Jungstorch erstickt beinahe an Ratte – Tragödie in Miltach gerade noch abgewendet

Von Mittelbayerische Zeitung · 17. Juni 2026 um 13:33

Nur noch drei Küken behaupten sich putzmunter im Bäckerhorst in Miltach (Landkreis Cham), wobei die zwei zuerst geschlüpften Jungstörche schon ihre Flügel zu stärken versuchen, um in Kürze zu einem ersten Rundflug abzuheben. Dass es beim Ausbrüten der Eier und dem Aufziehen der Brut immer wieder zu Rückschlägen kommt, wurde dieses Jahr besonders deutlich.

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Denn in diesem Jahr legte Miltachs Storchendame Sissi am 6. April erstmals ein sechstes Ei in den Bäckerhorst ab, was schon als kleine Sensation zu bewerten ist. Von den sechs Eiern wurden aber nur fünf von den Storcheneltern ausgebrütet. Es ist zu vermuten, dass das zuletzt gelegte Ei von Sissi oder Franz aus dem Nest geworfen wurde.

Sechs Eier gelegt, fünf Küken geschlüpft, drei Jungstörche sind noch übrig

Von den fünf geschlüpften Küken wurde der Jüngste bei der Futteraufnahme immer wieder zur Seite abgedrängt. Da die Storcheneltern ihren Nachwuchs nicht das mitgebrachte Futter in ihre weit geöffneten Schnäbel stopfen, sondern dieses in der Mitte des Horstes herauswürgen, müssen die Küken selbst zusehen, dass sie möglichst schnell die besten Happen erwischen. Da es unter den Küken einen ausgeprägten Futterneid gibt, werden die schwächsten Geschwister immer mehr zur Seite gedrängt, bis sie immer matter werden und schließlich von den Storcheneltern aus dem Horst entfernt werden.

So erging es wohl auch dem fünften Küken, denn Mitte Mai waren im Bäckerhorst nur noch vier Küken zu beobachten. Am 15. Mai schlug das Schicksal im Bäckerhorst erneut zu, denn der Jüngste erwischte eine für ihn zu große Ratte. Er schaffte es nicht, diese herunter zu würgen, so blieb ihm diese im Rachen stecken.

Markus Schmidberger vom LBV, Markus Beier, die Miltacher Tierklinik und die Regensburger Vogelauffangstation helfen

Zum Glück hatte es Marion Gödde per Horstkamera mitbekommen. Sie verständigte Markus Schmidberger, Leiter des LBV-Zentrums Cham, und Markus Beier, der sofort bereit war, die Feuerwehrdrehleiter der Firma Beier aufzustellen. Markus Schmidberger hatte den kleinen Storch aus dem Horst genommen und in die Miltacher Tierklinik gebracht, wo ihm geholfen werden konnte. Am nächsten Tag wurde er in die Regensburger Vogelauffangstation gebracht, wo er nun behutsam aufgepäppelt wird. Verletzt hatte er sich dabei nicht.

Zwei Wochen später hatte ihn Marion Gödde in der Regensburger Vogelauffangstation noch einmal besucht und Fotos über die Webseiten verbreitet, auf denen zu sehen war, dass er sich von seiner misslichen Lage bestens erholt hatte.

Jungtiere weren heuer nicht beringt

Wie Markus Schmidberger mitteilte, wird es dieses Jahr keine Beringung der Miltacher Jungstörche geben. Einer der Gründe sei, dass die Drehleiter in diesem Jahr schon mehrmals ausgefahren werden musste. Unter anderem, um die Dachrinne im Bereich unterhalb des Horstes vom angefallenen Unrat zu säubern.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass es zu keiner weiteren Attacke von Fremdstörchen kommt, wie es am 9. April der Fall war. Damals ließ sich ein Fremdstorch auf den Kameramast nieder. Aber nachdem Sissi und Franz von der Futtersuche zurückkamen, vertrieben sie ihn mit kräftigen Flügelschlägen und lautem Geschnatter.