Die Handpan entdeckte er im Urlaub: Tom Flegel spielt bei Chamer Straßenmusikfestival

Von Selina Schaefer · 11. Juni 2026 um 11:00

Konzentriert schlägt Tom Flegel abwechselnd den Rand der Beulen auf der bronzefarbenen Oberfläche des Ufo-förmigen Instruments an. Metallene, nahezu ätherische Töne erklingen nacheinander. Jede der neun Innenwölbungen ist ein anderer Ton, eigens gestimmt. Und jede Delle im Instrument würde die Stimmung kaputt machen. Umso mehr passt der Zwölfjährige auf, dass seiner Handpan nichts passiert. Mit dieser wird er auch am Sonntag um 12.30 Uhr am Chamer Marktplatz als einer von vielen Musikern beim Straßenmusikfestival auftreten.

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Seit ungefähr zwei Jahren spielt der Chamerauer das Blechklanginstrument, das aus zwei Halbkugeln besteht und innen hohl ist. Mehr als vier Kilogramm wiegt es und hat einen Durchmesser von ungefähr einem halben Meter. Die Handpan ist dabei ein recht neues Instrument und wird in dieser Form seit 2007 angeboten. Seither gewinnt sie stetig Fans.

Hier finden Sie das Programm des Chamer Stadtfests und des Straßenmusikfestivals

Auch Tom Flegel ließ sich von den ruhigen Tönen begeistern. Angefangen hat alles in einem Urlaub auf Mallorca mit seinen Eltern vor über zwei Jahren. Damals habe im gegenüberliegenden Hotel jemand eine Handpan gespielt, ergänzt sein Vater Martin Flegel. Tom habe sich das faszinierende Instrument unbedingt näher ansehen wollen.

Das Schlagzeugspielen hilft ihm beim Rhythmusgefühl

Beim Schauen allein blieb es dann nicht: „Ich durfte es da einmal ausprobieren“, erzählt der Zwölfjährige. „Ich habe das relativ gut hinbekommen, weil ich vom Schlagzeugspielen das Rhythmusgefühl habe.“ Seit er fünf Jahre alt war, spielt er nämlich auch Schlagzeug. Abwechselnd musizierten der Schüler und der Straßenmusiker, der ihm immer wieder etwas zeigte. Sein Vater erinnert sich, wie gut sich sein Sohn anstellte: „Das war echt cool. Ich dachte mir: Er hat die Handpan eigentlich zum ersten Mal in der Hand.“

Die Ruhe des Instruments habe Tom begeistert. „Schlagzeug klingt halt eher laut, Handpan ist mehr zum Entspannen“, beschreibt er. „Es hat mir gefallen und dann habe ich es mir auch selbst gekauft.“ Über vier Monate sparte er das Geld dafür großteils selbst an, unterstützt von seinen Eltern, denn billig ist eine Handpan mit rund 2000 Euro nicht.

Jede Handpan klingt anders

Mit seinen Eltern Martin und Tanja Flegel informierte er sich über verschiedene Instrumente. Am Ende fiel die Wahl auf ein Instrument der Firma Meinl. „Wir haben geschaut, welche besser klingt. Weil jede anders ist“, erklärt der Schüler. Das ist das Faszinierende an den metallenen Instrumenten. „Die sind alle handgefertigt. Ich kann mir die Handpan, die ich habe, öfters kaufen – sie wird nie so klingen, wie die jetzige.“ An seiner hätte ihn die Reinheit der Töne überzeugt. Und: „Ich habe auch geschaut, ob die Töne miteinander gut klingen.“

Da die Kaufentscheidung nicht ganz einfach war, wurde dafür neben dem Händler auch sein Schlagzeuglehrer Sebastian Göllner von der Musikschule Mukado in Blaibach um Rat und Unterstützung gefragt. Dieser habe sich von dem Instrument begeistert gezeigt und sich daraufhin selbst eine Handpan zugelegt. Auch bei seinen Schlagzeugstunden habe Göllner ihm manchmal das ein oder andere gezeigt, erzählt Tom Flegel. Das habe er dann daheim geübt. Viel aber habe sich der junge Musiker auch selbst beigebracht.

Meistens improvisiert der Schüler seine Lieder

Gespielt wird eine Handpan entweder mit Schlägel oder mit der Hand, erklärt Tom Flegel. Dabei bevorzugt er selbst die Daumen, denn das klinge reiner. „Wenn ich mit der Handfläche drauf schlage und nicht mit dem Daumen, patscht das“, erklärt der Musiker und demonstriert, wie sich die Tonqualität verändert. Außerdem musiziere er meistens „freestyle“. „Ich habe keine Noten oder so“, erklärt der Chamerauer. Er habe ein festes Lied, „Tanz im Regen“, das er mit seinem Schlagzeuglehrer zusammen komponiert und ausgearbeitet habe. Auch am Straßenmusikfestival am Sonntag werde er dieses Stück spielen – der Rest sei improvisiert.

Bei dem Chamer Festival sei er bereits vor zwei Jahren mit seiner Handpan aufgetreten oder auch einmal bei der Turnhalleneinweihung der Schule. Zuletzt war er auch in Furth im Wald beim dortigen Straßenmusikfestival dabei. Nervös davor, eine Stunde alleine auf der Bühne am Marktplatz vor vielen Menschen zu musizieren, sei er daher nicht. „Ich freue mich mehr, als dass ich aufgeregt bin“, sagt der Sechstklässler. Und eigentlich würde er auch gerne einmal als echter Straßenmusiker spielen.