Eichenprozessionsspinner hat Saison – Chamer Experte rät: Hände weg von den Raupen!

Von Josef Fischer · 10. Juni 2026 um 12:40

Wer viel in der Natur, vor allem im Wald, unterwegs ist, der hat sie bestimmt schon gesehen, die Raupen des Eichenprozessionsspinners oder die nicht zu übersehenden Anzeichen der Gespinstmotten. Während letztere ungefährlich sind, so ist der Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner nicht zu empfehlen.

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Michael Kumschier vom Sachgebiet für Gartenbau und Landespflege des Landratsamtes Cham warnt: Hände weg von Raupen! Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) kommt in Bayern an Stiel- und der Traubeneiche sowie an der amerikanischen Roteiche vor. Seit den 1990er Jahren breiten sich die Gebiete mit deutlichem Befall von den ehemaligen Schwerpunkten auf der Fränkischen Platte mit ihrem warm-trockenen Klima weiter nach Süden und Osten aus. Mittlerweile ist der Falter in fast ganz Bayern mit Ausnahme der Alpen und der Hochlagen der ostbayerischen Mittelgebirge nachgewiesen.

Im Landratsamt gehen vermehrt Meldungen ein

Der Eichenprozessionsspinner bevorzugt zur Eiablage Einzelbäume, südexponierte Bestandsränder und lichte Eichenwälder. Er befällt jedoch bei Massenvermehrung auch große geschlossene Waldgebiete. Warme Temperaturen begünstigen eine starke Entwicklung des Eichenprozessionsspinners und seiner Raupen. An sich ist die Art aber in Europa heimisch und nicht eingeschleppt, erklärt Michael Kumschier vom Landratsamt Cham.

Im Wald lauern auch kleine, aber gefährliche Tiere. - Foto: Josef Fischer

Sowohl der Eichenprozessionsspinner als auch die Gespinstmotten kommen im Landkreis Cham vor. In den letzten Wochen häufen sich die Meldungen beim Sachgebiet für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt.

Bei den Raupen des Eichenprozessionsspinners und ihren Nestern ist Vorsicht geboten. Problematisch an den Raupen sind die feinen Brennhaare, die sie ab dem dritten Larvenstadium ausbilden.

Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein

Auch hinterlassen die Raupen durch Häutungsreste viele der Brennhaare in den Nestern, deren gefährliche Wirkung über viele Jahre bestehen bleiben kann. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und können bei Kontakt Hautreizungen mit starkem Juckreiz und Quaddeln auslösen. Auch Augenreizungen, Husten oder asthmaartige Beschwerden sind möglich.

Liebr die Finger weglassen.... - Foto: Philip Dulian/dpa

Besonders gefährlich ist, dass die Haare leicht abbrechen und durch den Wind verteilt werden können. So bleiben sie lange in der Umgebung erhalten. Da der Falter besonders gerne freistehende und ältere Eichen zur Eiablage auswählt, sind oftmals Bäume in Parks, an Straßen, Waldrändern oder Spiel- und Sportplätzen betroffen.

Werden die Raupen entdeckt, dann muss Abstand gehalten werden, und zwar zehn bis 15 Meter. Auf keinen Fall dürfen Tiere noch Nester angefasst werden. Das gilt auch für alte Gespinste. Unter Eichen sollte bestenfalls nicht gegessen oder getrunken werden. Ansonsten hilft lange Kleidung, damit es möglichst wenig Hautkontakt gibt. Sollte es doch zu einen kommen, dann anschließend duschen, Haare waschen und Kleidung separat reinigen. Bei anhaltenden Reaktions-Symptomen wird der Gang zum Arzt empfohlen.

Eigentümer muss Raupen und Nester entfernen

Geht von den befallenen Bäumen eine Gefahr für Menschen aus (Wanderwege, Fahrradverkehr, öffentliche Plätze usw.) müssen die Raupen und die Nester entfernt werden. Zuständig für die Beseitigung ist der Eigentümer der Bäume, bei Kommunalflächen also die Gemeinde. Beauftragt werden Firmen, die sich mit der Beseitigung des Eichenprozessionsspinners auskennen. Ein Abflammen oder Abwaschen ist nicht zu empfehlen, weil dadurch die Brennhaare verteilt werden. Besser ist das „händische“ Entfernen mit entsprechender Schutzausrüstung oder das Absaugen.

In jedem Fall sollte frühestmöglich mit Warnschildern auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Soweit möglich, ist auch das Absperren unter dem Baumkronenbereich wichtig.

Nester, die sich im eigenen Garten befinden, sollten ebenfalls durch eine Fachfirma entfernt werden. Gerade für Hunde kann das Nesselgift gefährlich werden. Auch auf Weidegrundstücken sollten befallene Bereiche ausgezäunt werden.

Nicht gefährlich: Traubenkirschen, Pfaffenhütchen oder Schlehen

Nicht gefährlich sind dagegen die Gespinstmottenarten, die am häufigsten bei Traubenkirschen, Pfaffenhütchen oder Schlehen für einen gespensterhaften Schleier sorgen, aber auch gelegentlich an Obstbäumen vorkommen.

Um diese Gespinste im Garten gut und gefahrlos zu entfernen, Handschuhe anziehen, um diese gefahrlos zerdrücken zu können. Den Boden sollte man mit Karton oder ähnlichem bedecken, um sich abseilende Raupen aufzufangen. So können die „Schädlinge“ entsorgt werden – eine Maßnahme, die sich im nächsten Jahr auszahlt.

Das Problem im Überblick:

Eichenprozessionsspinner: Raupen sind grau-braun behaart und ziehen oft in langen „Prozessionen“ hintereinander über Stamm und Äste. Die Gespinste sitzen meist am Stamm oder an stärkeren Ästen von Eichen. Die Brennhaare können gesundheitliche Beschwerden auslösen.

Gespinstmotte: Die Raupen leben in auffälligen weißen Gespinsten, die ganze Sträucher oder Bäume einhüllen können. Häufig betroffen sind Traubenkirschen, Schlehen oder Pfaffenhütchen. Die Tiere sind für Menschen ungefährlich.

Wichtig: Kahl gefressene Bäume durch Gespinstmotten treiben meist wieder aus. Die auffälligen Gespinste sehen zwar dramatisch aus, stellen aber keine Gesundheitsgefahr dar.