Grenze zwischen Kelheim und Nittendorf soll „ordentlich“ werden – was die Oberpfalz vergrößert

Von Martina Hutzler · 21. Juni 2026 um 11:00

Die Oberpfalz wächst auf Kosten Niederbayerns, weil sich der Landkreis Regensburg Fläche vom Nachbarkreis Kelheim einverleibt, weil der Markt Nittendorf der Stadt Kelheim Grund abzwackt. Warum trotzdem alle Beteiligten einen entsprechenden Vorschlag des Regensburger Vermessungsamtes wohl ziemlich entspannt sehen werden, erklärt Vize-Amtsleiter Dr. Stefan Scheugenpflug.

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Bislang ist es lediglich eine Anregung aus dem „Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung“ (so der vollständige Behördenname): Es schlägt die „Änderung der Gemeinde-, Landkreis- und Bezirksgrenzen zwischen dem Markt Nittendorf, Landkreis Regensburg, Bezirk Oberpfalz und der Stadt Kelheim, Landkreis Kelheim, Bezirk Niederbayern“ vor. Ein Vorschlag, der freilich „augenscheinlich so sinnvoll“ sei, dass er wohl ohne große Diskussion realisiert wird, erwartet der promovierte Ingenieur Scheugenpflug.

Denn in ihrem jetzigen Verlauf hüpft die Gemeindegrenze zwischen Kelheim und Nittendorf – und damit auch zwischen den zwei Landkreisen sowie den zwei Bezirken – sozusagen quer über die Straße. Genauer gesagt: bei Haugenried über die Kreisstraße R14, schildert Scheugenpflug. Dabei „erwischt“ wurde sie im Zuge des Ausbaus dieser Regensburger Kreisstraße.

Für den Ausbau war Grunderwerb nötig. Und beim Vermessen zeigte sich nebenbei: Die gemeindliche Grenze zwischen Kelheim und Nittendorf verläuft – wegen historisch bedingter Mess-Ungenauigkeit – nicht überall entlang der heutigen Flurstücksgrenzen. Genau das aber sollte sie laut einer Bekanntmachung des bayerischen Innenministeriums tun. Denn es sei „im öffentlichen Interesse“, dass kommunale Grenzen sowohl am Papier als auch in der Natur „klar festgelegt und (…) erkennbar sind“, was eben entlang markanter beziehungsweise abgemarkter Flurstücksgrenzen der Fall ist.

Das soll entlang der R14 jetzt auf Anregung des ADBV Regensburg nachgeholt werden, mittels Flächentausch. Dieser soll so erfolgen, dass hinterher die Kreisstraße ganz auf Nittendorfer und damit Kreis-Regensburg-Grund liegt; schließlich haben die Regensburger ja auch die Baulast dafür.

Dazu muss Nittendorf 112 Quadratmeter an Kelheim abtreten; aber die niederbayerische Stadt ihrerseits muss der oberpfälzer Marktgemeinde 976 qm überlassen. Womit unterm Strich Nittendorf / der Kreis Regensburg / der Bezirk Oberpfalz als klare Sieger vom Grenz-Platz gehen: Sie wachsen um stolze 864 Quadratmeter. Was freilich gerade mal für rund ein Zehntel eines bundesliga-tauglichen Spielfeldes reichen würde.

So sind denn auch bei der rechtlich vorgegebenen Anhörung aller beteiligten kommunalen Ebenen keine großen Einwände zu erwarten, vermutet Scheugenpflug. Den Beweis dafür antreten kann am Montag, 19. Juni, der Kelheimer Kreisausschuss: Er berät über den Vorschlag der Vermesser. Wenn alle anderen Gremien das auch getan haben, ist der „Schiri“ am Zug: Das bayerische Innenministerium als Entscheidungsinstanz wird das Verfahren final abpfeifen.