„Herzsach“ statt „Himmelreich“: Im Neunburger Fotostudio gab es einen Wechsel

Von Jan Lange · 28. Mai 2026 um 15:00

Die Stadt Neunburg hat eine neue Fotografin: Stefanie Wutz hat in der Hauptstraße 42 ihre Fotowerkstatt „Herzsach“ eröffnet. Sie füllt damit Räume, in denen schon vorher Kameras geklickt haben. Ein gemeinsames Projekt mit der bisherigen Neunburger Fotografin Eveline Kaltenegger ebnete dafür den Weg.

Im vorigen Jahr hatte Eveline Kaltenegger als Festfotografin das 140. Jubiläum der Feuerwehr Pillmersried (Stadt Rötz) bildlich verewigt. Für das viertägige Fest suchte die Hillstetterin, die seit 2020 in der Neunburger Hauptstraße das Fotostudio Himmelreich Photo Art betrieben hat, Unterstützung. Eine Helferin fand sie in Stefanie Wutz. Die hat sich schon seit Jahren der Fotografie verschrieben. Nach dem Feuerwehr-Jubiläum blieben die beiden Frauen in Kontakt. Als vor einigen Wochen feststand, dass Eveline Kaltenegger mit ihrem Fotostudio nach Rötz umziehen wird, fragte sie Stefanie Wutz, ob sie die Ladenräume in Neunburg mieten wolle.

Familie fand, dass sie die Chance nutzen sollte

Bevor sich die 34-Jährige entschied, sprach sie sich mit ihrer Familie ab. Wenn man diese Chance habe, sollte man sie nutzen, lautete deren Meinung. Und so wagte Stefanie Wutz den Schritt und eröffnete ihr eigenes Fotostudio.

Fotografieren habe ihr schon immer Spaß gemacht, sagt die 34-Jährige, die in Kleinwinklarn aufgewachsen ist, einige Zeit in Rötz gewohnt hat und im vergangenen Jahr mit ihrer Familie wieder nach Kleinwinklarn zurückgekehrt ist. „Andere gehen einfach weiter, wenn sie einen Schmetterling sehen“, meint Stefanie Wutz. „Ich sehe etwas Besonderes darin.“

Im Sommer stehe sie gern mal frühmorgens um vier oder fünf Uhr auf, um den Sonnenaufgang zu sehen und zu fotografieren. Auch an einem blühenden Feld oder einer leuchtend grünen Wiese kommt sie oft nicht vorbei, ohne davon ein Foto gemacht zu haben. Wenn sie unterwegs ist, hat sie meistens ihre Kamera dabei – denn oft entstehen schöne Motive zufällig. Und selbst wenn der Fotoapparat mal zuhause liegen sollte, dann hält sie das spontan entdeckte Motiv einfach mit dem eigenen Handy fest.

Vor sieben Jahren habe sie hobbymäßig mit dem Fotografieren angefangen, erzählt Stefanie Wutz. Seit 2022 sei diese Arbeit immer professioneller geworden. Sie lichtete Pärchen ab oder fotografierte bei Hochzeiten und Kommunionen. Ein beliebtes Fotomotiv waren auch Tiere, da sie selbst im Hundesport aktiv ist.

Fotografin war sie bisher nur nebenberuflich

Ursprünglich hatte sie auch beruflich mit Tieren zu tun: Sie hatte eine Ausbildung zur Pferdewirtin gemacht. Später war sie in einem Betrieb für Metzgereibedarf im Norden des Landkreises Schwandorf beschäftigt. Tätig war sie dort im Lager und im Verkauf. Das Fotografieren hatte sie als Kleingewerbe bis jetzt nebenberuflich betrieben.

Die am Tag entstandenen Fotos wurden dann am Abend am Computer zuhause bearbeitet und entwickelt – meistens dann, wenn die eigenen Kinder schon im Bett waren.

Stadtpfarrer Stefan Wagner (r.) und 2. Bürgermeister Harald Klatzka (l.) stießen mit Stefanie Wutz auf die Neueröffnung an. - Foto: Wutz

Nun ist sie noch einen Schritt weiter gegangen und hat ein eigenes Fotostudio eingerichtet. Von ihrer Vorgängerin, Eveline Kaltenegger, konnte sie auch einen Teil der Ausstattung übernehmen. „So musste ich nicht komplett von Null anfangen“, meint Wutz. Vier Tage in der Woche (Dienstag bis Freitag) ist sie vormittags und drei Tage (Mittwoch bis Freitag) auch nachmittags im Fotostudio – vorausgesetzt es gibt nicht gerade einen Fotoshooting-Außentermin.

Auch wenn sie nun ihr eigenes Fotostudio betreibt, will sie weiterhin viel im Freien fotografieren. Sollte das Wetter mal nicht dafür geeignet sein, könne sie immer noch ins Fotostudio ausweichen. Stefanie Wutz will weiterhin alle Bereiche anbieten – von Porträtshooting über Familienfotos bis hin zur Tierfotografie.

Eines könne sie aber noch nicht anbieten: elektronische Passbilder, wie sie seit einigen Monaten von den Behörden gefordert werden. Die Nachfrage nach elektronischen Passbildern sei zwar groß, aber die Investitionen in die entsprechende Technik auch kostenintensiv. Und so muss Stefanie Wutz diese Kunden vorerst noch weiterschicken. Die nächsten privaten Fotografen, die ein entsprechendes Angebot haben, finde man in Oberviechtach und im dm-Markt in Schwandorf, weiß die 34-Jährige. Sie kann sich aber vorstellen, dies später mal anzubieten.

Freunde hatten den Namen Herzsach vorgeschlagen

Doch auch wenn sie bislang keine elektronischen Passbilder machen kann, sei ihr Fotostudio in den ersten Tagen nach der Neueröffnung gut angenommen worden, erzählt die Neunburger Fotografin. Sie hofft, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Den Segen des Neunburger Stadtpfarrers Stefan Wagner hat sie zur Eröffnung auf jeden Fall erhalten. Vonseiten der Stadt Neunburg war der frischgewählte 2. Bürgermeister Harald Klatzka (CSU) anwesend und überbrachte der Jung-Unternehmerin die besten Wünsche.

Im Rathaus ist man froh über den Schritt von Stefanie Wutz, denn nach den zahlreichen Geschäftsschließungen in den vergangenen Monaten – vor allem auch in der Neunburger Hauptstraße – ist die Eröffnung der Fotowerkstatt Herzsach endlich mal wieder eine positive Meldung. Und die Fotografin selbst ist voller Leidenschaft für ihren Beruf. Es sei „die schönste Arbeit“, die man machen könne, steht für die 34-Jährige fest. Das wird auch durch den Namen ihrer Fotowerkstatt deutlich: „Herzsach“ (Herzenssache).