Politik in Treffelstein: Auf Welche Ideen der jüngste Gemeinderat im Landkreis Cham setzt

Von Martin Hladik · 30. Juni 2026 um 05:00

In Treffelstein ist fast der komplette Gemeinderat neu – und außergewöhnlich jung. Mit einem Durchschnittsalter von rund 34 Jahren gehört das Gremium zu den jüngsten im Landkreis Cham. Zwei Gemeinderäte erklären, warum sich junge Menschen engagieren, welche Themen sie antreiben und weshalb Treffelstein dem demografischen Trend trotzt.

Video ansehen

Bevor jetzt jemand ganz genau nachrechnet: Uns waren nur die Geburtsjahrgänge bekannt, und wir sind für die Rechnung davon ausgegangen, dass noch keiner der Räte Geburtstag hatte. Eine Statistik zum durchschnittlichen Alter von bayerischen Gemeinderäten gibt es übrigens beim Landesamt für Statistik nicht, und auch das Landratsamt kann in diesen Fall nicht helfen, weil einige Gemeinden aus Datenschutzgründen das Alter ihrer Gemeinderäte nicht bekanntgeben.

Der junge Altersschnitt im Gemeinderat überschneidet sich mit einer anderen Besonderheit der 979-Einwohner-Gemeinde (Daten von 2024): Als einziger Gemeinde im Norden des Landkreises sagen die Statistiker Treffelstein ein positives Bevölkerungswachstum bis 2038 voraus. Um 20 Einwohner oder 1,2 Prozent könnte die Bevölkerung wachsen, während alle Gemeinden drumherum alle mit einem Bevölkerungsschwund rechnen müssen.

Generation zwischen 30 und 40 vertritt die Gemeinde

Das sind jetzt zwar keine hohen Zahlen, aber dennoch bleibt festzuhalten, dass Treffelstein gegen den Trend wächst. Gibt es dafür Gründe? Wir haben dazu mit zwei Gemeinderäten gesprochen. Es sind die beiden Jugendbeauftragten im Gemeinderat, Daniel Stangl (39) und Stefan Spichtinger (30). Spichtinger ist der Jüngste unter den Gemeinderäten und Stangl gehört mit 39 Jahren bereits zu der Gruppe der ältesten Gemeinderäte in Treffelstein. Im Wesentlichen ist nur die Generation zwischen 30 und 40 im Treffelsteiner Rat vertreten. Älter ist nur Bürgermeister Armin Wallner mit 58 Jahren. Und auch das ist wichtig: Von den acht Gemeinderäten sind sieben neu ins Gremium gewählt.

Spichtinger ist verheiratet und hat eine Tochter. Mit seiner Familie lebt er im Hauptort Treffelstein. Das trifft auch für Daniel Stangl zu, der mit zwei Kindern und seiner Lebensgefährtin dort wohnt. Im Vergleich zu größeren Orten gibt es in Treffelstein kaum politische Parteien, der Gemeinderat setzt sich aus vier Gruppierungen zusammen. Spichtinger und Stangl sind die beiden Vertreter der Wählergruppe Gemeinschaft. Spichtinger wurde als Kommandant der Feuerwehr gefragt, ob er auf die Liste gehe. Er sagte zu, „um etwas für die jungen Leute zu tun“, die er aus der Jugendwehr kenne.

„Ich wollte in den Gemeinderat“, sagt Stangl. Er habe schon einmal kandidiert, und wollte es diesmal schaffen. „Für mich ist die offene Kommunikation wichtig“, beschreibt Stangl sein wichtigstes Anliegen.

Für mich ist die offene Kommunikation wichtig.Daniel Stangl, Gemeinderat in Treffelstein

Die Frage, warum Treffelstein bei der demografischen Entwicklung gut abschneide, beantworten beide mit dem Hinweis auf ein neue Baugebiet. Das gibt es so allerdings auch in anderen Gemeinden. Dann beschreibt Stangl, eigentlich in einer Randbemerkung, was ihn dazu gebracht habe, Treffelsteiner zu werden. Er stamme aus Steinlohe, das zum Nachbarort Tiefenbach gehört. „Es war ein Gefühl. Ich wollte auf Treffelstein.“ Es gebe ein gutes Miteinander der Vereine, der See liege vor der Haustür, hier sei die „Welt noch in Ordnung“, versucht er sein positives „Gefühl“ zu erklären. Die Vereine „sind jetzt beisammen“, beschreibt Spichtinger seinen Eindruck. Ein Auslöser des Miteinanders ohne Konkurrenzdenken könnte das Jubiläum der Feuerwehr 2023 gewesen sein, wo alle zusammengeholfen haben, sagt er.

Dass der Gemeinderat jetzt nur mit der Generation zwischen 30 und 40 – die gemeinhin als Generation Y bezeichnet wird – besetzt ist, nehmen beide eher pragmatisch. „Die Älteren wollten nicht mehr“, sagt Stangl. Alle ausgeschiedenen hätten mindestens zwei Perioden als Gemeinderäte gearbeitet. Somit gibt es im neuen Gemeindererat mit dem Bürgermeister nur zwei Personen, die Vorerfahrungen in der Kommunalpolitik haben. Er sehe den Wechsel „als Chance“, sagt Spichtinger. Die Verwaltung gleiche das fehlende Vorwissen aus. Die Sitzungen seien gut vorbereitet. Anhand der Unterlagen, die die Verwaltung zur Verfügung stellt, bereite er sich auf die Sitzung vor, erklärt Stangl. Meist sehe er sich sogar den Gegenstand, über den gesprochen werde, vor Ort an.

Bei der Frage, was man in Treffelstein noch besser machen könne, spricht Stangl als allererstes das Leichenhaus an, das saniert werden müsse. Aber hier müsse erst der Gemeinderat beraten. Auf die verblüffte Nachfrage des Reporters, dass das nicht unbedingt ein Jugendthema sei, reagiert Stangl mit: „Darauf wird man in der Bevölkerung angesprochen.“

Die Jugendlichen, erklärt Spichtinger später, bräuchten eine Örtlichkeit für sich, einen Treffpunkt. Das mit den Dorfhütten wie früher funktioniere nicht mehr. Die Idee für so einen Raum gehöre zum Konzept der Hauptstraße 1, einem Plan der Gemeinde für einen zentralen Treffpunkt mit Dorfladen. Aber auch die Vereine täten viel für die Jugend, ergänzt Spichtinger, während Stangl auf das gemeinsame Ferienprogramm verweist.

Im Bürgermeisteramt zählt Erfahrung

Und wie steht der junge Gemeinderat zum deutlich älteren neuen Bürgermeister? Die Frage, warum es gelungen ist, viele neue Kandidaten auf die Listen zu bringen, aber es nicht gelungen ist, einen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen, beantwortet Stangl zuerst. „Als Bürgermeister muss man es allen recht machen und man ist permanent unterwegs“, schildert er die Lasten des Amtes. Zudem brauche man „jemand mit Erfahrung“ auf diesem Posten. Die Umsetzung der Hauptstraße 1 werde nicht einfach. „Armin als Bürgermeister-Sohn ist da der Richtige. Der weiß, was auf ihn zukommt.“ „Wir sind heilfroh dass wir ihn aufgetan haben“, ergänzt Stangl.