Renaturierung in Regenstauf kommt nicht voran: Der Diesenbach dümpelt vor sich hin

Von seinem idyllischen Freisitz aus hat Bruno Englert den Diesenbach im Blick. Seit 32 Jahren wohnt er an der Buchenloher Straße in Diesenbach (Landkreis Regensburg). Der Liebe wegen hat es ihn aus dem Spessart in die Oberpfalz verschlagen. Der kleine Wasserlauf, der so heißt wie der Regenstaufer Ortsteil, fließt direkt an seinem Garten vorbei. Der Zustand des Bachs macht Englert Sorgen.
„Sobald es heiß wird, steht das Wasser im Bach“, sagt Englert und schaut prüfend übers Geländer. Das Ufer ist von beiden Seiten zugewuchert. „Ein trauriger Anblick“, findet der 72-Jährige.
Englert wohnt gern am Bach, wie er betont. Er sei ein naturverbundener Mensch. Am liebsten halte er sich im Garten oder im Wald auf, erzählt er. Im Sommer werde der Diesenbach aber zum stehenden Gewässer. „Dann wirkt das Wasser ungesund für Mensch und Tier.“
Er sei Laie, betont Englert, aber der Anblick gebe ihm zu denken, zumal sich der Zustand des Bachs seit Jahren verschlechtere. Sein Nachbar Georg Greller pflichtet ihm bei. Als Bub sei er bis zum Bauch im Diesenbach gestanden und habe dort Fische gefangen, erzählt der 78-Jährige. „Der Bach und der Wald waren unser Spielplatz.“
Früher gab es Fische, Frösche und Biber
Greller ist hier aufgewachsen und erinnert sich, dass früher die Anrainer den Diesenbach sauber halten mussten. „Mein Vater hat das noch gemacht.“ Es habe Frösche, Biber und Bisamratten am Bach gegeben. Das sei über die Jahrzehnte immer schlechter geworden. „Jetzt sieht man da kein Tier mehr.“ Niemand kümmere sich um den Bach, dieser wachse völlig zu. Odel und Dünger aus der Landwirtschaft landeten im Wasser, kritisiert Greller. „Früher war der Bach sauber, da gehört doch was gemacht.“
Nach Auskunft von Dr. Jörg Brandner vom Wasserwirtschaftsamt in Regensburg ist der Diesenbach einer der ersten Bäche im Landkreis, die bei Hitze wenig Wasser haben oder trocken fallen. „Der ökologische Zustand ist schlecht“, sagt der Biologe. Die Biodiversität sei reduziert. Statt Kleinkrebsen oder Muscheln bedeute das Würmer und Egel. Auch für Fische sei die Lage „unbefriedigend“, das sei die zweitschlechteste Bewertungsstufe. Laut Brandner besteht Handlungsbedarf. Ein Konzept zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, um den Zustand des Diesenbachs zu verbessern, liegt schon seit Jahren vor. Zuständig für die Umsetzung sind demnach die Gemeinden Regenstauf und Maxhütte-Haidhof. Die Maßnahmen könnten laut Brandner mit bis zu 90 Prozent durch den Freistaat Bayern gefördert werden. Das Wasserwirtschaftsamt kontrolliere die Gewässer und könne nach Anforderung beraten. Mehr nicht.
„Es geht nichts voran, ich muss mir etwas einfallen lassen.“Josef Schindler, Bürgermeister von Regenstauf
Der Ball liegt also bei den Anrainer-Gemeinden. Englert hat den Zustand des Diesenbachs bei einer Bürgerversammlung im vergangenen Jahr angesprochen. „Schon vor Jahren war von einer Renaturierung des Bachs die Rede. Passiert ist nichts.“ Auch ein Weg entlang des Bachs sei geplant. Regenstaufs Bürgermeister Josef Schindler antwortete Englert damals, dass es bei einem Grundstück, das landwirtschaftlich genutzt werde, hakt. Daran hat sich nichts geändert, wie eine Nachfrage im Rathaus ergab. Der Grundstückseigner sei bisher nicht zu einem Flächentausch bereit, teilt der Bürgermeister mit. „Es geht nichts voran, ich muss mir etwas einfallen lassen.“ Geplant sei, den bisher gerade verlaufenden Bach von der Wohnbebauung weg zu verlegen und das Bachbett mäandern zu lassen. Allerdings würden die Probleme des Bachs mit der Renaturierung allein nicht gelöst, ist Schindler überzeugt. „Der Bach kommt in keinem guten Zustand bei uns an.“
Mischwasser, Autobahn und Düngemittel als Problem
Mischwasser aus Maxhütte-Haidhof – eine Kombination aus Regen und Kanalisationswasser – lande im Diesenbach. Dazu käme ungefiltertes Wasser von der Autobahn inklusive Reifenabrieb und Salz sowie Düngemittel. Auch werde dem Bach an einigen Stellen zu wenig Raum gelassen, räumt die Gemeinde ein. Anfragen oder Beschwerden von Anwohnern seien aber bisher nicht eingegangen.
Oliver Ehrlich, Vorsitzender der Ortsgruppe Regenstauf-Zeitlarn vom Bund Naturschutz, hält den Zustand des Diesenbachs für „kritisch“. „Da muss man was machen.“ Es sollte geklärt werden, warum der Wasserstand so niedrig sei, findet Ehrlich. Das Thema Wasser sei von zentraler Bedeutung. „Auch ein kleiner Bach wie der Diesenbach ist wichtig.“ Das bestätigt auch Biologe Brandner.
Englert betont, dass die Gemeinde viel für den Umweltschutz mache. Es sei ihm auch klar, dass gespart werden müsse und nur Notwendiges umgesetzt werden könne. „Die Frage ist nur, was notwendig ist.“ Ein lebenswerter und lebendiger Bach ist es in Englerts Augen jedenfalls schon.
Diesenbach – Wasserlauf und Ortsteil
• Verlauf: Der Diesenbach erstreckt sich auf einer Länge von gut acht Kilometern zwischen den Landkreisen Regensburg und Schwandorf. Er fließt dabei durch zwei Gemeinden – von Maxhütte-Haidhof nach Regenstauf, wo er in den Regen mündet.
• Ortsteil: Der Diesenbach fließt vor seiner Mündung in den Regen durch den gleichnamigen Regenstaufer Ortsteil. 1978 wurde dieser eingegliedert. Der Markt Regenstauf ist die größte und nördlichste Gemeinde im Landkreis.