Eier, Kartoffeln und Kleingeld gestohlen: Kamera überführt Hofladen-Dieb in Schwandorf

Eier, Kartoffeln, Nudeln und etwas Kleingeld: Weil er an zwei Tagen im Januar aus einem Hofladen im Schwandorfer Ortsteil Klardorf gestohlen haben soll, musste sich am Donnerstag ein 45-Jähriger vor dem Amtsgericht Schwandorf wegen Diebstahls verantworten. Dass in dem Selbstbedienungsladen Produkte verschwinden, ist keine Seltenheit.
Hans Sieß setzt im Hofladen des Gosl Hofs auf Vertrauen: Eine Kasse und ein Schälchen für das Wechselgeld stehen neben den Produkten. Ein Konzept, das in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist – aber auch Nachteile hat. Wie berichtet, beklagt Sieß seit Monaten fehlende Lebensmittel in seinem Laden. Weil er sich deshalb eine Überwachungskamera zulegte, konnte nun ein Dieb überführt werden. Am Donnerstag wurde ihm vor dem Schwandorfer Amtsgericht der Prozess gemacht.
Ein Video zeigt die Tat
Anfang Januar, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, war der 45-Jährige im Gosl Hof einkaufen gewesen, bezahlt hatte er anschließend aber nicht. Eier, Kartoffeln, Nudeln und Wechselgeld mit einem Wert von insgesamt 40 Euro steckte er einfach ein. Der angeklagte Familienvater wollte zuerst keine Aussage zu den Anschuldigungen machen. Erst als Strafrichterin Katharina Bauer darauf hinwies, dass es ein Video aus dem Laden gebe, zeigte er sich geständig.
Er habe die Waren und auch das Wechselgeld mitgenommen, sagte er. Nur beim zweiten Mal habe er sich nicht an der Schale mit dem Kleingeld vergriffen, so der Angeklagte. Wie er sein Verhalten begründet? „Dummheit“, antwortete der 45-Jährige knapp.

Auch der betroffene Landwirt war für den Prozess als Zeuge geladen. Über Monate habe er Papierschnipsel in der Kasse gefunden, erzählte er. Videoaufnahmen zeigten das Vorgehen des angeklagten Schwandorfers: Er ging in den Laden, nahm sich eine Packung Kartoffeln, schmiss die Papierschnipsel, als Imitation für Geldscheine, in die Kasse und räumte die Schale mit Wechselgeld leer. Auffällig dabei: Er trug im Video genau die gleiche Jacke, die er auch im Gerichtsprozess in Schwandorf anhatte. „Die Identität ist meines Erachtens klar“, stellte die Richterin fest.
Der Angeklagte ist amtsbekannt
Landwirt Sieß beobachtete den Mann bei seinem Diebstahl auf der Kamera. „Ich habe ihm vom Fenster aus noch nachgerufen, dass er zahlen soll“, erinnerte er sich in seiner Zeugenaussage. Mit einer alarmierten Polizeistreife habe er den ihm bekannten Mann anschließend verfolgt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung der Polizei rückte der Angeklagte dann schließlich die Beute heraus.

Staatsanwältin Nadine Sand forderte in ihrem Plädoyer eine sechseinhalbmonatige Freihteitsstrafe für den Angeklagten. Auch weil der Schwandorfer bereits vorbestraft ist und schon im Gefängnis saß. Andererseits zeuge seine Tat von einer kriminellen Energie. „Durch Geldstrafe lässt sich der Angeklagte nicht beeinflussen“, so Sand. Auch handle es sich bei den beiden Vorfällen womöglich nur um die „Spitze des Eisbergs.“ Denn der Angeklagte war unter anderem schon im Oktober 2025 beim Diebstahl im gleichen Hofladen erwischt worden und hatte dafür eine Geldstrafe bekommen.
Sichtlich nachdenklich zeigte sich die Staatsanwältin bei der Frage nach Bewährung – entschied sich schlussendlich jedoch dafür. Der Schwandorfer schien sichtbar erleichtert und dankte ihr in seiner Schlussbemerkung für ihre Entscheidung.
Das Vertrauen schamlos ausgenutzt
Strafrichterin Katharina Bauer schloss sich den Forderungen der Staatsanwältin an und betonte auch die kriminelle Energie des Familienvaters. Er habe den Vertrauensvorschuss des Hofladenbesitzers schamlos ausgenutzt. Der Schwandorfer wurde zu sechs Monaten und zwei Wochen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richterin entschied sich für eine Strafaussetzung zur Bewährung, weil der Schwandorfer familiär eingebunden sei, mit den Polizeibeamten kooperiert habe und seine Vorstrafen schon weit zurücklägen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, als Auflage muss der Angeklagte zudem 80 Arbeitsstunden leisten. Das Urteil wurde am Donnerstag direkt rechtskräftig.
Nach Prozessende zeigte sich Hans Sieß optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass er nicht mehr kommt“, sagte er. Jedoch gebe es noch andere Personen, die seinen Hofladen nutzten, ohne zu zahlen. Ob das Urteil vom Donnerstag ausreicht, um sie abzuschrecken, bleibt abzuwarten.