Wie das Naturbad Postbauer-Heng trotz Schließungen und Rechtsstreit überlebte

Zwei Schließungen und eine grundlegende Verwandlung hat das Naturbad Postbauer-Heng schon überstanden. Heuer wird es 35 Jahre alt. Seine Geschichte ist ein Wechselbad der Gefühle. Eine Chronik zum Jubiläum.
■ Die Idee
Mitte der 80er Jahre kommt die Idee auf, in Postbauer-Heng ein eigenes Schwimmbad zu bauen. Bisher müssen die Schwimmer entweder nach Neumarkt oder Allersberg ins Freibad fahren – oder tummeln sich in einem der kleineren Weiher in der Gegend. Der heutige Bürgermeister Horst Kratzer erinnert sich noch gut an die Schwimmausflüge zum Mahlweiher oder den Kesselweiher bei Seligenporten. „Und im Dorfweiher in Köstlbach waren wir auch drin. Da hat’s zwar oft gestunken, aber als Kind war uns das egal“, erinnert sich Kratzer.
Qualitativ war also Luft nach oben in Sachen Badegewässern. Da kam das Areal zwischen Postbauer-Heng und Kemnath gerade recht. Die Flächen hatte der damalige Bürgermeister Hans Bradl im Zuge der Gebietsreform für die Gemeinde gekauft – damals noch ohne konkrete Pläne dafür zu hegen, erklärt Kratzer, der schon damals politisch aktiv war.
■ Der Bau
Es geht los: Auf der Wiese entsteht das nierenförmige Becken, das seine Form bis heute nicht verändert hat, erklärt Bürgermeister Kratzer: „Diese Form war damals ein Novum. Viele Naturbäder entstehen, wenn normale Freibäder umfunktioniert werden. Dann sind sie meist quadratisch und haben gerade Wände.“ Die Form sorgt heute für viel Aufwand, ergänzt er: „Es ist ein Riesenakt beim Reinigen. Dadurch, dass das Becken überall gewölbt ist, kann die Reinigung nicht komplett ein Bürstenroboter übernehmen.“ Ein Teil ist deswegen Handarbeit. Rund zwei Stunden ist ein Mitarbeiter des Bauhofs deswegen jeden Tag mit dem Saubermachen beschäftigt, um die Algen zu bekämpfen.

■ Die Schließung
Ein harter Schlag trifft die Schwimmer 2005. Die Wanne des Beckens ist undicht. Wenn der Betrieb weitergehen soll, muss sich etwas Grundsätzliches tun. Bürgermeister Hans Bradl lässt die Bürger entscheiden: Soll das Freibad geschlossen bleiben oder eine chemische bzw. ökologische Erneuerung durchgeführt werden.
„Da waren damals schon heiße Diskussionen im Gemeinderat“, erinnert sich Kratzer. Mancher habe die Idee für Quatsch gehalten und nicht daran geglaubt, dass die natürliche Reinigung funktionieren könnte. Auch wegen der vielen parkenden Autos so nah am Centrum gab es Bedenken.
Die Bürger sind weniger skeptisch: 85 Prozent stimmen für die Umwandlung in ein ökologisches Naturfreibad. Neben dem Badebecken entstand ein weiteres Becken, in dem sich das Wasser regenerieren kann. Durch Wasserpflanzen, Schilf und Kleinstlebewesen sollte das Wasser wieder gereinigt werden, ehe es wieder ins Badebecken kommt. So sollte ein geschlossener Kreislauf entstehen, ohne dass das Wasser ständig ausgetauscht werden muss.
■ Die Verwandlung
Die Postbauer-Henger tragen nicht nur per Abstimmung zum Erhalt bei, sondern ließen sich ihr Freibad auch einiges kosten: rund 60 000 Euro Spenden, auch von ortsansässigen Firmen, gingen beim Markt Postbauer-Heng ein. Weitere Zuschüsse kamen vom Freistaat Bayern, von der EU und von den Nachbargemeinden Burgthann und Pyrbaum, deren Einwohner bis heute gerne und regelmäßig zum Planschen kommen.

