Naturbad Postbauer-Heng eröffnet mit Verspätung: Markt muss weiter investieren

Am Freitag hat das Warten für alle Fans des Naturbads Postbauer-Heng ein Ende: Um 14 Uhr startet die Badesaison endlich mit einem gemeinsamen Anschwimmen aller Badewilligen. Trotzdem ist das Naturbad noch nicht gerettet. Um es langfristig zu erhalten, hat der Marktrat jetzt einen langfristigen und teuren Plan geschmiedet.
Nachdem es im Frühjahr wegen lecker Stellen leer gelaufen war, konnten Bürgermeister Michael Frisch und der Bauhof die Badesaison zur Freude von Groß und Klein und der Familie Pasimeni, die aus dem bisherigen Kiosk eine richtige Pizzeria gemacht hat, einer in letzter Minute ausgefallenen Brunnenpumpe zum Trotz gerade noch retten.
Landschaftsarchitekt Robert Fraas aus Altdorf hat dabei mit Rat und Tat kräftig geholfen – und das Bad mit allen seinen Problemen kennengelernt. „Die biologische Aufbereitung funktioniert seit Jahren nicht zuverlässig. Mein Vorschlag ist, die Ursachen mit einem biologischen Naturbadprinzip, das andernorts seit Jahren anstandsfrei läuft, beheben statt erneut reparieren.“
In einer Sondersitzung des Marktrats am Dienstag stellte der Fachmann für Naturbäder nun fundiert vor, was über den heurigen Sommer hinaus zu machen sei, damit das beliebte Naturbad nicht, wie es Richard Pröpster vom Bürgerblock ausdrückte, „in drei Jahren zum Froschteich umgestaltet werden muss“.
Hoffen auf 45 Prozent Förderung vom Bund für grundlegende Sanierung
Es gab einen guten Grund, warum die Frage nicht auf die lange Bank geschoben werden durfte: das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Schwimmstätten. Damit unterstützt der Bund Städte und Gemeinden mit insgesamt 250 Millionen Euro bei der Sanierung von Hallen- und Freibädern. Das Naturbad im Centrum zukunftssicher zu machen, wird voraussichtlich stolze 1,5 Millionen Euro kosten. Abzüglich 45 Prozent Förderung durch den Bund bleiben rund 0,8 Millionen Euro, die Kämmerer Florian Beyer im Haushalt stemmen muss. Dafür bekommt die Gemeinde ein Bad mit „klarem Wasser, mediterraner Wirkung und Himmelsspiegelung“, dem lange vermissten rutschhemmenden „Steinteppich“ im Nichtschwimmerbereich und dem Zweikammerprinzip mit Schwallwasserabschnitt im Tiefbereich.
Der Spezialist aus Altdorf erklärte, dass für ein zukunftsfähiges flaches Naturbad, anders als für einen tiefen See, das „biologische Herz“ durch zusätzliche technische Maßnahmen ergänzt werden müsse. „Wir stehen jetzt am Scheideweg. Entweder wir springen auf dieses Programm auf oder wir müssen das Bad nach der jetzt geschafften provisorischen Reparatur in drei bis vier Jahren schließen“, erklärte der Bürgermeister. „Das ist die letzte Chance, die wir haben.“
Die Räte machten sich die Entscheidung angesichts vieler weiterer teurer kommunaler Aufgaben nicht leicht. Letztlich stimmten alle für den Versuch, in das Förderprogramm aufgenommen zu werden. Michael Frischs Vertreterinnen Angelika Herrmann und Gabriele Bayer brachten es auf den Punkt. Das Bad habe einen hohen Wert für die Bürgerinnen und Bürger und vor allem auch für die Kinder, die dort Schwimmen lernen und trainieren könnten.
Offener Ganztag in der Mittelschule Postbauer-Heng nötig
Einen Steinwurf vom Bad entfernt neben der Erich-Kästner-Schule nimmt die Gemeinde ebenfalls Geld in die Hand. Für rund 130 000 Euro schafft man Container für die Unterbringung der Ganztagesklassen an. „Das Schulamt hat für die Mittelschule den gebundenen Ganztag im Klassenzimmer gestrichen“, seufzt Bürgermeister Michael Frisch.
„Wir mussten deshalb auch für die Mittelschule auf einen offenen Ganztag umschwenken. Es ist nicht möglich, das im Schulhaus unterzubringen. Allein die Lautstärke ist so, dass nicht einmal normaler Unterricht geschweige denn Prüfungen möglich wären.“
Das Naturbad im Centrum
• Wasserspaß: Das Bad hat einen flachen Kinderbereich mit Wasserspielen zum kostenlosen Planschen und Toben, einen abgetrennten Nichtschwimmerbereich und viel Platz zum Schwimmen und Abkühlen – inklusive Bewegungsparcours und Minigolfanlage.
• Alles Bio: Nach der Sanierung wird das Bad für täglich etwa 500 Besucher ganz ohne chemische Desinfektion mittels einer „Sauberlaufzone“ und mechanischer Sandfilter vom „Biofilm“ gereinigt.
• Al Parco: Die Familie Pasimeni kam vor 40 Jahren aus Apulien und bietet von 12.30 bis 21 Uhr alles, was zu einer Pizzeria und zum Sommer gehört.