Rinder grasen für den Ameisenbläuling, ein Weideprojekt bei Waldmünchen

Es ist ein kleiner Schmetterling namens Ameisenbläuling, und es sind schon deutlich größere Jungrinder, denen das Weideprojekt zwischen Grub und Prosdorf direkt nutzen soll. Indirekt nutzt es dann auch den Menschen, vor allem dem Naturschutz, aber auch dem Tourismus und der Landwirtschaft.
Um was geht es? Eine große Wiese unterhalb des Kompostierwerks soll künftig von Jungrindern aus dem Hof Wolfgang Kürzingers beweidet werden. Das Weideprojekt ist eines von vier weiteren in der Region. Sie alle dienen der Vernetzung von Biotopen an der Schwarzach und ihren Nebentälern und soll die ursprüngliche Pflanzenvielfalt wiederherstellen.
Im Mittelpunkt steht der Ameisenbläuling
Im Mittelpunkt steht dabei der Helle und der Dunkle Ameisenbläuling, der Schmetterling des Jahres 2026 beim BUND ist, und zur Entwicklung die Pflanze Wiesenknopf braucht. Damit sollen die Schwarzachtalauen „ein Modellraum für moderne Biodiversitätsförderung“ werden, heißt es in einer Mitteilung des Naturparkvereins Oberer Bayerischer Wald.
Der Eröffnungstermin des Weideprojekts war ausgesprochen prominent besetzt. Das hat auch damit zu tun, dass das Projekt noch unter dem damaligen Landrat Franz Löffler und dem Altbürgermeister Markus Ackermann auf die Bahn gesetzt wurde. Der Projektstart war im Jahr 2024. Unter Landrat Christian Schindler und Bürgermeister Kürzinger wird das Projekt jetzt fortgeführt, wobei Kürzinger als Landwirt das Projekt auch umsetzt. Dazu gibt es nur einen hälftigen Zuschuss zum Bau eines Weidezauns aus dem Bergbauernprojekt, der Rest ist Eigenleistung. Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes wurde über den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Vor Ort waren deswegen auch Vertreter des Naturparkvereins Oberer Bayerischer Wald und des Fördervereins zur Gründung der Naturstiftung Böhmerwald- Schwarzachtal sowie der Grundstückseigentümer Martin Liegl.
Früher sei es normal gewesen, dass das Vieh auf der Weide stand, machte Bezirkstagspräsident Löffler deutlich. Dieser Beitrag zur Biodiversität sei heute aber nicht mehr selbstverständlich. Oft stünden wirtschaftliche Gründe dagegen. Es gebe dennoch gute Gründe, so ein Weideprojekt durchzuführen. „Landwirtschaft wird leichter verständlich, wenn man Tiere auf der Weide stehen sieht“, sagte Löffler. Das bringe gerade auch Kindern die Bedeutung regionaler Lebensmittel ins Bewusstsein. Beweidung werde auch der Ökologie gerecht, sagte Löffler. Er habe selbst in der Regentalaue erlebt, wie eine Kuh das Gelege eines Wiesenbrüters beim Grasen schone.
Mit dem Projekt wolle man nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft treten, betonte Löffler, sondern man strebe einen Biotopverbund in der Schwarzachaue an. Die insgesamt fünf Projekte dienten dem Naturschutz, der Landwirtschaft und der Gesellschaft. Ergänzt sei, dass sich vier weitere Weideprojekte bei Geigant, am Perlsee, bei Ast und bei Spielberg in Vorbereitung oder noch im Vorplanungsstadium befinden.
Landrat Schindler wies daraufhin, dass das Projekt federführend unter Löffler entwickelt wurde. Die Weidehaltung werde den Touristen, aber auch den Kindern zeigen, wie regionale Produkte entstehen.
Kürzinger erklärte, dass er zunächst zehn Jungtiere auf der Fläche weiden lassen wolle. Mehr sei nicht möglich, weil die Wiese zu feucht sei. Er sei gespannt, wie die Tiere die Fläche und die darauf wachsenden Pflanzen annehmen. Wichtig sei zum Beispiel auch, dass die Tiere Schatten und einen Unterstand hätten. Jetzt müsse erst einmal der Weidezaun aufgebaut werden. Tatsächlich zur Beweidung werde es wahrscheinlich erst im Herbst kommen, vermutete Kürzinger.
Ackermann freut sich „wahnsinnig“ über Projekt
„Es freut mich wahnsinnig“, dass das Projekt verwirklicht werde, sagte der Altbürgermeister Waldmünchens, Markus Ackermann. Es sei eine ideale Verbindung von Ökonomie und Ökologie und auch der Tourismus habe etwas davon. So werde ein Bewusstsein für den Wert der Tierhaltung geschaffen.