Auf einer Wiese im Landkreis Regensburg: Plötzlich steht Patrick Willinger vor einem weißen Reh

Nein, es ist keine Patronus-Erscheinung aus dem Harry-Potter-Universum. Das Tier, vor dem Patrick Willinger am Freitagmorgen auf einer Wiese am Waldrand im nördlichen Landkreis Regensburg steht, ist tatsächlich ein weißes Reh. „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, erzählt er wenig später tief beeindruckt von der außergewöhnlichen Begegnung.
Tatsächlich gibt es nicht allzu viele Menschen, die weiße Rehe schon zu Gesicht bekommen haben. Sie sind sehr selten, weiß Kreisjagdberater Andreas Rohrseitz. Allerdings kommen sie häufiger vor, als man es glauben mag – auch in der Region. Rohrseitz hat im südlichen Landkreis selbst schon so ein Tier gesehen. „Es handelt sich um ein einjähriges männliches Reh“, ist er überzeugt, nachdem er sich die Bilder und das Video von Patrick Willinger angesehen hat.
Langsam und vorsichtig nähert er sich dem Tier
Der Eitlbrunner ist am Morgen im Auto unterwegs, als er plötzlich auf einer Wiese am Waldrand einen weißen Fleck bemerkt. Willinger wendet seinen Wagen, fährt in einen Feldweg und parkt dort. Mittlerweile ist er ziemlich sicher, dass es sich um ein Tier handelt. Er steigt aus, bewegt sich langsam und vorsichtig in Richtung der seltsamen Erscheinung. Meter um Meter nähert er sich an und ist mittlerweile überzeugt: Das könnte ein Reh sein.
Das Tier bemerkt ihn offenbar zunächst nicht. Zumindest lässt es sich absolut nicht stören, äst in aller Seelenruhe weiter. Willinger zückt sein Smartphone und drückt ein paarmal auf den Auslöser. „Es war unglaublich beeindruckend“, schildert er die Minuten, die sich er und das Tier gegenüberstanden.
Denn irgendwann hat ihn das Reh doch bemerkt und fixiert ihn völlig regungslos. Auch Willinger rührt sich nicht, verhält sich absolut still – und dann scheint das Reh zu beschließen, dass von diesem Menschen keine Gefahr droht. Es äst weiter, lässt sich sogar kurz aufs Gras nieder und ignoriert sein staunendes Gegenüber ganz einfach. Der Eitlbrunner macht schließlich noch ein kurzes Video und tritt den Rückzug an – ebenso langsam und leise, wie er gekommen ist. „Das war schon ein besonderes Erlebnis“, erzählt er.
Kreisjagdberater: Eine Laune der Natur
Das bestätigt auch Andreas Rohrseitz. „Es ist ein absolutes Highlight, so etwas zu beobachten“, schwärmt der Kreisjagdberater von seiner Begegnung mit einem weißen Reh. Dabei handelt es sich seinen Worten zufolge eigentlich um ganz normale Wildtiere, die halt eine Laune der Natur getroffen habe.

Diese Laune hat zwei genetische Hauptursachen, erklärt der Kreisjagdberater. Eine davon ist Albinismus, ein Gendefekt, bei dem der Körper den Farbstoff Melanin nicht bilden kann. Es ist extrem selten, dass Rehe davon betroffen sind. Ihre auffälligsten Kennzeichen sind dann ein nahezu reinweißes Fell und auffällig rote Augen. Das sehr weiße Fell trifft auf das Tier zu, das Patrick Willinger gesehen. Ob es auch rote Augen hat, konnte er aber nicht erkennen. Auch seine Bilder und der Film geben darüber keinen klaren Aufschluss.
In Mythos und Aberglauben verankert
Deshalb könnte auch eine vererbte Pigmentstörung die Ursache für die auffallende Fellfarbe sein. Hier betrifft der Defekt, kein Melanin bilden zu können, nicht den ganzen Körper. Deshalb sind die Augen in der Regel nicht rot gefärbt und auch das Fell kann braune Flecken aufweisen. Rohrseitz ist sich nicht sicher, auf welche der Ursachen die Fellfärbung des Tieres im nördlichen Landkreis zurückzuführen ist.
„Solche Tiere sind auf jeden Fall etwas ganz Besonderes“, sagt der Kreisjagdberater. Das liegt auch daran, dass diese auffälligen und einzigartigen Tiere leicht wiederzuerkennen sind. Wer sie beobachtet, kann gut verfolgen, auf welchen Routen sie unterwegs sind und wie sie sich verhalten. Wenn es sich um ein weibliches Tier handelt, zeigt sich, ob und inwieweit der Nachwuchs die Fellfärbung übernimmt. „Es ist absolut unüblich, dass Jäger ein solches Tier erlegen“, weiß Rohrseitz.
Nicht umsonst haben weiße Wildtiere auch ihren Platz in Mythos und Aberglauben. Das weiß auch der Kreisjagberater. „Wer ein weißes Stück schießt, der stirbt innerhalb eines Jahres“, zitiert er eine althergebrachte Warnung, die in Jägerkreisen durchaus bekannt ist.