Cyberkriminalität nimmt auch in Furth im Wald zu - Polizei warnt: Gier frisst Hirn

Von Alexander Frimberger · 19. Juni 2026 um 05:00

Das Internet kann ein gefährliches Pflaster sein. Betrug ist beinahe alltäglich. Auch in Furth im Wald. Deswegen leistet sich die Polizeiinspektion (PI) in der Drachenstadt einen eigenen Beamten für Cyberkriminalität – und der hat gut zu tun.

„Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ war früher das geflügelte Wort, wenn es darum ging, dass Betrüger Senioren bei Kaffee-Fahrten über das Ohr gehauen oder mit anderen Analog-Delikten Menschen um ihr Geld erleichtert haben.

Betrugsmaschen werden immer perfider

Heute passiert das – Computer und Internet sei Dank – meist vom Schreibtisch aus. Hinzu kommt, dass die Betrüger häufig anonym in fernen Ländern sitzen. Das erschwert den Zugriff, macht ihn häufig sogar unmöglich. „Weltweit wird mit Internetbetrug inzwischen mehr Geld umgesetzt als mit Waffen und Drogen“, beschreibt Gerald Kolbeck einen Fakt, den man kaum glauben kann. Der Polizeihauptmeister sitzt bei der PI und ist für den Bereich Furth im Wald zuständig. Eigentlich gebe es für Cyberkriminalität keinen eigenen Dienstposten, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter, Erster Polizeihauptkommissar Josef Weindl. „Aber weil es immer mehr Fälle werden, die aus der regulären Schicht heraus nicht mehr abgearbeitet werden können, leisten wir uns in Furth einen eigenen Beamten für diesen Bereich“, so Weindl. Die Aussage zeigt die Brisanz auch für die Grenzstadt. In der örtlichen Polizeistatistik sind für das Jahr 2025 rund 150 Fälle verzeichnet. Die Dunkelziffer dürfte aber erheblich höher sein. Viele zeigen den Vorfall nicht bei der Polizei an, weil die Beträge gering sind und man das dann in der Schublade „Pech gehabt“ verschwinden lässt. Laut Weindl heute auch eine Masche der Betrüger: Lieber viele kleine Beträge abgreifen, da lohne es sich häufig nicht, die Ermittlungen aufzunehmen.

Häufig sei es aber auch die Scham, die vor dem Gang zur Polizei zurückschrecken lässt. Kolbeck hat ein Beispiel: „Vor zwei Jahren gab es eine kleine Welle aus dem Bereich Sexpressung.“ Das geht so: Man werde von einer Frau angeschrieben. Häufig sind das Fake-Profile in sozialen Netzwerken. Nacktbilder oder kleine Videos werden geschickt und im Gegenzug eben solche verlangt. Wer darauf eingeht, sitze in der Falle und werde erpresst. „Häufig passiert das, weil Leute ungeprüft Freundschaftsanfragen annehmen“, erklärt Kolbeck. Kontrollmöglichkeiten gebe es einige. So rät der Cyber-Beamte dazu, das Profil anzusehen. Negative Anzeichen seien, wenn es dort keine weiteren Freunde aus Furth im Wald gibt oder das Profil keine Historie und keine Einträge hat. Hundertprozentigen Schutz gebe es allerdings nicht. Man sollte einfach den gesunden Menschenverstand walten lassen.

„Gier frisst Hirn“, wie Kolbeck sagt, gilt aber nicht nur für Sex-Betrug. Auch wenn es ums Geld geht, lassen viele Menschen jegliche Vernunft missen. Grundsätzlich solle man misstrauisch werden, wenn die Angebote wesentlich günstiger sind als bei der Konkurrenz. Weindl kann aus eigener Erfahrung berichten, dass er kurzzeitig versucht war, ein Fahrrad zu bestellen, das um 1000 Euro unter dem regulären Preis lag. Ein Blick ins Impressum hilft oder die Kontrolle, wie lange der Shop schon besteht. Auch Bewertungsportale, wie Trust-Pilot oder eine Nachfrage bei der Verbraucherzentrale können demnach gute Dienste leisten. Man könne den Shop aber auch einfach mal in eine Suchmaschine eingeben. Wenn der schon einmal auffällig wurde, wird das schnell angezeigt.

Klar sei aber auch, die Verbrecher würden immer besser. „Fake-Shops sind allgegenwärtig“, sagt Weindl und ergänzt: „Die Täter sind flexibel, reagieren auf aktuelle Begebenheiten und saisonale Produkte wie Pellets.“ Zusammenfassend Weindls Empfehlung: Bei super günstigen Angeboten solle man immer hellhörig werden.

Fakeshops sind aber nicht die einzigen Fallen, in die man tappen kann. Ein großes Problem seien auch gefälschte Mails, bekannt als Phishing-Mails. Laut Kolbeck versuchen die Täter so, an Daten ihrer Opfer zu gelangen. Auch hier werden die Methoden und der Auftritt immer professioneller. So gebe eine angebliche Bank vor, es würde neue Richtlinien geben, die man mit einem Klick auf den Link bestätigen soll. Dann wird man auf eine Seite der Betrüger geführt und der Datenklau beginnt. Kolbeck: „Ein seriöses Unternehmen wird niemals dazu auffordern, einen Link in einer Mail anzuklicken.“ Stattdessen werde man aufgefordert, sich in sein Konto einzuwählen und dort Aktionen durchzuführen.

Die Masche mit den Kleinanzeigen

Wenn man sich nicht sicher ist, könne man kontrollieren, wer der Absender ist. Das geht laut Kolbeck, wenn man einmal auf „Antworten“ klickt. Im Empfängerfeld steht dann die Adresse.

Weitere Masche: Das Opfer stellt eine Ware in einem Kleinanzeigenportal ein und wird von einem Interessenten angeschrieben, der über Paypal bezahlen will. Angeblich funktioniert das nicht, deshalb schickt der Täter eine Mail. Darin ein Link zur Funktion sicheres Bezahlen. Natürlich wird man auf die Seite des Betrügers umgeleitet, der sich dann am Konto bedient, wenn man die Bankdaten da lässt. Kolbeck: „Sicheres Bezahlen funktioniert nur, wenn man sich vorher dafür registriert hat.“ Grundsätzlich gelte: Wer verkauft, bestimmt die Zahlungsart. Im Zweifel auf das Geschäft verzichten

Immer beliebter sei auch der sogenannte Dreiecksbetrug: Dabei bestellt das Opfer eine Ware und bezahlt per Vorkasse. Der Betrüger bestellt in einem beliebigen Shop und lässt mit Rechnung zum Opfer liefern, das dann aus allen Wolken fällt, weil es die Ware noch einmal bezahlen muss. Weindls und Kolbecks Fazit lautet: Nicht blauäugig sein, ein gesundes Misstrauen walten lassen. „Hirn einschalten, jeder trägt die Verantwortung für sich selbst.“ Die Polizei helfe, wo es gehe, aber häufig liefen die Ermittlungen ins Leere, weil eben der oder die Täter im Ausland sitzen würden.