Vorhang auf seit 1880 – Burgmuseum zeigt versteckte Wurzeln der Burgspiele Parsberg

Von Markus Rath · 24. Juni 2026 um 11:00

Wenn am Freitagabend „Dinner für Spinner“ Premiere feiert, lebt damit eine Theatertradition weiter, die tief in der Parsberger Stadtgeschichte verankert ist. Hans Skalet, Leiter des Burgmuseums, hat zusammen mit Museumsmitarbeiter Florian Weiß nun anhand alter Chroniken, Fotos und Festschriften nachgezeichnet, dass die Wurzeln der Burgspiele weit mehr als 100 Jahre zurückreichen.

Besonders bedeutend war dabei die große 1000-Jahr-Feier im August 1950. Auch wenn Historiker heute wissen, dass die erste urkundliche Erwähnung Parsbergs als „Castrum Bartesperch“ tatsächlich erst aus dem Jahr 1205 stammt, feierte die Stadt damals mit großem Stolz ein vermeintlich tausendjähriges Bestehen. Grundlage dafür war das „Rixner’sche Turnierbuch“ von 1530 – eine Quelle, die nach heutigem Forschungsstand historisch nicht haltbar ist.

Für die Theatergeschichte der Stadt wurde dieses Jubiläum laut Skalet dennoch zum Glücksfall. Unter der Gesamtleitung von Josef Perras und mit Gerhard Rittner, Dramaturg am Stadttheater Regensburg, als künstlerischem Leiter entstand ein großes historisches Festspiel vor der Kulisse der Burg. Eigens dafür schrieb Dr. Heinz Schauwecker das Heimatspiel „Haug von Parsberg“. Genau dieses Stück sollte Jahrzehnte später erneut eine zentrale Rolle spielen: Als die modernen Burgspiele 1983 ihre erste Premiere feierten, griffen die Verantwortlichen wieder auf „Haug von Parsberg“ zurück.

Parsberg entwickelt sich zu einer Theaterhochburg

Doch die Theaterleidenschaft der Parsberger reicht laut den Aufzeichnungen im Burgmuseum noch deutlich weiter zurück. Bereits im Jahr 1880 verfasste Pfarrer Josef Fischer mit „Ritter Hans von Parsberg“ ein erstes Heimat-Festspiel. Aufgeführt wurde es 1904 im Bärenkeller. 1931 schrieb Josef Perras das Werk in Versform um und brachte es erneut erfolgreich auf die Bühne.

Im Burgmuseum Parsberg ist ein Foto ausgestellt, dass den Festspielaufführung des „Haug von Parsberg“ im Jahr 1950 zeigt. Damals feierte die Stadt irrtümlich ihr tausendjähriges Bestehen. - Foto: Burgmuseum Parsberg

Auch Musiktheater und Schauspiel hatten in Parsberg schon früh ihren festen Platz. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1924 zeigt beispielsweise eine Aufführung von Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“. Besonders aktiv waren laut Chronik damals Vereine wie der Liederkranz, der Turnverein oder der Gesellenverein, die mit satirischen Stücken und großen Ensembles das kulturelle Leben prägten. In den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts entwickelte sich Parsberg laut Chronik geradezu zu einer kleinen Theaterhochburg. Gespielt wurde im damaligen Burgtheater, dem Hirschensaal – dem Vorläufer des heutigen Burgsaals.

An diese Tradition knüpften engagierte Bürger wie Günter Pflüger schließlich 1982 wieder an. Im „Gasthof zum Hirschen“ entstand die Idee, das Freilichttheater auf der Burg neu zu beleben. „Wir hatten in Parsberg mit dem ,Haug von Parsberg‘ ein eigenes Festspiel und wollten verhindern, dass es in Vergessenheit gerät“, erzählt Pflüger heute.

Parsberg engagiert Leiter der Schlossfestspiele Neumarkt

Das Thema sei zuvor schon viele Jahre diskutiert worden. Dann habe die Volkshochschule Neumarkt mit ihrer Parsberger Außenstelle die organisatorische Verantwortung übernommen. „Das war für uns ein Glücksfall“, erzählt der heute 85-Jährige. Und weil die Parsberger den Neumarktern schon immer nichts nachstehen wollten, sei Regisseur Herbert Müller – damals auch Leiter der Schlossfestspiele Neumarkt – verpflichtet worden. Der überarbeitete den historischen „Haug von Parsberg“ sprachlich und modernisierte das Stück. Die Premiere am 15. Juli 1983 wurde ein großer Erfolg und markierte den Beginn der heutigen Burgspiele.

So sah der Künstler Otto Bachmeier die Aufführung des „Haug von Parsberg“ im Jahr 1950 - Foto: Markus Rath

Viele Zeugnisse all dieser Theatertage finden sich im Burgmuseum. So hat Florian Weiß zum Beispiel Aufnahmen von 1948, damals wurde „Der Freischütz“ aufgeführt, inzwischen digitalisiert und so nachbearbeitet, dass die Personen sehr gut zu erkennen sind. „Ich denke, da werden viele Parsberger heute Groß- oder Urgroßeltern wiedererkennen.“

Damit diese Verbindung zwischen Burgspielen und Burgmuseum heuer auch ganz praktisch sichtbar wird, gibt es auch eine gemeinsame Aktion. Besucher der Aufführungen von „Dinner für Spinner“ erhalten mit ihrer Theaterkarte freien Eintritt ins Burgmuseum Parsberg. Die Freikarte gilt für eine Person bis zum 31. Oktober 2026 und soll Theater- und Museumsbesuch miteinander verbinden.

Gut zu wissen

• Premiere: Die Burgspiele Parsberg zeigen am Freitag, 20.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) das Stück Dinner für Spinner. Restkarten sind noch verfügbar. Abendkasse ab 19.30 Uhr.

• Weitere Termine: Gespielt wird außerdem am 27. Juni sowie am 3., 4., 10., 11., 17., 18., 23. und 24. Juli jeweils ab 20.30 Uhr. Infos unter www.burgspiele-parsberg.de