Vier Niederländer verurteilt: Sie sollen auch im Kreis Kelheim Geldautomaten gesprengt haben

Wegen der Sprengung von Geldautomaten in ganz Deutschland – darunter laut Anklage auch in Elsendorf (Landkreis Kelheim), Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen) und Großmehring (Landkreis Eichstätt) – sind jetzt vier Männer aus den Niederlanden zu teils langen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Wuppertal hat Freiheitsstrafen von bis zu acht Jahren und fünf Monaten verhängt.
Der Prozess hatte sich seit September 2025 über mehrere Monate hingezogen und musste mehrfach verlängert werden. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Laut Gerichtssprecher Daniel Wessel wurden bereits Revisionen eingelegt.
Serie in der Region
Vor zwei Jahren hielt eine ganze Serie an Sprengattacken die Region in Atem. Bereits Ende Januar 2024 explodierte ein Sparkassenautomat in Großmehring (Landkreis Eichstätt). In der Nacht auf 23. Februar 2024 erschütterte dann eine heftige Explosion das Marktzentrum in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen). Gegen 2.45 Uhr flogen die Geldautomaten der Sparkassenfiliale in der Preysingstraße in die Luft. Die Täter flüchteten in einem dunklen Fahrzeug Richtung A93 mit – wie später bekannt wurde – rund 185.000 Euro im Gepäck. Sie hinterließen eine völlig zerstörte Bankfiliale. Der Schaden wurde in der Anklage mit rund 200.000 Euro beziffert.
Anfang März 2024 flogen in Elsendorf (Landkreis Kelheim) gleich zwei Geldautomaten in benachbarten Filialen von Sparkasse und Raiffeisenbank in die Luft.
Einen ausführlichen Bericht zu den Automaten-Sprengungen im Landkreis Kelheim finden Sie hier.
Unter anderem diese Sprengungen wurden vier Männern mit niederländischer Staatsangehörigkeit zugeschrieben, die den Ermittlern einige Monate später in Südholland ins Netz gingen. Die drei Fälle in der Region waren damit Teil des Verfahrens, das im September 2025 am Landgericht Wuppertal in Nordrhein-Westfalen begann. Laut Anklage sollen die Männer zwischen Mai 2022 und Juni 2024 in wechselnder Besetzung 18 Geldautomatensprengungen beziehungsweise Sprengversuche in sieben Bundesländern begangen haben. Demnach sollen sie dabei 1,7 Millionen Euro erbeutet und 2,1 Millionen Euro Sachschaden verursacht haben.
Viele Verhandlungstage
Nachdem sich der Prozess wegen der umfangreichen Beweisaufnahme über fast acht Monate hingezogen hatte – das Gericht musste mehrfach zusätzliche Verhandlungstage ansetzen –, wurden nun im Mai die Urteile verkündet. Das bestätigt das Landgericht Wuppertal auf Anfrage unserer Zeitung. Am 13. Mai sprach die Kammer die Urteile über zwei der Angeklagten, nachdem das Verfahren gegen diese davor zur gesonderten Verhandlung und Entscheidung abgetrennt worden war. Der Angeklagte Khalid T. wurde der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion mit schwerem Bandendiebstahl und gemeinschädlicher Sachbeschädigung in vier Fällen schuldig gesprochen und zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und fünf Monaten verurteilt. Der Angeklagte M. erhielt wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Diebstahl mit Waffen und gemeinschädlicher Sachbeschädigung in zwei Fällen fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe.
Am 21. Mai wurden dann die beiden weiteren Angeklagten wegen Beihilfe verurteilt: Radouane T. in 13 Fällen, wobei es in einem Fall laut Gericht hinsichtlich des Diebstahls mit Waffen beim Versuch blieb; er bekam eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Der Angeklagte L. erhielt wegen Beihilfe zum Diebstahl mit Waffen in zwei Fällen dreieinhalb Jahre.
Revision eingelegt
Die juristische Aufarbeitung dürfte aber noch weitergehen: Nach Information des Landgerichts Wuppertal werden in der Sache sowohl von drei der Angeklagten als auch von der Staatsanwaltschaft Revisionen geführt. Die Urteile sind damit noch nicht rechtskräftig.
Die vier Männer – zu dem Zeitpunkt zwischen 30 und 39 Jahre alt – waren laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Juni 2024 in Südholland festgenommen worden, als sie von einer Sprengung im Landkreis Heilbronn zurückkamen. Es wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter laut Polizei eine große Menge Sprengstoff beziehungsweise Schwarzpulver, verschiedene deutsche und niederländische Autokennzeichen, Bargeld und das mutmaßliche Fluchtfahrzeug, ein dunkler, 580 PS-starker Audi RS 6 ohne Tempo-Abriegelung und mit ausgebauten Airbags. Unter anderem aufgrund dieses Wagens waren die Männer nach einem ihrer Coups ins Visier der Ermittler geraten: Weil es auf niederländischen Autobahnen ein Kennzeichenlesesystem gibt, konnte der Audi mit einer Reihe weiterer Fälle in Verbindung gebracht werden.
Deshalb gibt es weniger Automatensprengungen
Eine „erfreuliche Entwicklung“, was die Fallzahlen von Automatensprengungen betrifft, verzeichnet das Bayerische Landeskriminalamt (LKA): Heuer kam es bislang zu keiner einzigen Geldautomatensprengung im Freistaat. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte es in den ersten sechs Monaten bereits elf Sprengungen gegeben.
Rückläufige Zahlen zeigt auch ein Blick in die Statistik der weiter zurückliegenden Jahre: 2022 wurden in Bayern laut LKA insgesamt 37 Fälle registriert, von 2023 bis 2025 waren es jeweils zwischen 20 und 22 Sprengungen. „Vor diesem Hintergrund kann aktuell von einer positiven Entwicklung gesprochen werden“, so LKA-Sprecher Alexander Groß. Man könne davon ausgehen, dass die in den vergangenen Jahren ergriffenen Präventionsmaßnahmen ihre Wirkung entfalten. Banken und Geldinstitute würden kontinuierlich in die technische Nachrüstung ihrer Geldautomaten investieren. Dazu zählen Einfärbesysteme (sogenannte Raubstopptinte), mechanische Verschlusssysteme sowie weitere technische Sicherungsmaßnahmen. Neben der Prävention verfolge das LKA begangene Taten weiterhin mit hoher Priorität und habe in den vergangenen Monaten erneut Ermittlungserfolge erzielen können – auch dank einer engen nationalen und internationale Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden.
Ungeachtet der positiven Entwicklung stellen Geldautomatensprengungen aufgrund der erheblichen Explosionswirkung aber nach wie vor eine große Gefahr für Bevölkerung und Einsatzkräfte dar, betont Groß. Dazu komme, dass der Gesamtsachschaden um ein Vielfaches höher ist als die eigentliche Beute, weil sich die Explosion nicht nur auf den Automaten beschränkt, sondern erhebliche Schäden an der gesamten Umgebung verursacht. Die Täter setzen mittlerweile überwiegend Festsprengstoffe statt Gasgemische ein. „Diese verursachen deutlich stärkere Explosionen und damit erheblich größere Gebäudeschäden.“
Das zeigt sich in den Schadenssummen: Der überwiegende Teil entsteht durch Schäden an Gebäuden, Automaten und technischer Infrastruktur. „Wir gehen davon aus, dass auf jeden Euro erbeuteten Bargeldes zwei bis drei Euro Sachschaden entstehen“, sagt Groß. So machten Täter im Jahr 2025 in Bayern ungefähr 1,4 Millionen Euro Beute – der Sachschaden lag bei rund 3,5 Millionen Euro.