Extreme Dürre rund um Regensburg: So wenig geregnet hat es zuletzt im Frühjahr 1883

Von Daniel Pfeifer · 30. Mai 2026 um 05:00

Niedriges Grundwasser, Waldbrandgefahr und Stress für die Landwirtschaft: Der Deutsche Wetterdienst misst im Raum Regensburg historisch niedrige Niederschläge. Seit Anfang März sind nur 39 Millimeter Regen gefallen. Früher lag der Durchschnitt in diesen drei Monaten bei 134 Millimetern. Naturschützer und Landwirte berichten, was das für gravierende Folgen für Tiere und Pflanzen hat.

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In den schweren Böden des südlichen Landkreises sieht man es am klarsten: Tiefe Furchen durchziehen den aufgeplatzten trockenen Boden zwischen bläulichgrünen und braun-welken Getreidehalmen. Blickt man gen Horizont, schwirrt die Luft. Nähert man sich schattigen Plätzchen zwischen den Feldern, etwa unter Bäumen, so scheucht man immer mal wieder ein Reh oder einen Hasen auf, die sich hier vor der sengenden Sonne schützen. Überall sieht man kleine Kanonen, die glitzernden Wasserschwaden zur Bewässerung auf Feldern verteilen.

Wer auch nur ein paar Stunden entlang der Felder, Wiesen und Dörfer entlanggeht, merkt: Das ist nicht normal für Mai. Und tatsächlich untermauern Zahlen von Wetterdienst und Umweltamt diese Vermutung: Im diesjährigen Frühjahr hat es so wenig geregnet wie zuletzt im Jahre 1883.

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Kaum Regen, große Hitze und niedriges Grundwasser rund um Regensburg

Aus wissenschaftlicher Sicht bestätigt die außergewöhnliche Trockenheit Guido Kugelmann vom Klimabüro München des Deutschen Wetterdienstes: „An der Wetterstation Regensburg wurde im Frühjahr (1. März bis 26. Mai) in den vergangenen 50 Jahren keine geringere Niederschlagshöhe als 39 mm registriert. Eine geringere Niederschlagshöhe trat zuletzt im gleichen Zeitraum im Jahr 1883 mit 35,1 mm auf.“ Ein Millimeter Niederschlagshöhe entspricht ungefähr einem Liter Regen pro Quadratmeter.

Auch die Grundwasserdaten des bayerischen Umweltamts sind nicht sonderlich rosig: Die meisten Messpunkte im Raum Regensburg mit Ausnahme von Bachmühle, Holzheim und Regenstauf sind auf einem sehr niedrigen Stand. Das Forstamt Regensburg sieht im Gebiet aktuell eine „große Waldbrandgefahr“ und fliegt täglich Beobachtungsmissionen vom Stützpunkt Regenstauf aus. Mindestens bis Samstag steht der Waldbrandindex dunkelrot auf der zweithöchsten Stufe 4.

Tropfen auf den heißen Boden: Eine künstliche Beregnung bei Wolfskofen im Landkreis Regensburg mit Blick auf die Walhalla - Foto: Daniel Pfeifer

Das so eine außergewöhnliche Trockenheit zur Gewohnheit werden kann, sorgt auch Naturschützer. „Das ist dramatisch“, schreibt die Regensburger Gruppe des Bundes Naturschutz in einer Pressemitteilung. Wald und Wiese würde ebenso leiden wie Vögel, Amphibien, Hase, Igel und Co. „Die Böden sind inzwischen steinhart und trocken; die Gewässer führen zum Teil sehr wenig Wasser. Durch den Klimawandel verstärken sich Extremwetterlagen“, heißt es weiter, verbunden mit dem Appell, den Kampf gegen den Klimawandel endlich wieder ernster zu nehmen.

„Der Fahrplan zur Treibhausgasreduktion der aktuellen Bundesregierung wurde erst diese Woche vom Expertenrat für Klimafragen für unzureichend erklärt“, heißt es weiter. Dabei nennt die Landkreis-Gruppe des Bundes Naturschutz explizit auch die Gefahr für Kulturpflanzen, also jegliche Arten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Denn für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet diese herausragende Dürre eine große Belastung.

Ein aufgeplatzter Boden bei Hellkofen im Landkreis Regensburg zwischen Getreide - Foto: Daniel Pfeifer

Landwirte: Pflanzen sind trotz Bewässerung am Limit

Kühle Temperaturen haben die negativen Effekte der Dürre auf Pflanzen bislang abgeschwächt, doch nun mit der Hitze kommen sie an ihr Limit. „Unsere Pflanzen haben seit längerer Zeit sehr viel Stress, sie sind einfach erschöpft“, sagt Bauer Thomas Scheuerer aus Hagelstadt. Bei Raps und Getreide sehe er mancherorts schon Mängel, gleichzeitig belasten hohe Beregnungskosten die Landwirte – künstlich bewässert wird zumeist mit Dieselaggregat.

„Früher hatten wir eine Beregnung als Sicherheit in der Hinterhand. Heute ist es Standard“, sagt Markus Hörner aus Pfatter. „Also diesen Klimawandel, diese Erwärmung, empfinde ich als sehr, sehr massiv.“ Ein wenig Trockenheit im Frühjahr sei aus Bauernsicht wünschenswert – aber nicht eine solche.

Für die Bauarbeiten zum Südostlink (im Bildhintergrund) wird örtlich Grundwasser gepumpt. - Foto: Daniel Pfeifer

„Die nächste Woche ist entscheidend. Wenn nix kommt, wirds ein Katastrophenjahr“, sagt der Pfatterer Kartoffelbauer Manfred Bayer. Er wolle nicht in Panik verfallen, dennoch seien Feldfrüchte wie Kartoffeln gerade in einer empfindlichen Phase. Zu viel Regen ist da ebenso schlecht wie zu wenig. Nun bleibt ihm nur, weiter zu bewässern und auf den Regen zu hoffen. „Der Landwirt lebt ja prinzipiell von der Hoffnung“, sagt er.

Doch wie nah sind wir dem erlösenden Regen? Guido Kugelmann vom Deutschen Wetterdienst prognostiziert: „Die nächsten Niederschläge können im Raum Regensburg mit einer geringen Wahrscheinlichkeit am Samstag, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit am Sonntag, erwartet werden.“ Ob das für die Pflanzenwelt mehr sein wird als ein Tropfen auf den heißen Boden, wird sich zeigen.

Georg Bayer beregnet ein Kartoffelfeld bei Pfatter: Bewässert wird generell nicht in der Mittags- und Nachmittagshitze. - Foto: Daniel Pfeifer