30 weitere Personen leben ambulant in betreuten Wohngemeinschaften. 40 Mitarbeiter betreuen die Bewohner. Ein großes Thema ist die Substitution. Dabei werden den Patienten legale Ersatzmedikamente verabreicht, damit sie ohne Suchtmittel auskommen können. Die Medikamente können ausgeschlichen oder dauerhaft verabreicht werden.