Wettbewerb in Pettendorf: Wer ist der beste Fahnenjunker?

Von Thomas Kreissl · 13. Juni 2026 um 05:15

Sie sind – im wahrsten Sinne des Wortes – die Aushängeschilder von Traditionsvereinen. Und im Augenblick haben sie Hochsaison: Hunderte Fahnenträger marschieren nahezu allwöchentlich bei Festumzügen ihren Vereinen voran. Am 20. Juni stehen einige von ihnen besonders im Mittelpunkt. Dann gibt es beim 150-jährigen Gründungsfest der Feuerwehr Pettendorf den ersten Fahnenjunker-Wettbewerb im Landkreis.

Tatsächlich haben sich die Organisatoren in Pettendorf eine außergewöhnliche Attraktion für ihre Jubiläumsfeier einfallen lassen. Sie rücken genau das besonders in den Blick, was ansonsten am Ende eines jeden Festumzugs bei der Fahnenparade für Begeisterung bei den Zuschauern sorgt. In Pettendorf geht es am 20. Juni ab 17 Uhr darum, wer die Fahne am besten beherrscht und möglichst spektakulär schwingt.

Heftiger Wind ist der Feind der Fahnenschwinger

Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt sich beim Fototermin für die Vorberichterstattung zum Wettbewerb. Jakob Böhm von der Feuerwehr Pettendorf und Walfried Achhammer vom Schützenverein Jägerheim Pettendorf sind dafür mit ihren Vereinsfahnen eigens zum Festplatz gekommen, auf dem das Jubiläum vom 19. bis 22. Juni gefeiert wird. Doch kaum sind die Fahnen ausgepackt, zusammengeschraubt und die Fahnenbänder befestigt, kommt ein heftiger und böiger Wind auf. Er fängt sich in dem schweren Stoff, zerrt unerbittlich an den Fahnen. Sie kontrolliert zu schwingen, ist unmöglich.

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„Ortswechsel“, schlägt Tobias Wittenzellner vor, einer der drei Festleiter der Feuerwehr. Er kümmert sich um die Organisation des Fahnenjunker-Wettbewerbs und hat dafür bereits rund 30 Anmeldungen registriert. Sie kommen aus Stadt und Landkreis Regensburg, aber auch aus den Landkreisen Cham, Amberg-Sulzbach, Eichstätt und bis aus Mittelfranken. Allzu viele Plätze sind nicht mehr frei. Denn um den Wettbewerb nicht zeitlich ausufern zu lassen, sind die Startplätze am frühen Samstagabend limitiert. Antreten darf pro Verein ein Fahnenjunker. Teilnehmen können nicht nur Feuerwehren, sondern Vereine aller Art. Anmeldungen sind noch möglich über die Homepage der Feuerwehr Pettendorf.

Fahnenparaden sind publikumswirksam und stets umjubelt

Woher kommt der Gedanke, einen solchen Wettbewerb auszurichten? „Die Idee ist im Festausschuss entstanden“, erzählt Wittenzellner. Pate stand dabei das Gründungsfest vor 25 Jahren. Auch damals sollte eine Attraktion her – und so wurde eine Miss-Feuerwehr-Wahl in Pettendorf ausgetragen. „Diesmal sollen die Burschen ran“, verrät der Festleiter einen Gedanken hinter der neuen Idee. Dass sie auf jeden Fall publikumswirksam ist, zeigen die umjubelten Auftritte fahnenschwingender Burschen bei den Fahnenparaden im Rahmen von Festumzügen. Und schließlich sollen auch die beiden Schirmherrinnen etwas zu sehen bekommen. Landrätin Tanja Schweiger und Brauerei-Chefin Franzi Prössl sind sicher schon gespannt.

Die Idee ist das eine, die Umsetzung eine andere Sache. Deshalb galt es für die Organisatoren der Feuerwehr eigens ein Regelwerk zu entwickeln, um für alle Teilnehmer gleiche Bedingungen zu gewährleisten. Deshalb kommen auch nicht die Fahnen der teilnehmenden Vereine zum Einsatz. Stattdessen kann die Pettendorfer Feuerwehr auf die Unterstützung von Fahnen Kössinger aus Schierling zählen. Das Unternehmen stellt für den Wettbewerb gleichartige Musterfahnen zur Verfügung, die in der Anzahl der Fahnenbänder, in Gewicht und Größe identisch sind. Sie können von den Teilnehmern zuvor begutachtet, aber nicht getestet werden.

