Umfrage zum Einzelhandel in Innenstädten: Was lockt uns noch in die Altstadt nach Regensburg?

Von Heike Haala · 31. Mai 2026 um 05:00

Was bringt Menschen in Zeiten des Online-Handels dazu, in die Innenstadt zu fahren? Was sorgt dafür, dass sie dort länger verweilen und häufiger wiederkommen? Dies waren die Leitfragen einer Erhebung von Faire, einem Online-Großhandelsmarktplatz, der Marken und Designer mit lokalen Einzelhändlern zusammenbringen möchte. Die Ergebnisse dieser Umfrage lassen sich auf die Altstadt übertragen, sagen zwei Regensburger Handelsexperten. Wird sie den Bedürfnissen gerecht?

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Laut einer Pressemitteilung von Faire ist die Umfrage repräsentativ. 2000 deutsche Verbraucher seien dafür vom Marktforschungs- und Datenanalyse-Unternehmen YouGov befragt worden. Zentrales Ergebnis sei, dass die Atmosphäre in den Läden und soziale Erlebnisse den Einkaufstrip für viele erst lohnenswert machen sollen.

Warum wir ein Geschäft häufiger besuchen

43 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sagten laut der Umfrage, dass sie Treffen mit Freunden zu einem Innenstadtbesuch motivieren würden. Sonderangebote seien altersübergreifend seltener ein Shopping-Anlass. Weiter sei es den Kunden wichtig, nicht lediglich einzukaufen, sondern dies auf Einkaufsmeilen und in Innenstädten tun zu können, die sich lebendig anfühlen. 44 Prozent der Befragten haben laut Faire angegeben, dann länger zu bleiben. In diesem Fall häufiger wiederzukommen, sei von 43 Prozent der Teilnehmer angegeben worden. 40 Prozent würden so auch mehr Geschäfte besuchen.

Entscheidend für das Gefühl, in einer lebendigen Innenstadt zu sein, seien für 63 Prozent Cafés und Orte zum Verweilen, für 40 Prozent der Umfrageteilnehmer seien einzigartige und unabhängige Läden wichtig sowie für 46 Prozent eine besondere Atmosphäre in den Geschäften. Große Marken und Sonderangebote sind laut dem Schreiben weniger relevant, persönliche Beratung und menschliche Interaktion mehr von Bedeutung als klassische Rabattaktionen.

„Viele inhabergeführte Betriebe in Regensburg leisten genau das bereits mit großem Engagement“, sagt Maria Müller, Geschäftsführerin beim Verein Faszination Altstadt, zu dem sich Gewerbetreibende zusammengeschlossen haben. Deswegen deckten sich die Ergebnisse der Studie in vielen Punkten mit den Beobachtungen, die sie selbst in Regensburg gemacht habe. Josef Ebnet von der Industrie- und Handelskammer für die Oberpfalz und Kelheim (IHK) bestätigt: „Innenstädte werden heute deutlich stärker als Erlebnis- und Aufenthaltsorte wahrgenommen – der reine Einkauf tritt zunehmend in den Hintergrund.“

Ist die Regensburger Altstadt lebendig genug für Kunden?

Die Regensburger Altstadt profitiere hinsichtlich dieser Entwicklung von ihrer historischen Kulisse, der hohen Aufenthaltsqualität sowie der Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Freizeitangeboten, sagt er. „Dieses Gesamtpaket sorgt bereits heute für eine vergleichsweise lebendige Innenstadt“, erklärt der Einzelhandelsexperte weiter.

Dennoch gibt es für Ebnet auch Bereiche, in denen die Innenstadt noch lebendiger werden könnte. Wichtig dabei seien attraktive öffentliche Räume, mehr Aufenthaltsqualität und Erlebnisanlässe wie Veranstaltungen, Märkte oder kleinere Events. „Ebenso spielen Themen wie Sauberkeit, Sicherheit, Begrünung und Klimaanpassung eine immer größere Rolle für die Wahrnehmung der Innenstadt“, verdeutlicht der IHK-Experte. Müller von Faszination Altstadt bringt zudem gute Erreichbarkeit ins Spiel.

In der Pflicht sehen beide mehrere Akteure. „Eine lebendige Innenstadt entsteht deshalb nicht allein durch die Stadt oder einzelne Institutionen, sondern durch das Zusammenspiel vieler Akteure: engagierte Händler, Gastronomie, Kultur, Eigentümer, Netzwerke und Politik“, zählt Müller auf. Laut Ebnet muss sich der Handel selbst zunehmend als Teil eines ganzheitlichen Innenstadterlebnisses verstehen. Gleichzeitig sei aber auch die Stadt gefragt, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, ergänzt er. Das geplante Beschattungsprojekt am Neupfarrplatz oder die Neugestaltung der Obermünsterstraße nennt er als Beispiele für Impulse, die in diesem Sinne angestoßen worden seien.