Lucki Maurers Band „Seasons in Black“ feiert Open-Air in Cham mit Dreiviertelblut & Co.

„Cham, seid's ihr stabil?“ Dreimal schreit Lucki Maurer diese Frage ins Mikrofon. Dreimal antwortet das Publikum mit einem Gebrüll, das über das gesamte Gelände des Lifestyle-Cafés L.A. in Cham rollt. Dann legt die Band los – und alles, was in den nächsten Minuten passiert, fühlt sich an wie eine Explosion: Funken sprühen, Nebel wälzt sich über die Bühne, Flammen schlagen vom Dach in den Nachthimmel. „Seasons in Black“ rund um Frontmann Maurer sowie Roman Adam, Markus Neumeier, Harald Hemauer und Leon Hanff verwandeln den Platz binnen Sekunden in einen Hexenkessel.
Der Anlass: 30 Jahre „Seasons in Black“. Die Band aus dem Bayerischen Wald feiert sich selbst – mit einem zweitägigen Open Air, das zeigt, was passiert, wenn Musik, Freundschaft und Heimatverbundenheit aufeinandertreffen.
Übles Wetter zum Start

Dabei hätte das Wochenende kaum schlechter starten können. Das Wetter meinte es am Freitag gar nicht gut: Dauerregen, durchnässte Kleidung, Pfützen überall. Doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Sieger von „Vibes & Voices“ eröffneten, „The Vision Bleak“ und „Rauhbein“ legten nach – und als das Bühnenprogramm endete, zog die Party einfach in die Roadbar weiter. Bis tief in die Nacht feierten die Gäste, mittendrin als DJ ist Wacken-Mitbegründer Holger Hübner, der mit seiner offenen, unkomplizierten Art die Herzen im Sturm eroberte.

Am Samstag zeigte sich der Sommer dann von seiner schönsten Seite. Bei Bilderbuchwetter bot das Festivalprogramm weit mehr als harte Gitarren und donnernde Drums von „Virus 41“, „Wanted Inc.“ und „Heartless Day“. Die „Ludmilla Gschtanzl Schwingas“ mit Maurer am Schlagzeug, „Them Muddy Brothers“, „Dreiviertelblut“ und Hannes Ringlstetter setzten eigene Akzente. Letzterer begeisterte solo mit Akustikgitarre, feinem Humor und Liedern aus der niederbayerischen Provinz, die das Publikum immer wieder zum Lachen und Mitsingen brachten.
Doch der eigentliche Hauptact des Abends ließ nicht lange auf sich warten. Rund 700 Fans drängten sich vor der Bühne, als „Seasons in Black“ in Topform aufspielten. „Wir waren in Wacken und auf dem Summer Breeze, aber daheim ist es noch immer am schönsten“, sagte Maurer. Er erinnerte an die Anfangszeit, als gerade einmal drei Zuhörer im Publikum standen, „die es noch gut mit uns gemeint hatten“.
Die Band spannte den musikalischen Bogen durch ihre gesamte Geschichte: „Apocalyptic Army“, „You Get What You Give“, „Hiroshima Sun“ oder „Seasons in Black“. Sogar „The Sleeping Beauty“ von Tiamat war dabei, jener Song, den die Band einst als ersten überhaupt einstudierte, nachdem sie zuvor gefühlt nur „Enter Sandman“ rauf und runter geprobt hatte.

Der skurrilste Moment des Abends gehörte aber jemand anderem: Ex-Bayern-Profi Markus Babbel wurde von der Band auf die Bühne gebeten – und musste sich vor dem Publikum ein Trikot des TSV 1860 München überziehen.

Ein Streich, den sich Maurer offenbar schon lange gewünscht hatte. „Ich wollte schon immer mal ein Trikot eines Regionalligisten tragen“, konterte Babbel die Buhrufe der FCB-Fans. Wenig überraschend für alle, die ihn kennen: Der Europameister von 1996 – dem Gründungsjahr der Band – ist bekennender Seasons-in-Black-Fan und trägt neben den tätowierten Wappen seiner früheren Clubs längst auch ein SIB-Tattoo am rechten Ellbogen. Unter großem Jubel zog er zudem ein Bandtrikot an. Maurers Kommentar dazu fiel eindeutig aus: „Das ist bislang der beste Verein.“ Danach ließen es die Musiker wieder ordentlich krachen.
Abschied wie immer – mit „My Way“

Zum Schluss wurde es noch einmal persönlich. Die Band holte ihre komplette Crew auf die Bühne, bedankte sich bei allen Helfern hinter den Kulissen und richtete besondere Worte an die L.A.-Betreiber Tanja und Jürgen Wittmann. „Das ist unser Wohnzimmer, der geilste Laden der Welt“, meinte Maurer unter dem Jubel des Publikums.

Als nach den Zugaben „My Way“ von Frank Sinatra aus den Lautsprechern schallte – der Klassiker, der die Combo seit ihren Anfängen begleitet und für ihre Haltung steht –, verließen die Musiker unter tosendem Applaus die Bühne. Mit „Wolfchant“ und einem DJ-Set von Babbel ging das Festival zu Ende.