Kaum Zeit für Schlaf: Burglengenfelds neuer Feuerwehrkommandant ist ein echter Tausendsassa

Hauptberuflich Polizist, frischgebackener Vater, Ehemann und nun auch noch neuer Kommandant der Feuerwehr Burglengenfeld: Der Alltag von Thomas Beer ist gut gefüllt. Beruf, Familie und Ehrenamt verlangen ihm viel ab. Umso spannender ist die Frage, wie der 37-Jährige all diese Aufgaben miteinander verbindet. Und warum er sich ausgerechnet jetzt entschieden hat, als neuer Feuerwehrkommandant noch mehr Verantwortung zu übernehmen.
„Seit dem Kind im Haus ist mein Hobby das Schlafen“, sagt Beer und lacht. Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht. Sein kleiner Sohn Bastian, gerade erst acht Monate alt, bestimmt derzeit den Alltag der jungen Familie. Spaziergänge mit dem Kinderwagen oder ein Eis in der Stadt seien inzwischen kleine Höhepunkte. Gleichzeitig ist da aber noch die Feuerwehr.
„Ich bin in Burglengenfeld zu Hause. Deshalb bedeutet es mir viel, meiner Heimatstadt etwas zurückgeben zu können und für die Sicherheit der Menschen einzustehen“, sagt Beer. Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass er nicht lange überlegen muss, wenn es um die Feuerwehr geht. Er spricht mit Begeisterung von Kameradschaft, Verantwortung und davon, gemeinsam Dinge zu schaffen, die ein Einzelner niemals bewältigen könnte.
Bei aller Verantwortung für die Feuerwehr bleibt die Familie für Beer der wichtigste Rückhalt und oberste Priorität. Gerade mit einem kleinen Kind müsse man Zeit und Kräfte gut einteilen. Seine Frau Sandra unterstütze ihn in seinem Engagement, dennoch habe er sich die Entscheidung für den Führungsposten nicht leicht gemacht und gemeinsam mit ihr getroffen.
2025 Hochzeit und im Oktober Geburt des Sohnes für Familie Beer
„So ein Amt betrifft nicht nur einen selbst, sondern immer auch die Familie und wäre ohne sie kaum möglich“, sagt Beer. Schließlich stecke seine Familie inmitten einer aufregenden Zeit. Im vergangenen Jahr heiratete das Paar, kurz darauf kam im Oktober Bastian zur Welt. Gerade weil die junge Familie eine intensive und besondere Zeit erlebt, sei diese Entscheidung keine rein persönliche gewesen.
Zur Feuerwehr kam Beer 2010 über Freunde. Aus der anfänglichen Neugier wurde schnell Leidenschaft. „Da haben sich Kameradschaft und Freundeskreis einfach vermischt“, sagt er. Nach der Grundausbildung absolvierte er zahlreiche Lehrgänge, wurde Gruppenführer und fand schließlich seine Aufgabe als Bekleidungswart. Zwölf Jahre lang sorgte er dafür, dass jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau die passende und einsatzbereite Schutzausrüstung hat. Beer blickt dabei gerne auf das Amt zurück, das er nun hinter sich lassen muss. Als Kommandant hat er nun andere Aufgaben.

Seine neue Rolle will Beer modern interpretieren. Er wolle Strukturen schaffen und Engagement ermöglichen. Jeder solle sich mit seinen eigenen Stärken einbringen können. Für ihn beginnt ein Einsatz nicht erst mit dem Alarm. Eine Feuerwehr funktioniere, weil Regeln und Standards bereits lange vor Einsätzen gelten. Eine starke Aus- und Fortbildung, verlässliche Strukturen und ein sicherer Umgang mit der Technik seien die Grundlage dafür, dass im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. „Im Einsatz muss sich jeder auf den anderen verlassen können – und genau dieses Vertrauen entsteht nicht erst an der Einsatzstelle, sondern im Alltag der Feuerwehr“, sagt Beer.
