Warnungen vor Ekelwürmern im Sarchinger Weiher im Landkreis Regensburg: Kiosk-Chefs verzweifeln

Nachdem seit Wochen Warnungen vor sogenannten Zerkarien im Sarchinger Weiher in den sozialen Netzwerken kursiert waren, rammte der dem Landratsamt angegliederte Verein für Naherholung im Raum Regensburg jetzt Pflöcke ein. Im wahrsten Sinne des Wortes: An den Badestellen informieren Schilder an Pfosten mit roten Spitzen über die Parasiten. Für die Kioskbetreiber ist das ein Schlag in den Nacken. Sie fürchten ums Geschäft.
Denn das, was auf diesen Schildern steht, ist nichts für schwache Nerven: Die Zerkarien – das sind mikroskopisch kleine Larven von Saugwürmer – könnten in die menschliche Haut eindringen und juckende Badedermatitis verursachen. Diese Larven könnten besonders am von Wasservögeln bevölkerten Uferbereich des Badesees auftreten. Der Verein empfiehlt, die flache Uferzone mit dichter Vegetation zu meiden, nasse Badebekleidung rasch auszuziehen, sich gründlich abzutrocknen, keine Wasservögel zu füttern und bei Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.
Hausarzt: Juckreiz kann bis zu 20 Tage lang andauern
Denn während es beim ersten Kontakt lediglich zu einer Reaktion ähnlich eines Mückenstichs komme, falle die Antwort des Immunsystems bei weiteren Zusammentreffen des Menschen mit den Parasiten stärker aus, erklärt Hausarzt Dr. Stefan Semmler, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Er spricht von Symptomen wie einer deutlichen Hautreaktion, Juckreiz oder Quaddelbildung. Semmler betont aber auch: „Der Befall ist für den Menschen ungefährlich, die Larven werden durch das menschliche Immunsystem zuverlässig abgetötet.“
Unangenehm sei aber die lange Dauer der Hautreaktion von laut Semmler zehn bis 20 Tagen. Sollte es durch das Aufkratzen der Quaddeln zu einer zusätzlichen Infektion der Haut kommen, sei eine Vorstellung beim Hausarzt sinnvoll. Ansonsten rate er zu kühlenden Cremes und gegebenenfalls zu Antihistaminika. Den Tipps des Naherholungsvereins fügt Semmler einen weiteren hinzu: Das Betreten des Wassers von einem Steg aus könne das Risiko, sich zu infizieren, reduzieren.
Ob sich die für das menschliche Auge nicht sichtbaren Zerkarien überhaupt im Sarchinger Weiher befinden, ist im Moment unklar. Aussagen über ein mögliches Vorkommen in einzelnen Gewässern könnten laut Marcus Dörner von der Pressestelle des Landkreises nicht getroffen werden, weil die Untersuchung von Badegewässern auf Zerkarien nicht Bestandteil der routinemäßigen Badegewässerüberwachung sei. Untersuchungsergebnisse öffentlicher Stellen zum Vorkommen von Zerkarien im Sarchinger See liegen dem Gesundheitsamt laut Dörner nicht vor. Wohl aber seien zuletzt vermehrt Anfragen und Meldungen über Hautausschläge nach dem Baden im Sarchinger See beim Landratsamt eingegangen. „Ob diese Beschwerden tatsächlich durch Zerkarien verursacht wurden und ob Zerkarien im Sarchinger See vorkommen, kann vom Gesundheitsamt nicht beurteilt werden“, erklärt er.
Die Auswirkungen gleichlautender Beiträge in sozialen Medien bekommen derweil die Betreiber der drei Kioske am Sarchinger Weiher zu spüren – und sie sind verheerend: Messam Shaghaghi betreibt die Kame Beachbar am nördlichen Eck des Sees erst seit sieben Wochen. Seit vier Wochen aber kommen seiner Auskunft zufolge nahezu keine Badegäste mehr. „Pfingstmontag ist es losgegangen“, erinnert er sich.
Ware für mehrere Tausend Euro liegt auf Eis
Das habe inzwischen zu einem finanziellen Rückschlag geführt. Pommes, Nuggets, Schnitzel – er habe Ware im Wert von mehreren Tausend Euro einfrieren müssen. Den Stromverbrauch dafür müsse er natürlich bezahlen. „Wenn das an diesem Wochenende nichts wird, kann ich das vergessen. Das wird dann echt schwierig. Es bleiben ja höchstens noch zwei Monate“, sagt Shaghaghi. Ans Aufgeben wolle er nun nicht denken. Der junge Familienvater sagt, sein gesamtes Geld in diesen Betrieb gesteckt zu haben.
Christian Eggl spricht im Namen seines Sohnes Alexander, der Ílios Beach auf der Friesheimer Seite des Sarchinger Weihers betreibt. Die Posts in den sozialen Medien sind in seinen Augen extrem negative Schlagzeilen. Dass jetzt auch noch die Schilder des Naherholungsvereins aufgestellt wurden, empfindet er als einen weiteren Affront. Eggl habe die Info bekommen, dass noch nicht entschieden sei, ob die Tafeln bleiben und, dass diese als präventive Hinweise zu verstehen seien. „Wenn ich einen roten Pflock aufstelle, ist das kein Hinweis, sondern eine Warnung“, wettert Eggl. „Diese Tage jetzt, das ist unsere Hauptgeschäftszeit“, ärgert er sich. Die Pacht, der Strom, die Entsorgung, die Rasenpflege – all das müsse bezahlt werden, ob nun Badegäste kommen oder nicht. Und die zehntägige Hitzewelle, die angesagt ist, sei genau die Zeit, die er brauche, um diese Fixkosten abzudecken. „Jetzt aber sind drei Gäste da statt 30 bis 40“, verdeutlicht Eggl.
„Wir alle machen jeden Tag alles sauber“, beteuert Kaya Suat, Chef im Kiosk auf der Südseite des Sees. Er meint den Kot der Wasservögel. Laut Hausarzt Semmler werden die Vorstufen der Larven über den Kot der Enten in Gewässer abgegeben. Suat betont, dass der Mensch nicht der Wirt der Zerkarien sei, was Semmler bestätigt. Suat sagt aber auch: „Von uns hat den Ausschlag noch keiner gehabt.“
Eggl hilft derweil nur noch Galgenhumor. Er verweist auf den Guggenberger Weiher, in dem kürzlich eine Frau von einem Waller in den Fuß gebissen wurde. „Warum stehen da keine Hinweisschilder?“, fragt er. Einen Textvorschlag hätte Eggl: „Achtung bissiger Waller!“