Kartenzahlung dominiert immer mehr den Alltag – doch viele Menschen in Kelheim bleiben skeptisch

Im Supermarkt, im Restaurant, beim Parkautomaten oder im Bus entscheiden sich viele Menschen längst für die Kartenzahlung. Gleichzeitig wächst aber auch die Sorge, dass Bargeld nach und nach aus dem Alltag verschwindet. Besonders ältere Menschen beobachten diese Entwicklung kritisch.
Bar oder mit Karte?“ – diese Frage gehört inzwischen zum Alltag. Im Supermarkt, im Restaurant, beim Parkautomaten oder im Bus entscheiden sich viele Menschen längst für die Kartenzahlung. Gleichzeitig wächst aber auch die Sorge, dass Bargeld nach und nach aus dem Alltag verschwindet. Besonders ältere Menschen beobachten diese Entwicklung kritisch, sagt Raimund Fries, Bezirksvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender der Senioren-Union, im Gespräch mit der Zeitung.
„Es gibt inzwischen viele Situationen, in denen Bargeld gar nicht mehr akzeptiert wird“, sagt Fries. Besonders problematisch sei dabei nicht nur die Kartenzahlung selbst, sondern der zunehmende Zwang zu Apps und digitalen Angeboten. „Nicht jeder hat ein Smartphone oder möchte ständig Apps benutzen“, betont Fries.
Hürden für ältere Menschen nehmen zu
Vor allem beim Parken oder im öffentlichen Nahverkehr stoßen ältere Menschen immer häufiger auf Hürden. Als Beispiel nennt Fries Parkautomaten, die nur noch Kartenzahlung oder eine App akzeptieren. Auch beim Deutschlandticket oder bei digitalen Angeboten der Deutschen Bahn würden Menschen ausgeschlossen, die kein Smartphone besitzen oder digitale Anwendungen bewusst ablehnen.

Die Senioren-Union (SEN) der CSU im Landkreis Kelheim fordert deshalb ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Bargeld und digitalen Zahlungsmethoden. Dabei gehe es der SEN ausdrücklich nicht darum, die Digitalisierung abzulehnen. „Viele Seniorinnen und Senioren sind durchaus fit im Umgang mit digitalen Medien“, sagt Renate Strähle, die Kreisvorsitzende der SEN. Das merke sie immer wieder im Austausch mit Mitgliedern. „Aber das eine darf das andere nicht ausschließen.“
Die Diskussion betrifft längst nicht mehr nur ältere Menschen. Auch die Frage, wie Kinder und Jugendliche den Umgang mit Geld lernen, beschäftigt die Senioren-Union. Fries erinnert sich an das klassische Taschengeld in Münzen und Scheinen. „Da wusste man genau, wie viel Geld noch da ist.“ Bei der Kartenzahlung fehle dieses Gefühl oft. Geld wirke dadurch schnell „unendlich verfügbar“. Die Gefahr einer Überschuldung könne dadurch steigen.
Auch in Kelheim selbst zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen heute bezahlen. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage in der Innenstadt (Siehe Infokasten) äußern viele Bürger klare Vorlieben – jüngere Kunden sehen die Entwicklung oft entspannter. Katrin Geiger aus Kelheim bezahlt überwiegend mit Karte. „Das geht schneller, ist hygienischer und einfacher“, sagt sie. Auch Kunden-Apps nutzt sie regelmäßig zum Punktesammeln. „Früher gab es Coupons in Zeitschriften, heute läuft das eben über Apps.“
Immer mehr Kunden zahlen mit der Karte
Im Handel nimmt die Kartenzahlung inzwischen klar zu. Claudius Wenzler, Geschäftsführer mehrerer Edeka-„Dillinger“-Märkte im Landkreis Kelheim, berichtet, dass mittlerweile rund 60 Prozent der Kunden elektronisch bezahlen. Vor Corona habe das Verhältnis noch deutlich näher bei 50 zu 50 gelegen. Beschwerden über eine Benachteiligung älterer Kunden bekomme er kaum. „Viele Rentner nehmen durchaus rege an den elektronischen Möglichkeiten teil“, sagt Wenzler.

Noch deutlicher fällt die Entwicklung im Modehandel aus. Philipp Götz von „Mode Götz“, das es mehrfach im Landkreis gibt, berichtet von einem Kartenzahlungsanteil von rund 80 Prozent. Als Grund dafür nennt Philipp Götz die in Summe jeweils höheren Rechnungsbeträge bei Modeartikeln im Vergleich zum Einkauf von Lebensmitteln. Der Kunde spare sich vor dem Shoppen im Modegeschäft den Weg zur Bank, um Bargeld abzuheben. Die Zahlung mit Karte sei für ihn die bequemere Alternative.
Auch Banken beobachten die Veränderungen genau. Matthias Rösel von der Raiffeisenbank Kreis Kelheim bestätigt, dass digitale Bezahlmethoden und Mobile Payment weiter zunehmen. Gleichzeitig spüre man bei älteren Kunden die Sorge, dass Geldautomaten verschwinden könnten. „Die Bargeldversorgung bleibt wichtig“, betont Rösel.
Auch Bargeldeinzahlungen würden weiterhin zum Auftrag der Banken gehören. Die Kreissparkasse Kelheim sieht eine Abschaffung des Bargelds derzeit ebenfalls nicht. Pressesprecher Niklas Neumeyer erklärt: „Bargeld hat aus unserer Sicht weiter seine Bedeutung.“ Zwar nehme kontaktloses Bezahlen deutlich zu, dennoch halte die Sparkasse ihr Geldautomatennetz aufrecht.
Auch für Raimund Fries steht fest, dass Bargeld trotz zunehmender Digitalisierung erhalten bleiben soll. „Die Menschen müssen selbst entscheiden können, wie sie bezahlen möchten.“ Die Debatte darüber dürfte den Alltag vieler Menschen auch in Zukunft weiter begleiten.
Das sagen Menschen auf Kelheims Straßen zum Bezahlen
• Lieber bar: Ein älteres Ehepaar erklärt: „Wir zahlen gerne bar und mit Karte, aber lieber bar.“ Vor allem der fehlende persönliche Kontakt störe sie zunehmend. „Mittlerweile ist alles automatisiert. Wenn man ein Problem mit Automaten hat, gibt es keinen menschlichen Ansprechpartner mehr“, bedaueren sie.
• Verführerisch: Eine ältere Frau aus Kelheim sagt: „Mit Bargeld weiß man einfach, was man hat.“ Kartenzahlung sei „verführerisch“.
• Besserer Überblick: Eine andere Passantin sieht es genau andersherum: „Mit Karte habe ich einen besseren Überblick über meinen Finanzhaushalt.“ Bargeld müsse sie dann nicht ständig mit sich herumtragen.
• Daten verkaufen: Beim Bezahlen mit dem Smartphone bleiben viele jedoch skeptisch. „Mit Handy zahlen ist mir suspekt“, sagt eine ältere Frau. Auch Apps lehnt sie bewusst ab: „Da verkauft man seine Daten. Das möchte ich nicht unterstützen.“