Bürgermeister Alois Heitzer: Arnschwang steht vor großen Herausforderungen

Gerade ist Alois Heitzer (CSU) zum Bürgermeister von Arnschwang (Landkreis Cham) gewählt worden. Noch befindet er sich, wie er sagt, in der Phase des Zuhörens. Doch auch wenn die Gemeinde wirtschaftlich gut aufgestellt ist, es gibt große Herausforderungen, die es sofort anzupacken gilt.
Kommunalpolitisch ist Heitzer ein alter Hase. Von 2002 bis 2008 saß er im Gemeinderat und seit 2014 bis zu seiner Wahl zum Rathauschef im März ebenfalls. Was sofort auffällt ist seine Gelassenheit, man kann sagen, er ruht in sich. „Ja“, bestätigt der 63-Jährige, „ich bin angekommen.“ Beruflich hat er als Abteilungsleiter bei Siemens alles erreicht, ist im Auftrag seines Unternehmens in China, Mexiko und vielen anderen Ecken der Welt unterwegs gewesen.
Politik und das Archiv sind Heitzers Steckenpferde
Dabei hat er gelernt, dass es wichtig ist, mit allen Menschen zu kooperieren und sie mit Respekt zu behandeln. Warum tut es sich der Vater von zwei erwachsenen Töchtern nach einem so erfüllten Berufsleben an, noch einmal voll in die Kommunalpolitik einzusteigen? „Ich war schon immer politisch interessiert“, sagt er. Außerdem hat er jetzt die Zeit dazu. Er befindet sich noch in Altersteilzeit, ab Juni ist er im Ruhestand angekommen. Genau dafür wird ihm allerdings nicht viel Zeit bleiben.
In Arnschwang, man mag es kaum glauben, hakt es an der einen oder anderen Stelle massiv. Ein Problem, dass man mit vielen anderen Kommunen teilt, sind die Kosten für die Vorbereitung der offenen Ganztagsschule, die spätestens ab dem kommenden Jahr obligatorisch ist. An der Grundschule, die in der Heimat des Waldschrazels noch vierstufig ist, sind bauliche Veränderungen vorzunehmen. Man braucht eine Mensa und Raum für Spielzeit. Bis Ende des Jahres soll da ein Konzept ausgearbeitet sein. Direkt mit dem Thema verknüpft ist der demografische Wandel, der Arnschwang im Schwitzkasten hat. „Wir haben in den letzten 15 Jahren kein einziges Baugebiet ausgewiesen.“ Die Folge: Es hat drei Jahre mit nur jeweils 14 Geburten gegeben. Das kann und wird sich auch auf die Schule auswirken. Derzeit drücken dort noch knapp 100 Kinder die Schulbank. Werden es immer weniger, könnte man die Vierzügigkeit verlieren, dann würden die erste und die zweite sowie die dritte und die vierte Klasse zusammengelegt.
Doch es ist kein Platz für ein Baugebiet in Sicht. Eine Möglichkeit ist die alte Hofstelle in der Zenchinger Straße. Die Immobilie gehört der Gemeinde. Derzeit wird überlegt, wie dort Wohnraum geschaffen werden kann. Geschieht das nicht, können die Arnschwanger weiter zusehen, wie junge Familien in Nachbargemeinden abwandern. Auch der Klimawandel, beziehungsweise die Folgen, treiben Heitzer um. Im Außenbereich wird bei einigen Häusern das Wasser knapp. Es besteht mancherorts kein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung und die Hausbrunnen geben nicht mehr genug her. Der Rathauschef findet, man kann nicht einerseits bis in den letzten Winkel Glasfaser verlegen und dann andererseits, die Wasserversorgung vernachlässigen.
Allerdings sind die Investitionen hoch und für den Neubau von Leitungen gibt es derzeit keine staatliche Förderung. Für die Sanierung des Leitungssystems allerdings schon. Auch da ist der Bedarf groß, rund 800 000 Euro werden benötigt, schätzt der Arnschwanger Rathauschef. Wirtschaftlich steht Arnschwang gut da, keine Frage, die Infrastruktur passt: Straßen sind gemacht, es gibt ein großes Gewerbegebiet, einen Nahversorger, das Radlcafe, Ärzte und Apotheke, Kindergarten, Seniorenwohngemeinschaft und einiges mehr, was Lebensqualität bringt. „Wir haben eine gute wirtschaftliche Basis, aber die gilt es jetzt klug umzusetzen, sonst verspielen wir die Zukunft.“
Die ganze Kraft für das Amt einsetzen
Zuversichtlich ist er, weil er eine funktionierende Verwaltung vorgefunden hat. Der Bauhof wisse, was zu tun ist und alle 20 Mitarbeiter in der Gemeinde sind hoch motiviert. So wie Heitzer selbst. „Ich kann ganz für die Gemeinde da sein.“ Seit vielen Jahrzehnten hat jeder Arnschwanger Bürgermeister noch einen Hauptberuf gehabt. Heitzer kann sich dem Amt wieder ganz widmen und versteht es als Vollzeitjob. Sein großes Ziel ist es dabei, alle ins Boot zu holen, das gilt für das Fahrradmuseum, die Pfarreien, das Gewerbe, die Gastronomie, eben für alle, die „gemeinsam zum Wohle Arnschwangs arbeiten wollen.“ Angst vor dem Diskurs hat er dabei nicht. Im Gegenteil, er will auch die kritischen Stimmen hören. Da ist sie wieder, die Gelassenheit.
Wenn er sich Zeit für sich selbst nimmt, dann setzt er sich gerne aufs Rad. Auch die Arbeit Gemeindearchiv hat ihm immer viel Freude bereitet. Wenn es möglich ist, würde er dort gerne weitermachen. Doch sein Hauptaugenmerk gilt ganz klar Arnschwang, denn: „Ich habe nur sechs Jahre Zeit, wo anderen Bürgermeistern 18 Jahre bleiben.“ Was er damit sagen will: Das ist definitiv seine erste und zugleich letzte Amtsperiode.