150 Jahre Brauereigeschichte: Der Lindner ist Bad Kötztings Biertempel

Von Alois Dachs · 12. Juni 2026 um 15:00

„Gemma zum Lindner“ ist eine Entscheidung, die täglich Hunderte Einheimische und Urlaubsgäste treffen. Der Brauerei-Gasthof „links vom Weißen Regen“, wie der verstorbene Brauereibesitzer Heinz Kolbeck immer gerne betonte, ist für Bad Kötzting (Landkreis Cham), was „der Kneitinger“ für Regensburg oder das Hofbräuhaus für München sind – ein Sinnbild für gute Gastlichkeit. Jetzt wird 150. gebrutstag gefeiert – mit einem großen Fest.

Der Lindner-Biergarten – hier beim Sommerfest der Jäger 2025 – zählt zu den schönsten Biergärten Ostbayerns. - Foto: Christa Rabl-Dachs

Als „Markt- oder Herrensäge“ war das spätere Lindner-Anwesen schon ab 1653 als Einzelgebäude auf der dem Markt Kötzting gegenüberliegenden Seite des Weißen Regens errichtet worden. Als Schwiegersohn des damaligen Eigentümers Joseph Stoiber (dessen Name noch heute den steinernen Türstock am Eingang zur Gaststätte ziert) stieg der Holzhändler Karl Lindner vom Sperlhammer 1868 in den Betrieb ein, der neben der Gattersäge auch mit einer Landwirtschaft verbunden war. Am 11. Januar 1876 reichte Lindner einen Bauplan für eine Brauerei ein, die eineinhalb Jahre später in Betrieb genommen wurde.

Kolbecks übernehmen nach Kriegsende Betrieb

Bis 1946 war die Brauerei mit Sägewerk und Landwirtschaft im Eigentum von Karl Lindner, später von seinem gleichnamigen Sohn, der keine Nachkommen hatte. Er verkaufte das große Anwesen ein Jahr nach Kriegsende an den Braumeister Heinrich Kolbeck aus Hohenwarth und dessen Frau Kreszenz aus Gotzendorf.

Karl Lindner senior und sein Sohn Karl, die den Brauereibetrieb gründeten - Foto: Stadtarchiv

Mit hohem Arbeitseinsatz entwickelte das Ehepaar Kolbeck das traditionsreiche Gasthaus, zu dem auch ein Bräustüberl im Nebengebäude gehörte, zu einem der ersten „Fremdenverkehrsbetriebe“ in Kötzting. Im Nebenhaus etablierte sich für Jahre die Familiennäherei „Hemden-Schmidt“, ehe in den 70er Jahren der spätere Bodybuilding-Seniorenweltmeister Fritz Kroher hier das erste Fitness-Studio der Pfingstrittstadt eröffnete. Mittlerweile waren die Söhne Karl und Heinrich Kolbeck junior in den Betrieb eingestiegen, der durch den Bau der Lindnerhalle – anstelle des Sägewerks – Ende der 70er Jahre eine völlig neue Geschäftsentwicklung nahm.

Als frisch gebackener Braumeister kreierte Heinz Kolbeck mit seinem Vater den „Chostingator“ und führte die ersten Starkbierfeste ebenso zum Erfolg wie große Vereinsveranstaltungen, die in der Halle abgewickelt wurden. Das kleine „Salettl“, das schon seit Jahren existierte, wurde später zu einem Biergarten ausgebaut, der mehreren Hundert Gästen Platz bietet und in den Sommermonaten ein Zentrum bayerischer Bier- und Brotzeitkultur wurde.

Große Baumaßnahmen und Bruder-Konrad-Kapelle

Nach seiner Heirat mit Inge Hirtreiter aus Haibach setzte der junge Lindner-Bräu die Investitionen in allen Geschäftsbereichen fort. Die Lagerkapazitäten in der Brauerei wurden gewaltig erweitert, Gast- und Nebenzimmer durch ein Bierstüberl ergänzt, schließlich im Obergeschoss ein Saal ausgebaut, die Küche komplett erneuert – und endlich erfüllte sich Heinz Kolbeck einen Herzenswunsch: Im ehemaligen Bräustüberl, das ein historischer Kachelofen ziert, entstand die Bruder-Konrad-Kapelle.

Braumeister Heinrich Kolbeck – hier mit seinem Sohn Heinz beim Brauen – hatte das Lindner-Anwesen 1946 erworben. - Foto: Stadtarchiv

Nach dem frühen Ableben von Heinz Kolbeck im Jahr 2018 war die Tochter Evi Kolbeck – nur kurze Zeit nach Abschluss ihrer Braumeister-Ausbildung – gefordert, mit Unterstützung ihrer Mutter, ihres Bruders Heinz und des Onkels Karl Kolbeck, das Familienunternehmen nicht nur fortzuführen, sondern zu einem prosperierenden Betrieb weiterzuentwickeln.

Das Lebenswerk der Eltern und Großeltern weiterentwickelt

Der jungen Unternehmerin gelang es, in großen Schritten den Brauvorgang weitgehend zu digitalisieren, mit neuen Biersorten ein Zeichen für hohe Qualität zu setzen, mit Sonnenstrom Teile des Energiebedarfs zu decken und das Lebenswerk ihrer Eltern und Großeltern weiterzuentwickeln.

Zwei Komponenten prägten am Rande die enorme Entwicklung des Familienbetriebs: Der „Lindner-Heinz“ war Zeit seines Lebens als Wirt ein glänzender Unterhalter, den seine Menschenkenntnis und sein Gesangstalent auszeichneten. Und er war als Pferdefreund mit seinen zeitweise bis zu 13 Norikern ein Vorbild als Pfingstreiter. Hier setzte er eine Tradition im Unternehmen fort, die schon Karl Lindner, einst als Major im königlichen „Schowoleeschee“-Regiment (Chevauxleger = leichte Kavallerie) gepflegt hatte. Legendär sind seine Auftritte mit dem Zehnerzug vor dem Brauereiwagen beim jährlichen Festzug der Kaltblut- und Haflingerzüchter.

Das frühere Lindner-Bräustüberl mit dem historischen Kachelofen wurde von Heinz Kolbeck zur Bruder-Konrad-Kapelle umgebaut. - Foto: Stadtarchiv

Der Begriff „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ hätte beim Lindner in Bad Kötzting erfunden werden können, denn hier sind Sänger und Musikanten immer gerne gesehen, wie auch das Programm zum Jubiläum „150 Jahre Brauerei Lindner“ beweist.

So sieht das Festprogramm aus:

Auftakt: Nach der Eröffnung am Freitag, 17 Uhr, mit Bieranstich, musikalischer Unterhaltung mit der Tegernseer Tanzlmusi, der Kapelle Josef Menzl und Loisach Marci – Alphorntechno geht es diesen Samstag, weiter

Samstag: In der Zeit von 15 bis 24 Uhr spielen die Wuidara-Musi und der Keller Steff-Bigband.

Sonntag: Ab 8 Uhr Frühschoppen und Weißwurstfrühstück, Musik durch die Lederwixxa