Larven gehen in die Haut: Kioskler am Sarchinger Weiher bei Regensburg sprechen von Panikmache

Die wirtschaftliche Flaute der Kioskbetreiber am Sarchinger Weiher (Landkreis Regensburg) nimmt kein Ende: Nachdem Warnungen vor Zerkarien im Netz kursiert und auch Anfragen sowie Meldungen über Hautausschläge nach dem Baden im See beim Landratsamt eingegangen waren, kommen weniger Besucher und damit auch potenzielle Kunden dieser Büdchen ans Ufer. Deswegen fordern deren Chefs nun eine Klarstellung. Das plant das Landratsamt.
Seit Pfingsten sind die Larven von Saugwürmern Thema, die sich in die menschliche Haut fressen und Juckreiz sowie Quaddeln auslösen können. Seit vergangener Woche stehen zudem auch Schilder an den Badestellen, die über die Parasiten informieren. Diese Larven könnten besonders am von Wasservögeln bevölkerten Uferbereich des Badesees auftreten. Der dem Landratsamt angegliederte Verein für Naherholung im Raum Regensburg empfiehlt, die flache Uferzone mit dichter Vegetation zu meiden, nasse Badebekleidung rasch auszuziehen, sich gründlich abzutrocknen, keine Wasservögel zu füttern und bei Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.
Die Pacht müssen die Betreiber trotzdem bezahlen
Den Kioskbetreibern sind diese Tafeln ein Dorn im Auge. „Die Leute kommen, lesen die Schilder und drehen wieder um“, sagt Messam Shaghaghi von der Kame Beachbar am nördlichen Eck des Sees. Christian Eggl spricht im Namen seines Sohnes Alexander, der Ílios Beach auf der Friesheimer Seite des Sarchinger Weihers betreibt. Für ihn sind die Schilder vor allem eines: Panikmache. Er erwartet eine Klarstellung vonseiten des Landratsamts, sobald sich die Lage wieder beruhigt hat. „Bald müssen wir die Pacht bezahlen. Aber gerade ist das ein Minusgeschäft“, sagt Kaya Suat, Chef im Kiosk auf der Südseite des Sees. Er fühle sich im Stich gelassen. Eggl sagt, dass die Schilder die Menschen in der Region um ihre Erholung bringen würden.

Dabei ist weiterhin unklar, ob sich die für das menschliche Auge nicht sichtbaren Zerkarien überhaupt im Sarchinger Weiher befinden. Hans Fichtl, Pressesprecher am Landratsamt, sagt, dass eine Untersuchung von Badegewässern auf Zerkarien nicht Bestandteil der routinemäßigen Badegewässerüberwachung sei und dem Gesundheitsamt deswegen keine systematischen Erkenntnisse dazu vorlägen. Zu der Forderung der drei Kioskbetreiber, das Wasser auf mögliche Vorkommen von Zerkarien zu beproben, sagt Fichtl: „Aufgrund der sehr unterschiedlichen Verteilung im Gewässer hätten Untersuchungsergebnisse auch nur eine geringe Aussagekraft.“
Das Auftreten der Zerkarien hänge unter anderem von den Faktoren Wassertemperatur und Besiedlung des Gewässers mit Wasservögeln ab. Durch die Zunahme der Wasservögel und Schilfgürtel steige die Zerkarienlast im Wasser.
Wir haben alle wichtigen Nachrichten aus der Region zur aktuellen Hitze für Sie in unserem MZ-Hitze-Ticker gebündelt.
Die Schilder sollen erst einmal am Ufer bleiben
Die Schilder, die Suat, Shaghaghi und Eggl so ärgern, sollen laut der Pläne des Naherholungsvereins präventiv beibehalten bleiben, solange sich die für Badegäste wie für Kioskbetreiber bedauerliche Situation so darstelle wie derzeit, gibt Fichtl weiter Auskunft.
Was sind Zerkarien?
• Was sind Zerkarien? Saugwurmlarven: Sie bohren sich laut Homepage des Landesamts für Umwelt in die Haut des Menschen. Dort würden sie durch das Immunsystem abgetötet. Der Mensch sei ein Fehlwirt, in dem sich die Larven nicht halten oder weiterentwickeln könnten.
• Symptome: Erstinfektionen verliefen in der Regel ohne Symptome. Es könne zu leichtem Hautjucken und kleinen roten Flecken kommen. Der nächste Befall könne zu einem juckenden Hautausschlag führen. Die Symptome sollen nach zehn bis 20 Tagen abklingen.
• Prophylaxe: Keine längeren Aufenthalte im Flachwasser, höchstens kurze Aufenthalte in Bereichen mit Wasserpflanzen, kein Baden in den frühen Morgenstunden, besser in tieferen oder leicht strömenden Bereichen schwimmen, Badesachen wechseln, abtrocknen.
Um einen Zerkarienbefall künftig besser eindämmen zu können, stehe der Naherholungsverein mit dem Gesundheitsamt und der Gemeinde Barbing in Kontakt. Es geht laut Fichtl etwa um Maßnahmen zur Reduzierung der Wasservogeldichte am Badegewässer. Auf die Frage, welche Methoden das sein könnten, verweist Fichtl auf anstehende Gespräche mit Fachbehörden. Dem wolle er nicht vorgreifen. Es handle sich aber eher um technische Maßnahmen wie das Freihalten von Schilfbereichen in bestimmten Abschnitten. „Dass Tiere abgeschossen werden, halte ich für ausgeschlossen“, verdeutlicht er.