Regensburger Frührentner machte am Samstag 35 Euro mit dem Pfand der Dult-Vorglüher

Des einen Freud, des anderen Leid: So verhält es sich auch mit trinkfreudigen Besuchern der Regensburger Dult. Während ein Anwohner über Vandalismus klagt, freuen sich etwa Festwirte über den Umsatz, den ihnen ihre Gäste bescheren. Ein Frührentner hat nach der Maidult nun ein wenig mehr Geld in der Tasche.
Der flaschensammelnde Frührentner (Name der Redaktion bekannt) will anonym bleiben und hat es sich zur Aufgabe gemacht, vorglühenden Dultbesuchern die leeren Behältnisse abzunehmen, die sie nicht mit auf das Gelände nehmen dürfen. Ganz selbstlos tut er das natürlich nicht: Die leeren Flaschen wolle er zurückgeben und sich das Pfand dafür holen. 35 Euro, schätzte er am Samstag gegen 20.30 Uhr, werde er an diesem Tag auf diese Weise machen. Dazu hatte er so etwas wie die Regensburger Version der Terrakotta-Armee von Kaiser Qin gebaut: Weitestgehend nach Brauereien sortiert standen weit über einhundert leere Bierflaschen in Reih‘ und Glied auf dem Podest am Brückenkopf des Pfaffensteiner Stegs. Davor lagen einige Plastiksäcke, in denen PET-Flaschen und Blechdosen verstaut waren. Im Laufe des Samstags habe sich der Betonpfeiler satte drei Mal komplett mit Bierflaschen gefüllt, erklärte der Mann. Dieses Ensemble avancierte zu einem beliebten Fotomotiv.
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Aus Sicht der Polizei sei die Maidult ruhig und weitgehend störungsfrei verlaufen, erklärte Thomas Hasler von der Polizeiinspektion Nord am Ende der vergangenen Woche. Das Sicherheitskonzept habe sich bewährt. Während alkoholbedingter Streitigkeiten sei es zu mehreren Körperverletzungen gekommen. Bei einem Rauschgifteinsatz sei ein Mann mit verschiedenen verbotenen Substanzen angetroffen worden. Mehrere Personen konsumierten Haslers Ausführungen zufolge Cannabisprodukte im Außenbereich des Volksfestes. Zu Beschwerden wegen Ruhestörung sei es bislang nicht gekommen, hieß es am Sonntag in einer Pressemitteilung des Public Relations-Fachwirts Hans-Christian Wagner.

Mohammad Al Halaki habe mit seinem Sicherheitsdienst laut des Schreibens die Zufahrt geregelt. Er sei für die Platzsicherheit zuständig gewesen und habe Nachtwachen beigesteuert. Den Ablauf habe der Mann als reibungslos und vor allem als sicher bezeichnet.
Sicherheitsdienst bezeichnet Ablauf als reibungslos
Auch die Veranstalter ziehen in dieser Pressemitteilung positive Bilanz. „Wir freuen uns, dass die Regensburger Maidult weiterhin zu den stärksten Volksfesten in Bayern zählt und dem Namen Familiendult alle Ehre macht“, lässt sich Marktmeister Stephan Koppmann zitieren. Laut Arnd Bergmann, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Landesverbandes der Marktkaufleute und der Schausteller, sei die Maidult gut besucht und die Umsätze zufriedenstellend gewesen. „Über Ausstoßmengen wird bei den Regenburger Dulten ebenso nicht öffentlich bilanziert wie über die Besucherzahlen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Speziell an den Wochenenden habe es laut Festwirt Michael Hahn ausgelassene Partystimmung gegeben. „Volles Zelt, beste Stimmung, friedliches Feiern und dazu Kaiserwetter – ehrlicherweise: Viel besser geht’s kaum“, wird sein Kollege Alfred Glöckl zitiert.
Rund um den Dultplatz fällt die Bilanz zu dem Volksfest wesentlich durchwachsener aus. Entlang der Donauufer roch es am Samstagabend deutlich nach Urin und Erbrochenem. Zahlreiche Papiertaschentücher, Wein- und Schnapsflaschen lagen in den Büschen der Au.

Um dem zu entgehen, war etwa Anwohnerin Katrin Kaltofen in der vergangenen Woche gleich in den Urlaub gefahren. „Es ist schlimm“, sagte sie. Gisbert Waldhorst, ebenfalls Dult-Anwohner, hatte bis Samstagnachmittag noch den Eindruck gehabt, dass das Volksfest dieses mal ruhiger ausgefallen sei: „Nicht so laut, nicht so viel Gepöbel, keine Sachbeschädigung. Vor die Tür hat uns auch noch keiner gemacht. Kreischorgien im Karussell – alles weniger“, sagte er. Dann aber kam die Nacht zum Sonntag. „Heute Nacht haben sie Pflastersteine von einer Baustelle verschleppt und herumgeschmissen“, berichtete Waldhorst.
Auch die Wildbiesler-Stencils, die am Freitagmorgen in der Altstadt aufgetaucht waren, setzten sich kritische mit dem Geschehen rund um die Dult ausainander. Sie zeigten Rückansichten von Trachtlern, die sich nach unten blickend mit der einen Hand an der Mauer abzustützen und mit der anderen vor die Körpermitte zu greifen schienen. „Deutsches Kulturgut“, war auf einem weiteren Stück Papier daneben zu lesen. Das Regensburger Kollektiv Fußabdrücke reklamierte die Aktion für sich. Die Aktion sei als ironischer Kommentar zu verstehen, hieß es in einer Pressemitteilung des Kollektivs zum Thema. Und weiter: „Während auf der Maidult wieder ausgelassen geschunkelt, gegrölt und Maß um Maß Tradition gepflegt wird, haben wir uns einem oft übersehenen Brauchtum gewidmet: dem kollektiven Wildurinieren betrunkener Männer im öffentlichen Raum.“ Die Reaktionen auf diese Aktion seien hauptsächlich positiv ausgefallen, heißt es aus den Reihen des Kollektivs. Ein Lokal habe sogar darum gebeten, auch so einen Wildbiesler aus Papier verpasst zu bekommen.