Erdstall in Grafenwiesen entdeckt – Landkreis Cham ist Hotspot für die Forscher

Bei der Sanierung des alten Waldlerhauses in Grafenwiesen hat die Familie Nirschl eine Entdeckung gemacht, die Nikolaus Arndt begeistert. Er ist Bauingenieur und Erdstallforscher und durfte als Erster in ein Erdloch kriechen, in dem 1000 Jahre lang vor ihm keiner war.
Grabungsarbeiten zum Verlegen von Leitungen in der Baustelle haben ein Loch zutage gefördert, das Architekt Peter Haimerl als möglichen Erdstall identifiziert hat. Auf seinen Hinweis hin ist die Interessengemeinschaft (IG) Erdstallforschung aktiv geworden, unter ihnen Nikolaus Arndt.
Gleich bei der Erstbegehung Anfang Mai machen die Forscher einen 3D-Scan, ganz einfach mit dem iPhone. Werner Breuherr ist der Mann, der das am besten kann. Auch mit dabei: Architekt Fred Baierl. Die Forscher entdecken einen vier Meter langen Gang, zwei Lampennischen, einen Schlupf, der ungefähr einen Meter nach oben geht mit 45 Zentimetern Durchmesser. Die Hauspuren sind gut erkennbar.
Wieso gibt es Erdställe? Das bleibt ein Mysterium
Warum es Erdställe gibt, ist nicht geklärt. Klar ist, sie sind ungefähr vor 1000 Jahren entstanden, sagt Arndt. Er datiert sie auf den Beginn des Hochmittelalters, 1050. Weder in Bayern, Österreich oder Frankreich seien Erdställe entdeckt worden, die danach gebaut wurden.

Der etwa 100 Meter nördlich des Schlosses liegende Erdstall könnte in Verbindung mit einer Burg der Herren von Grafenwiesen, die dort vermutlich bereits im 12. Jahrhundert eine Turmburg errichteten, gestanden haben, schätzt Franz Schraml.
Im Moment ist die IG Erdstallforschung mit der Erstellung eines Katasters für Bayern beschäftigt (zu finden unter www.erdstall-kataster-bayern.com). Die Oberpfalz ist schon fertig, und ein Blick auf die Karte zeigt, was Nikolas Arndt im Gespräch betont: „Die weltweit größte Ansammlung von Erdställen auf eine gewisse Fläche gibt’s in der Oberpfalz.“ Und der Schwerpunkt liegt im Landkreis Cham: 64 (mutmaßliche) Erdställe sind hier gelistet. Danach folgt Schwandorf mit zehn und Regensburg mit zwei. Wieso das so ist, kann Arndt nicht sagen. Zumal die Erdställe hier in den harten Felsen gehauen wurden.

Ist die Arbeit am Kataster abgeschlossen, wird überlegt, wie es weitergeht. Ob zum Beispiel am Erdstall in Grafenwiesen gegraben werden soll – natürlich in Absprache mit Eigentümer und Landesamt für Denkmalpflege, das für Bodendenkmäler zuständig ist. Dann würden mindestens zehn Leute für die Arbeiten gebraucht, schätzt Arndt. Aber das ist gerade gar nicht so wichtig, sagt der Erdstallforscher. „Wichtig ist, dass wir einen Erdstall gefunden haben.“