Diese Einstellung bringt er auch aus seinem Hauptberuf mit. Nach der Realschule begann Beer bei der Bundespolizei. Sein Weg führte ihn unter anderem nach Bad Bergzabern an die französische Grenze, später nach Deggendorf, Passau, Köln, Lübeck und Rosenheim. Erst vor wenigen Jahren kehrte er beruflich wieder in die Heimat zurück. Nun ist er Polizeihauptkommissar bei der Bundespolizei in Schwandorf und führt dort einen Einsatzzug mit ca. 30 Beamten. Die Erfahrungen aus der Polizei helfen ihm heute auch in der neuen Position. Aus seinem Beruf bringt Beer Erfahrung mit Verantwortung und Konflikten mit. An der Feuerwehr schätzt er besonders, dass Hilfe dort oft ganz direkt erlebbar wird: Menschen geraten in Not – und die Einsatzkräfte können unmittelbar dazu beitragen ihnen zu helfen. Ob Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst oder Wasserwacht – für Beer sind sie alle Teil eines gemeinsamen Systems. „Alleine kommt bei größeren Einsätzen keiner ans Ziel“, weiß der Kommandant.
Unterstützung durch Vize-Kommandtin Theresa Hecht und Stellvertreter Michael Aschenbrenner
Auch innerhalb der Feuerwehr setzt Beer auf Teamarbeit. Vize-Kommandantin Theresa Hecht arbeitet hauptberuflich als Feuerwehrfrau bei der US-Armee in Hohenfels und kümmert sich vor allem um die Nachwuchsarbeit. Sein zweiter Stellvertreter Michael Aschenbrenner ist Berufsfeuerwehrmann in Regensburg. „In den Lagen, bei denen ich nicht weiterkomme, fungiert er schon fast als wandelndes Lexikon“, sagt Beer schmunzelnd. Er selbst bringe durch seine Zeit als Bekleidungswart und sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt technisches und organisatorisches Know-how mit. „So ergänzen wir uns in der Feuerwehrleitung sehr gut“, ist der neue Chef der Burglengenfelder Aktiven überzeugt.
Sein Ziel ist deshalb eine neue Organisationsstruktur. Spezialisten sollen mehr Verantwortung für ihre Fachbereiche übernehmen und ihre Fähigkeiten gezielt einbringen können. Nicht jeder müsse alles können. Entscheidend sei, dass jeder dort mitwirke, wo seine Stärken liegen. Denn am Ende, davon ist der 37-Jährige überzeugt, entsteht die größte Stärke einer Feuerwehr nicht durch moderne Fahrzeuge oder Technik, sondern durch die Menschen, die gemeinsam dahinterstehen.
Alleine kommt bei größeren Einsätzen keiner ans ZielThomas Beer (Neuer Feuerwehrkommandant Burglengenfeld)
Nach den Corona-Jahren sieht Beer darin eine besondere Aufgabe. „Wir mussten auch einen Aktivitätsknick verzeichnen. Die Menschen haben gemerkt, dass die Couch zu Hause auch ganz bequem ist.“ Umso wichtiger sei es, die Feuerwehr weiterhin attraktiv zu machen.
Denn für ihn bietet kaum ein Hobby mehr Sinn. „Man hat hier tatsächlich die Möglichkeit zu wirken und Gutes zu tun.“ Neben technischem Wissen und einer fundierten Ausbildung sei es vor allem das Gefühl, Menschen in Ausnahmesituationen helfen zu können. „Die Feuerwehr wird überwiegend nicht aus Spaß gerufen, sondern immer dann, wenn Menschen in einer Lage sind, aus der sie sich selbst nicht mehr befreien können. Ihnen dann helfen zu können, gibt einem selbst unglaublich viel zurück“, sagt der Kommandant.
Wenn Beer schließlich wieder über seinen Sohn spricht, huscht ihm noch einmal ein Lächeln übers Gesicht. Während andere Kinder nur mit einem Feuerwehrauto spielen, darf Bastian bestimmt irgendwann im echten Löschfahrzeug Platz nehmen. Besonders freut sich der frischgebackene Vater schon auf den ersten Besuch der Feuerwehr im Kindergarten. „Ich freue mich darauf, ihn eines Tages mit meinen Kameradinnen und Kameraden dort zu besuchen“, sagt Beer. Und man merkt gleich, dass im neuen Kommandanten der Burglengenfelder Wehr mindestens zwei Herzen schlagen: das, des stolzen Familienvater, und das des überzeugten Feuerwehrmanns.