Auf der Donauinsel bei Mariaort darf der Biber mitgestalten

Von Paul Neuhoff · 21. Juni 2026 um 17:00

Beim Ausbau und Aufstau der Donau rund um den Landkreis Regensburg zugunsten der Schifffahrt in den 1970er Jahren verschwanden neben den für Flora und Fauna wertvollen Uferbereichen auch Inseln. Eine Ausnahme bildete ein kleines Eiland an der Naabmündung bei Mariaort. Die Naturschützer lassen hinter die Kulissen blicken.

Das Eiland bei Mariarot wurde nicht aufgelöst, sondern als landwirtschaftliche Fläche genutzt, mit den bekannten nachteiligen Folgen für die Artenvielfalt. Im Jahr 2011 startete die Kreisgruppe Regensburg des Bund Naturschutz (BN) das Projekt „Donauinsel Mariaort“ mit dem Ziel, auf dem Areal möglichst viele Teilbereiche naturnah und damit artenreich umzugestalten. Die Mitglieder konnten mittlerweile mit Spenden einige Parzellen kaufen und der Natur durch gezielte Maßnahmen auf die Sprünge helfen.

Ein mit Schilf durchsetzter Auwald soll entstehen

So wurden ab 2011 naturnahe Wiesen oder Geländeinseln angelegt. Letztere dienen bei Überschwemmungen Tieren als Rückzugsraum. In einem weiteren Bereich wurde der nährstoffreiche Oberboden abgetragen. Darauf soll durch natürliche Sukzession ein mit Schilf durchsetzter Auwald entstehen. Der Biber darf diese Entwicklung mitgestalten, heißt es bei der Kreisgruppe.

Vor wenigen Tagen stellte die BN-Gruppe zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Regensburg (WWA) eine weitere Maßnahme auf dem westlichen Teil der Insel vor, der dem Freistaat gehört. Raimund Schoberer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, erläuterte kurz die Arbeiten, die von der Flussmeisterstelle des WWA in Eigenleistung durchgeführt wurden. So wurde in unmittelbarer Nähe zum Übergang auf die Insel eine etwa 30 Meter lange und acht Meter breite Senke angelegt, in welcher der Wasserstand mit dem des dortigen Naab-Seitenarms korrespondieren kann. Damit sei mit dieser Wasserwechselzone ein naturnaher Lebensraum entstanden, so Schoberer. Zudem wurden am Ufer des Altarmes in mehreren Buchten Flachwasserzonen geschaffen.

Kleinlebewesen in der Grünfläche sollen geschützt werden

David Ipfelkofer, Abteilungsleiter beim WWA, betonte, dass die Maßnahmen im Rahmen des Gewässerunterhalts kostengünstig mit eigenen Kräften durchgeführt werden konnten. Damit werden der Naab und deren Umfeld Entwicklungsmöglichkeiten gegeben, wovon auch Flora und Fauna einen riesigen Vorteil hätten. Wie Schoberer weiter ausführte, werden diese Teilflächen der Insel durch Helfer mit geeignetem Saatgut „angeimpft“ und so wird eine naturnahe Entwicklung gestartet. Um diese zu unterstützen, sei auch ein regelmäßiger Schnitt der neuen Wiesenfläche notwendig. Dies erfolge entweder per Hand mit der Sense oder mit einem langsam fahrenden Traktor mit Mähbalken. Durch diese Arbeitsweise würden die Kleinlebewesen in der Grünfläche möglichst geschützt. Die in der Landwirtschaft eingesetzten schnell rotierenden Kreiselmäher vernichteten viele davon. Für diese Arbeit wurde Johann Stiegler aus Sinzing mit seinem Traktor gewonnen.

Regensburger Naturschützer hoffen auf Spenden für weitere Käufe

Biologe Dr. Albrecht Muscholl-Silberhorn, der die Arbeiten zur Entwicklung der Insel unterstützt, geht von einem Zeitraum von etwa zehn Jahren aus, bis sich, wie auf den älteren betreuten Flächen schon, die gewünschte Artenvielfalt eingestellt hat. „Es kommt aber sukzessive immer was Neues hinzu“, so der Fachmann. Ziel sei es, so Raimund Schoberer, alle Grundstücke auf der Insel zu erwerben und umzugestalten. Dazu sei die BN-Kreisgruppe auf weitere Spenden angewiesen.