„80 Jahre Vertreibung“, sichtbar gemacht am Beispiel Furth im Wald

Achtzig Jahre nach der im Potsdamer Abkommen von 1945 vereinbarten „ordnungsgemäßen und humanen Überführung“ der Deutschen aus der Tschechoslowakei lädt die Stadt Furth im Wald gemeinsam mit dem Adalbert Stifter Verein, Post Bellum, Europe Direct Furth im Wald und Pamet národa am 19. und 20. Juni 2026 zur Veranstaltungsreihe „80 Jahre Vertreibung: Geschichte und Gegenwart“ ein. Das berichtet Kulturwissenschaftlerin Katharina Drescher-Seidl vom Kulturamt Furth im Wald.„In der Drachenstadt befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg eines der größten Durchgangslager Bayerns, das rund 750 000 Menschen durchliefen“, so Seidl. Die Veranstaltungsreihe erinnere an diese Geschichte und beleuchte ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart.
Stadtführungen, Erzählcafé, Workshops und vieles mehr
Das Programm umfasst demnach Schülerworkshops, Stadtführungen, Ausstellungen, Erzählcafés und eine grenzüberschreitende Zugfahrt nach Holýšov.

Eröffnet werde die Reihe am Freitag, 19. Juni, 17 Uhr in der Werkhalle 4 mit der Ausstellung: „Der Krieg endet nicht mit dem letzten Schuss“. Ein Höhepunkt sei die Podiumsdiskussion „Geschichte verschwindet nicht“ am Abend des selben Tages um 18.30 Uhr im Rathaussaal.
Das Grenzdurchgangslager existierte von 1946 bis 1957
In einem Pressetext des Stadtarchivs anlässlich einer Ausstellung im Landestormuseum aus dem Jahr 2022 heißt es dazu: „Das Grenzdurchgangslager Furth im Wald war von 1946 bis 1957 in Betrieb. Der erste Transport mit Vertriebenen traf am 25. Januar 1946 im Further Bahnhof ein. Er kam aus Budweis und war zugleich der erste Transport in der organisierten Ausweisungsaktion aus der damaligen Tschechoslowakei und aus Osteuropa. Formell aufgelöst wurde die Einrichtung – genauer gesagt ihr staatlicher Teil - im Oktober 1954.
Einige städtische Baracken dienten noch zwei Jahre lang als Wohnstätte für Vertriebene, weil seinerzeit der Neubau von Wohnungen in der Grenzstadt nicht schnell genug voran kam. Im Februar 1962 waren noch drei Baracken bewohnt – zwischenzeitlich auch von Einheimischen, die dort eingezogen waren.“

Zwei Tage volles Programm
Furth im Wald Die Veranstaltungsreihe „80 Jahre Vertreibung: Geschichte und Gegenwart“ ist mit zahlreichen interessanten Programmpunkten gespickt. Hier die Anküdigung der anstehenden Programmpunkte:
Freitag, 19. Juni:
Vormittags Workshops für Schüler aus Furth und Pilsen.
15 bis 16.30 Uhr: Stadtführung „Spuren von Vertreibung und Versöhnung“, Treffpunkt: Kreuzkirche
17 Uhr: Werkhalle 4, Furth im Wald, Vernissage der Outdoor-Ausstellung „Der Krieg endet nicht mit dem letzten Schuss“.
18.30 Uhr: Rathaussaal, Podiumsdiskussion „Geschichte verschwindet nicht“ mit Václav Bernard, Kathrin Freier-Maldoner, Alice Horácková und dem Landtagsabgeordneten (MdL) Jürgen Mistol. Die Begrüßung übernimmt Dr. Gerhard Hopp (MdL), die Moderation Dr. Zuzana Jürgens
Samstag, 20. Juni:
9.30 bis 11.30 Uhr: Werkhalle 4, Erzählcafé „Auf einen Kaffee am Grenzbahnhof Furth im Wald – von Abschied und Ankunft, vom Durchreisen und Stranden“
11.40 bis 16.20 Uhr: Furth im Wald – Domažlice – Holýšov: Begleitete Zugfahrt auf historischen Wegen der Vertriebenen
15 bis 16.30 Uhr: Stadtführung „Spuren von Vertreibung und Versöhnung“, Treffpunkt: Kreuzkirche.

16 bis 18 Uhr: Centrum Hindle, Domažlice, Erzählcafé „Hinüber und herüber – von Fortbewegung und Migration in der Grenzregion.“
Bereits ab 11. Juni bis zum 19. Juli findet im Landestormuseum eine begleitende Ausstellung „Vertriebene Kinder“ zur gleichnamigen Graphic Novel statt.