Wegen Gema-Ärger: Betreiber Olli Zilk aus dem Bayerwald drohte, seine Clubs zu schließen

„In eigener Sache“, beginnt ein Facebook-Post des popkulturell außergewöhnlich engagierten Betreibers von Clubs ins Viechtach (Landkreis Regen) und Bad Kötzting (Landkreis Cham) Olli Zilk, und er lässt nichts Gutes ahnen. Wenn er einmal mit der Kulturarbeit aufhöre, schreibt Zilk, „dann wegen der Gema“.
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte treibt Gebühren von Radio und TV bis Kindergärten, Discos bis Trachtenvereinen für Nutzungsrechte ein, um sie an Komponisten, Textdichter und Musikverlage weiterzureichen.
Mit zwei Clubs, dem Bahnhof Kötzting und dem Alten Spital in Viechtach, ist Zilk Dauerkunde bei der Gema. Für jeden Auftritt einer Band oder Solistin schickt er Angaben zu Besuchern, Einnahmen und den aufgeführten Werken. Daraus wird dann, nach Abzug von Gage und Kosten der Gema-Anteil errechnet. Meist ist das ein kleiner Prozentanteil.
Zwölf Gäste beim Jazzkonzert, aber Kosten bleiben
Wenn allerdings wenig Besucher zu einer Veranstaltung kommen und nichts hängen bleibt, wird eine Mindestgebühr von knapp 30 Euro fällig. Bei den Konzerten von Zilk ist das öfter der Fall, wie er in einem Telefoninterview erzählt. „Auf dem Land ist es generell schwieriger, genügend Leute zu erreichen“, führt er als Begründung an. „Zudem mache ich Kulturarbeit, veranstalte auch Jazzkonzerte zu denen vielleicht zwölf Leute kommen und buche zudem wenig bekannte und Nachwuchsbands, die noch keine Fanbase haben.“ Daher zahle er oft drauf. Komme dann noch die Gema hinzu, ergebe sich „ein Ungleichgewicht, denn ich zahle doch schon für die Musik“. Auch bürokratisch fühlte er sich durch die Gema belastet, hatte „oft schlaflose Nächte“.
Deshalb warte er, schreibt Zilk im Post weiter, „seit fünf Monaten auf ein Gespräch mit denen“. Weil er aber „nur schlecht ausgebildete Fußsoldaten“ und keine kompetente Ansprechperson erreicht hatte, „buche ich für 2027 keine Konzerte mehr“.
Kein Rückruf von der Gema
Auch sei trotz vielfacher Bitten über die Homepage und E-Mails nie ein Rückruf erfolgt, obwohl ein solcher versprochen wird. Ein User schlug Zilk vor, sich an den bayerischen Popkultur-Verband (VPBay) zu wenden. Dessen Intervention führte, wie VPBay- Geschäftsführer Andreas Jäger bestätigte, einige Zeit später zum Rückruf einer Gema-Mitarbeiterin bei Zilk. In einem längeren Gespräch konnte Einiges geklärt werden, darunter auch höhere Nachforderungen und Strafgebühren aufgrund verspäteter Meldungen.
Künftig kann Zilk die Meldungen monatlich zusammenfassen und muss nicht „bei vier bis sechs Konzertterminen in der Woche mit Massen an Mails“ den Vorgaben ständig hinterherhecheln. An der Mindestgebühr allerdings ändert sich aufgrund der festen Tarifstruktur der Gema nichts. „Ich frage mich“, meint Zilk dazu, „warum nicht bei allen Konzerten der gleiche Prozentanteil gelten kann“. Es mache die Arbeit mit Newcomern total schwierig, „wenn die Gema jedes Mal voll hinlangt“.
Inzwischen bucht Zilk wieder
Schwierigkeiten fachlich versierte Mitarbeitende der Gema direkt zu erreichen, bestätigt auch Matthias „Säm“ Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz mit Sitz in Regensburg. Seit diese auf Callcenter umgestellt habe, laufe alles nach Schema. Auf spezifische Bedürfnisse und örtliche Besonderheiten könne dabei kaum eingegangen werden. Wagner, der Zilk gut kennt und häufig Konzerte in seinen Clubs besucht, hofft, „dass sich dieser dennoch nicht unterkriegen lässt und weiterhin für den ländlichen Raum ein so fantastisches Programm anbietet“. Inzwischen bucht Zilk bereits wieder fleißig Bands und Solisten – auch für 2027.
Das aktuelle Kulturprogramm finden Sie auf der Seite ollizilk.de