Falkensteiner Burghofspiele feiern mit „Das Gespenst von Canterville“ gelungene Premiere

Von Anja Pfeffer · 29. Juni 2026 um 19:00

Am Samstagabend bei vollen Rängen und warmen Temperaturen begann es auf Burg Falkenstein zu spuken. Das Stück „Das Gespenst von Canterville“ frei nach Oscar Wilde von Jürgen von Bülow unter der Regie von Melody Bayer feierte Premiere. Ein besonderer Eröffnungsabend, denn die Burghofspiele feiern 50-jähriges Bestehen. Eine war von Anfang an mit dabei: Schon 1976 stand Christiane Auburger auf der Bühne. Sie war es auch, die in der Rolle der Haushälterin Mrs. Umney, zusammen mit Lord Canterville (gespielt von Holger Radetzky) am Samstag zuerst die Bühne betrat. Schon die ersten Szenen entlockten dem Publikum ein Kichern.

Zuvor begrüßte Bürgermeisterin Heike Fries die Ehrengäste und Zuschauenden. Doch dann warteten alle gespannt auf die ersten Geister. Die Gespensterazubis Violett Darkville (Margit Meinzinger) und Grace Darkville (gespielt von der jüngsten Darstellerin Lisa Lachmann) unterhielten sich aufgeregt über Sir Simon (Michael Schmidbauer), das bekannte Schlossgespenst von Canterville, der in der Geisterszene seit Jahrhunderten eine „große“ Nummer ist.

Freiwilliges soziales Jahr im Geisterleben

Doch er hat ein Problem, was Abbey Road (Daniel Wagner), ein Gespenst, das im Geisterverband Mitglied ist und Last Christmas (Matthias Haimerl), ein Geist, der ein freiwilliges soziales Jahr absolvierte, schon früh in der Geschichte thematisieren: Sir Simon wird alt, seine Spukkünste lassen zu wünschen übrig und er will das nicht wahrhaben.

Sir Simon (Michael Schmidbauer) - Foto: Anja Pfeffer
Überraschung gelungen Landrat Christian Schindler übernahm einen Gastauftritt - Foto: Anja Pfeffer
Sir Simon (Michael Schmidbauer) im Hintergrund Virginia (Katrin Wolf) - Foto: Anja Pfeffer
die Influencerinnen AC (Katharina Neft) und DC (Katharina Kiefmann) - Foto: Anja Pfeffer
Gwendolin Raddish (Johanna Wutz) machte sich ein Bild von Sir Simons Zustand - Foto: Anja Pfeffer
Virgina (Katrin Wolf) versuchte Sir Simon (Michael Schmidbauer) zu helfen - Foto: Anja Pfeffer
Sir Simon hatte einige Spuktricks auf Lager - Foto: Anja Pfeffer
Menschen und Geister kamen sich näher - Foto: Anja Pfeffer
MC Wash (Armin Eigenstetter) und Virginia (Kathrin Wolf) - Foto: Anja Pfeffer
für Lacher sorgte MC Wash (Armin Eigenstetter) - Foto: Anja Pfeffer

Die Zuschauenden staunten nicht schlecht, als ein Darsteller die Bühne betrat, der auf der Besetzungsliste fehlte. Landrat Christian Schindler übernahm eine Komparsenrolle als Abbey Roads Urgroßvater. Das war der „Deal“: Er übernimmt die Schirmherrschaft, wenn er bei der Premiere eine kleine Rolle übernehmen darf. Diese Überraschung ist Melody Bayer und dem Landrat geglückt. Er verabschiedete sich nach seinem Auftritt aus dem Geschehen und nahm wieder die beobachtende Position auf der Tribüne ein, während im Schloss Canterville die neuen Besitzer anreisten. Die Amerikaner, die Sir Simon vertreiben sollte. Beim ersten Auftritt des Schlossgespenstes blieb kein Auge trocken. Nicht nur, dass er sich nicht mehr unsichtbar machen konnte, auch waren seine Erschreckmethoden lange überholt.

Schmidbauer verstand es, der Rolle des in die Jahre gekommen Schlossgeistes durch Mimik und Gestik Leben einzuhauchen. Die Neuankömmlinge machten sich über ihn lustig, die Zuschauenden trainierten ihre Lachmuskeln beim Auftritt von MC Wash (Armin Eigenstetter), ein amerikanische Rapper nahm die Bühne mit seinem überheblichen Auftreten ein, auch seine Schwestern AC (Katharina Neft) und DC (Katharina Kiefmann) sorgten für Lacher. Die beiden Influencerinnen waren stets auf die meisten Klicks aus. Loses Mundwerk und klare Meinung zeichneten die Rollen aus.

Zur Familie der Eindringlinge gehörten auch die Eltern Mr. Hiram Otis (Josef Mackiewicz) und Mrs. Lucretia Otis (Stephanie Eckel), die ihre Kinder charmant immer wieder in Verlegenheit brachten. Während der Rest der Familie eher mit sich selbst beschäftigt war, trat die älteste Tochter Virginia Cameron Otis (Katrin Wolf) mit Sir Simon in Kontakt. Sie wollte ihm helfen, denn Abbey Road und Last Christmas meldeten sein Versagen beim Vorstand des AGGV EV. Gwendolin Raddish (Johanna Wutz), die für die Geisterrenten zuständig war. Sie reiste an, um sich von Sir Simons Zustand zu überzeugen. Ob Mensch oder Gespenst, alle wussten: die Geisterrente ist nichts für Sir Simon, und schon gar nicht konnte er sein geliebtes Schloss verlassen.

Kreativität war gefragt, Zusammenarbeit zwischen Geistern und Menschen sowie Jung und Alt wurde nötig, um Sir Simon vor der Rente zu bewahren. Während er sich mürrisch und unkooperativ gab, schafften es die Geister und die amerikanische Familie, sich zusammenzuraufen und Sir Simons Geisterrente zu verhindern.

Eine große Portion Humor ist immer dabei

Ein gelungenes Stück, das die Themen von Jung und Alt vereint. Während Sir Simon das Älterwerden nicht akzeptieren möchte, kämpfen die jungen Menschen um Anerkennung und Aufmerksamkeit. Das Ganze verpackt in einer großen Portion Humor, untermalt mit der passenden Musik bescherte den Zuschauenden einen tollen Abend. Gerade die Abendvorstellungen sind zu empfehlen: Die Lichttechnik leistet ganze Arbeit, und auch die Darstellenden sorgen mit leuchtenden Umhängen für besonderes Ambiente. Ein gewiefter Trick der Regie: Leuchten die Umhänge, sind die Gespenster sichtbar. Leuchten sie nicht, haben sie sich unsichtbar gemacht.

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Im Anschluss fand die Premierenfeier statt. Landrat Schindler, Altlandrat Theo Zellner und Bundestagsabgeordnete Engelhardt-Kopf fanden lobende Worte für die Darstellerinnen und Darsteller. Außerdem übergaben der Landrat und die Bundestagsabgeordnete eine Spende an den Förderverein der Burghofspiele.

Wer wissen will, wie es Menschen und Gespenster schaffen, Sir Simon zu retten, kann das Stück noch bis 25. Juli sehen. Tickets gibts im Tourismusbüro Falkenstein oder unter okticket.de.