Gezielter Angriff auf Nistkästen in Neustadt, die schon bebrütet waren

Johann Gabelberger kann es nicht fassen. „Das ist ein Wahnsinn“, schimpft der alte Mann. Seit Jahrzehnten kümmert er sich um die Natur rund um seinen Heimatort Schwaig (Neustadt, Landkreis Kelheim), pflegt Feldkreuze und vieles mehr. Er hat für ein Dutzend Vogelnistkästen in den Bäumen in der Umgebung des Sportplatzes gesorgt. Niemanden hatte es gestört. Doch jetzt sind alle Nistkästen zerstört, die Brut in den Nestern ist tot.
„Das ist ein Saustall“, ruft der 86-Jährige beim Ortstermin an der Schwaiger Sporthalle. Mitglieder der Fischer- und Naturfreunde sind da. In einer Plastikwanne haben sie die Reste der Nistkästen gesammelt. Die Dächer der Kästen sind abgebrochen, manche sind verformt, wie wenn jemand mit einem Stock dagegen geschlagen oder drauf rumgetrampelt hätte.
„Das Schlimmste ist, dass die Vögel schon gebrütet haben“, stellt Gabelberger fest. In einigen Kästen kann man sehen, dass die Brut bereits geschlüpft war. „Junge Meisen sind das“, sagt Andreas Binder. Er hat etliche der Kästen gebaut und gepflegt. „Ich habe mich an das gehalten, was der Nabu, der Naturschutzbund Deutschland, empfiehlt“, sagt er. Mit Blick auf die Trümmer in der Kunststoffwanne sagt er: „Für dieses Jahr ist es mit den Meisen vorbei.“
Dumme-Jungen-Streich gilt als unwahrscheinlich
Mike Hartl, ebenfalls Mitglied der Fischer- und Naturfreunde, die rund 50 Mitglieder haben, sagt: „So etwas hat es hier noch nicht gegeben.“ Eine oder mehrere Personen, vermuten Hartl, Binder und Gabelberger, müssen gezielt auf die Nistkästen losgegangen sein.
Begonnen hätten die Zerstörungen vor rund sechs Wochen. Was erst noch wie ein Dumme-Jungen-Streich aussah, hätte sich im Nachhinein als gezielte Aktion herausgestellt. Im Abstand von jeweils einer Woche wurden nacheinander innerhalb von drei Wochen alle Nistkästen von den Bäumen geschlagen. „Erst am Sportplatzweiher, dann am Auweiher und dann am Briglweiher“, zählt Hartl auf.
Die Weiher sind ehemalige Kiesgruben. Sie bilden ein Naherholungsgebiet für den Ortsteil Schwaig, das zu Spaziergängen und Radtouren, aber auch zum schlichten Verweilen in der Natur einlädt. Gabelberger hat deshalb vor vielen Jahren begonnen, die alten Feldkreuze in der Natur zu renovieren und Sitzbänke aufzustellen. An einigen Feldkreuzen entstanden auf diese Weise lauschige Plätze. Vor 40 Jahren hatte er damit angefangen.
Immer wieder kontrolliert der 86-Jährige die Wege in der Umgebung von Schwaig. Seit er nicht mehr so gut laufen kann, ist er deshalb mit einem kleinen Elektroroller unterwegs. Er ist beim Anblick dieser sinnlosen Zerstörungstat überzeugt: „Kleine Kinder können das nicht gemacht haben.“
In diesem Jahr 260 Stunden für Weiherpflege geleistet
Hartl pflichtet ihm bei dieser Einschätzung bei. Er sieht aber auch keinen Zusammenhang mit den jungen Leuten, die gerne an den Weihern feiern. Hartl erinnert: „Der oder die Täter kamen mehrfach. Das ist nicht auf einmal geschehen.“ Trotzdem habe man bisher von einer Strafanzeige abgesehen. Die Wahrscheinlichkeit, den oder die Täter zu erwischen, sei gering und der Sachschaden auch.
Hartl, der auch Stadtrat ist, betont, man gebe nicht auf. Die Arbeit der Fischer- und Naturfreunde sei wichtig – für das Dorf und die Mitglieder des Vereins. „Wir haben in diesem Jahr bereits 260 Arbeitsstunden allein für die Weiherpflege geleistet.“ Jetzt kommen weitere Stunden dazu. Binder will die Nistkästen reparieren, anschließend sollen sie wieder aufgehängt werden.