Waldmünchner Unternehmen entwickelt digitale Sarg-App und gewinnt Innovationspreis

Die Bestattung wird digital: Karl Wilhelm (42) und Matthias Eiban (36) – ein Neunburger Bestatter und ein Waldmünchner – haben die RIP-App erfunden. Ein kleines elektronisches Bauteil, auf das Bestatter, Krematorien und Sarghersteller der Welt gewartet zu haben scheinen und das für Angehörige eine echte Beruhigung in einer schwierigen Zeit sein kann.
Im Prinzip ist es ein Tracker, so wie wir ihn von vielen Onlinehändlern kennen, der uns mitteilt, wo sich unsere Bestellung gerade befindet. Dieses Prinzip hat die Waldmünchner Firma RIPsolutions auf den Trauerfall angewandt – verbunden mit vielen Serviceleistungen für die Angehörigen, aber auch für Bestatter und Krematorien.
Innovationspreis bei der Fachmesse der Bestatter
„Digitaler Sarg“ ist eine andere Begrifflichkeit, die in Zusammenhang mit dem Produkt fällt. Wie gefragt diese Idee ist, macht zum Beispiel der Innovationspreis deutlich, den die RIP-App im Juni bei der BeFa, der deutschen Fachmesse für Bestatter, erhalten hat.
Als wir mit Karl Wilhelm per Teams konferieren, sitzt er gerade am Flughafen in Japan. Er war bei einer Messe für Bestatter im asiatischen Raum. Auch hier sei das Interesse nach anfänglicher Zurückhaltung groß gewesen. Gerade in der japanischen Trauerkultur sei es wichtig, dass Angehörige an der Einäscherungszeremonie teilnehmen können, und diese Möglichkeit biete die App auch für weit entfernte Angehörige.
Heraus kommt das Produkt übrigens erst im Herbst, aber schon jetzt gebe es feste Verträge mit rund 20 Krematorien und sechs Sarglieferanten in Deutschland, berichtet Wilhelm. Weil die Idee für viele so interessant ist, hat das junge Unternehmen die Idee der RIP-App auch schützen lassen. Wilhelm: „Wir haben es europaweit patentieren lassen.“
Wir haben es europaweit patentieren lassen.Karl Wilhelm (42), Erfinder der App
Wilhelm erzählt, wie er auf die Idee mit der App kam. Er sei beim Weiherabfischen gewesen, als eine seiner Bekannten gesagt habe, sie müsse jetzt nach Haus, weil das Päckchen, auf das sie so dringend warte, „auf der letzten Meile“, also kurz vor der Auslieferung sei. Dass habe dann zu dem Gedanken geführt: Das kann doch nicht sein, dass wir wissen, wo sich irgendein Päckchen befindet, aber nicht wissen, wo gerade der verstorbene Angehörige ist: Auf dem Weg zum Bestatter, in der Kühlung, im Krematorium. Ihre Lieben auf dem letzten Weg zumindest virtuell zu begleiten, dürfte für viele Angehörige wichtig sein.
Bei der Entwicklung der App hat man auch etwas Marktforschung betrieben. Wilhelm berichtet, dass 1000 Angehörige von Verstorbenen befragt wurden, ob es ihnen wichtig gewesen wäre zu wissen, wo ihr Verstorbener gerade ist. Zwei Drittel der Befragten hätten so eine Möglichkeit geschätzt und wären damit potenzielle Interessenten.
Aber natürlich ist die App mehr als nur eine Tracking-Möglichkeit. Mit ihr lassen sich beispielsweise auch wichtige Informationen oder Wünsche zwischen Bestatter und Angehörigen austauschen. Zum Beispiel mit Blick auf eine Zeitungsanzeige oder eine Kondolenzseite im Netz. Für Bestatter oder Krematorien wiederum lassen sich mit der App Abläufe leichter planen und verwalten. Die App werde auch einen KI-Assistent enthalten, bei dem wichtige Informationen, wie zum Beispiel die länderspezifischen Bestattungsgesetze, hinterlegt sind, sagt Wilhelm.
So etwas seien noch Programmieraufgaben bis zum Herbst. Dann sollen die 30 000 Tags fertig sein, die die Basis des Trackingsystems sind.
Bei der Herstellung setzt RIPsolutions auf Regionales
Dabei setzen Wilhelm und Eiban auf regionale Hersteller und Anbieter. So werde die Platine beispielsweise bei der Firma Deltec in Furth im Wald gefertigt.