■ Die Wiedereröffnung
Im Mai 2007 ist es dann soweit: Das neue Naturbad wird mit einem großen Bürgerfest eingeweiht. Rund um die Uhr können die Bürger hier Abkühlung finden. Wie es die damaligen Förderbedingungen gewollt hatten, herrscht freier Eintritt. In der Region war es damals das erste Bad mit natürlicher Wasserreinigung. Im Rückblick stellt Kratzer fest: „Es war ganz was Neues und es war mutig, das zu machen.“
■ Langes Nachspiel
Mit Ernüchterung stellen Markt und Badnutzer fest, dass die automatische Wasserreinigung durch die Natur nicht wie geplant klappt. Es entspinnt sich ein langer Rechtsstreit um die Frage, wer schuld ist. „Das Problem ist ein Mix aus fehlerhafter Planung und Mängeln bei der Umsetzung“, sagt Bürgermeister Kratzer im Rückblick. Etwa zehn Jahre habe der juristische Streit gedauert, „weil jeder dem anderen die Schuld zugeschoben hat“. Zurück bleiben der erhöhte Aufwand für die Kommune, weil zusätzlich manuell gereinigt werden muss, der regelmäßige Wasseraustausch – und immerhin eine finanzielle Entschädigung.
■ Drohende Schließung
Die rechtlichen Vorgaben ändern sich. Plötzlich muss die Kommune als Betreiberin dafür sorgen, dass niemand mehr ohne Aufsicht ins Naturbad kann. Dem Markt wird das Risiko zu groß. Würde hier ein Unfall passieren, stünde er voll in der Haftung. Die Alternative, ein teurer Zaun um die Wasserfläche und eine menschliche Badeaufsicht, scheint zunächst unrealistisch.
■ Der Förderverein
Einige Bürger wollen das aber nicht hinnehmen. Sie schließen sich zusammen und wollen für ihr Bad kämpfen. Der Förderverein Naturbad Postbauer-Heng gründet sich im Juni 2019. Oberstes Ziel: der Erhalt des Bads. Vorsitzender Christian Illing kann sich noch gut erinnern, wie engagiert sich viele seiner Mitstreiter damals eingesetzt haben. „Als erstes haben wir eine Facebook-Gruppe eröffnet, die innerhalb von vier Wochen über 1000 Mitglieder hatte“, erinnert sich Illing.
Schließlich geschah zweierlei: Die Marktgemeinde investiert mehr als 30 000 Euro in einen Zaun um das Becken und der Förderverein organisierte die Badeaufsicht. Auf ihre Initiative hin gründete sich die Wasserwacht Postbauer-Heng und viele Einheimische engagierten sich. So war auch die Badeaufsicht sichergestellt und es konnte weitergehen. Illing ist froh, dass das so gelaufen ist.

Seit der Rettung übernimmt die Badeaufsicht ein Mitarbeiter der Gemeinde, am Wochenende sind die Wasserwacht-Mitglieder da. Das ist auch der Grund, warum das Bad relativ eingeschränkte Öffnungszeiten hat und selbst an noch so heißen Sommertagen schon am frühen Abend schließt. „Das ist der Kompromiss, den wir eingehen mussten. Die Alternative wäre die Schließung gewesen.“ Vergangenes Jahr hat die Marktgemeinde 75 000 Euro für laufende Kosten in das Bad gesteckt, davon rund 15 000 Euro allein für die Badeaufsicht.
Zum Dank für die Helfer gab es damals das erste „Rogg im Bad“, ein Open-Air-Konzert am Wasser. „Und das kam damals so gut an, dass wir das weitergemacht haben – auch wenn wir es heuer wegen des schlechten Wetters absagen mussten.“
■ Die nächste Sanierung
Nach der Badesaison 2025 soll das Naturbad wieder zur Baustelle werden. Größte Veränderung: Es wird ein neues Klärungsbecken im Wald neben dem Naturbad gebaut. Das soll dazu führen, dass die Wasserqualität auf natürliche Weise besser wird. Auch die Leitungen und Folien im Becken werden ausgetauscht und für die Wasserwacht entsteht ein Häuschen nach deren Bedürfnissen sowie ein Ausguck aufs Wasser. Dafür muss einer der aktuell zwei Stege weichen. „Ob auch wieder eine Rutsche oder Spielgeräte kommen, ist noch nicht geklärt“, sagt der Bürgermeister.

„Unser großer Wunsch ist, dass keine Badesaison deswegen ausfällt“, betont Christian Illing vom Förderverein. Derzeit wird laut Bürgermeister die Ausschreibung vorbereitet. Wenn alles klappt, lässt sich Illings Wunsch erfüllen. Bis zum Start der Badesaison im kommenden Jahr soll alles fertig sein.
Gut 1,1 Millionen Euro werden die Pläne verschlingen. Etwa ein Drittel der Kosten für die jetzt anstehende Sanierung bestreitet der Markt mit dem Geld, das der Kommune nach dem Rechtsstreit zugesprochen wurde. Ein weiteres Drittel wird aus Förderungen stammen.