Es gibt auch „Doping“ unter den Fahnenjunkern

Einzig die Fahnengurte müssen selbst mitgebracht werden, durchlaufen aber vorher eine strenge Kontrolle. Denn „Doping“ gibt es auch unter den Fahnenjunkern. Schließlich erleichtert eine Reihe von Tricks das Schwingen der Fahne. Die sind zwar bei Festumzügen erlaubt, nicht jedoch beim Fahnenjunker-Wettbewerb in Pettendorf. „Die Verwendung von nicht zugelassenen Hilfsmitteln führt unweigerlich zum Ausschluss oder zur Disqualifikation des Teilnehmers“, heißt es in den offiziellen Wettbewerbsrichtlinien.

• Programm: Vier Tage lang feiert die Feuerwehr Pettendorf. Nach dem Festauftakt am 19. Juni gibt es am 20. Juni einen Kindernachmittag mit Kinderfestzug sowie den Fahnenjunker-Wettbewerb. Am 21. Juni stehen der Festgottesdienst und ein großer Festumzug durch das Dorf auf dem Programm. Festausklang ist am 22. Juni.

• Musik: Am 19. Juni spielen im Festzelt die Stoapfälzer Spitzbuam, am 20. Juni die Gewekiner Buam + Madl und am 21. Juni nach dem Festzug die Stoasberger Lumpen. Zum Festausklang am 22. Juni kommt die Saustoimusi ins Festzelt. Dafür gibt es Karten bei Völkl Landhandel in Pettendorf und Wenzenbach, im Café s‘Freis in Regensburg und unter www.okticket .de.

Eines ist schon vorher klar: Die Teilnehmer müssen auf den Punkt topfit sein. Denn für sie gibt es nur einen Durchlauf im Festzelt. Das heißt, sie müssen auf der Strecke vom Zelteingang bis zum Podium innerhalb von maximal 60 Sekunden so viele Fahnenumdrehungen wie möglich schaffen. Bewertet werden die Durchläufe nach einem ausgeklügelten System, das die Organisatoren entwickelt haben.

Vier Kriterien fließen in die Wertung ein

Insgesamt gibt es vier Kriterien, die entscheidend sind. Hier spielen die Zahl der mitgereisten Vereinsmitglieder und Fans eine Rolle, die Lautstärke des Fanjubels während des Durchgangs, die Anzahl der Fahnenumdrehungen pro Minute und schließlich Ausführung, Technik, Sauberkeit und Auftreten des Fahnenträgers.

Letzteres bewertet eine fachkundige Jury mit Schirmherrin Franzi Prössl, Dr. Florian Englmaier, dem Geschäftsführer von Fahnen Kössinger, und einem Mitglied aus dem Führungsteam der Landkreisfeuerwehren. Zur Jury gehört auch Florian Senninger, der erste Fahnenjunker der Feuerwehr Pettendorf. Denn die Gastgeber werden beim Wettbewerb nicht mit antreten. Da wäre möglicherweise der Heimvorteil zu groß, erklärt der Festleiter.

Fahnenbänder und Glastrophäen für die Sieger

Gekürt werden die besten drei Teilnehmer des Wettbewerbs. Für sie geht es allerdings vor allem um die Ehre, beim ersten Fahnenjunker-Wettbewerb triumphiert zu haben. Als Preise winken drei Ehren-Bänder für die Vereinsfahne und Glastrophäen für die Fahnenträger.

Jakob Böhm, der beim Wettbewerb für den Stammtisch Stoahagl antritt, und Walfried Achhammer sind jedenfalls gerüstet. Das stellen sie nach dem Ortswechsel im Garten der Gaststätte Mayerwirt unter Beweis. Windgeschützt im Dorf und unter hohen Bäumen lassen sie schon mal ihre Fahnen kreisen. Das Fest kann kommen.