Wegen Rückzug des BRK: Altkleidersammlung im Kreis Schwandorf sortiert sich neu

Von Philipp Breu, Hubert Heinzl · 27. Mai 2026 um 19:00

Die Altkleidersammlung im Kreis Schwandorf steht vor einem grundlegenden Wandel. Der BRK-Kreisverband zieht sich noch im Mai als Dienstleister vollständig zurück und baut sämtliche Container ab. Der Landkreis Schwandorf springt in die Bresche und stockt dafür die Ressourcen für gebrauchte Kleidung an den Recyclinghöfen auf. Die Kolpingsfamilien wollen unterdessen an den zwei Sammlungen pro Jahr und bis auf weiteres auch an den Containern festhalten. Ein Überblick.

Lange Jahre war vor allem der BRK-Kreisverband Schwandorf bei der Altkleidersammlung aktiv. Entleert wurden die Container durch die ehrenamtlichen Rot-Kreuz-Gemeinschaften vor Ort, vermarktet durch spezialisierte Unternehmen. Doch nachdem die Erlöse für Alttextilien in den vergangenen Monaten zunehmend in den Keller gingen, ist damit nun Schluss: Wie stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer Joachim Seeliger auf Anfrage der Mittelbayerischen informierte, hat der Vertragspartner, mit dem das BRK zuletzt kooperierte, die Zusammenarbeit zum 31. Mai dieses Jahres aufgekündigt.

Eine „tragfähige Alternative für die Logistik und Verwertung der Alttextilien“ habe sich nicht gefunden. Die Container, die Eigentum des Verwerters seien, müssten daher bis Ende Mai abgebaut werden. Der Landkreis Schwandorf sei darüber informiert worden, so Seeliger. Zuletzt gab es nach seinen Angaben noch rund 50 Sammelbehälter an den Standorten Bruck, Oberviechtach, Schmidgaden, Schönsee, Schwarzenfeld und Wernberg-Köblitz.

Dass sich die Lage absehbar ändern und das Rote Kreuz wieder in die Textilsammlungen einsteigen könnte, schließt Seeliger zwar nicht aus, zeigt sich aber skeptisch. Denn aufgrund der geopolitischen Lage seien die ehrenamtlichen helfer des BRK zunehmend im Zivil- und Katastrophenschutz gefordert. Dies müsse „bei einer Entspannung der Lage im Alttextilsektor“ berücksichtigt werden.

Der Landkreis Schwandorf, grundsätzlich zuständig für die Abfallentsorgung, hat schon im vergangenen Jahr auf den Preisverfall auf dem Markt für Altkleidung und den Teilrückzug eines Verwerters reagiert. Laut Pressesprecher Manuel Lischka hat man „gegengesteuert und entweder die Anzahl der Container an den Recyclinghöfen erhöht oder auch auf öffentlich zugänglichen Plätzen Container aufstellen lassen“. Derzeit liefen Abstimmungsgespräche mit den betroffenen Kommunen Bodenwöhr, Bruck, Dieterskirchen, Fensterbach, Neunburg, Nittenau, Oberviechtach, Schmidgaden, Schwarzenfeld, Thanstein, Wernberg-Köblitz und den Verwaltungsgemeinschaften Oberviechtach und Schönsee.

Der Landkreis will die Kapazitäten für die Annahme gebrauchter Kleidung an den Recyclinghöfen erhöhen. - Foto: Jan Lange

Vorrangig will der Landkreis Lischka zufolge die Kapazitäten an den Recyclinghöfen aufstocken. Wenn Märkte und Gemeinden alternative Standorte benennen, soll aber auch dies berücksichtigt werden. Umgekehrt behält es sich der Landkreis nach den Worten des Pressesprechers vor, bestehende Standorte auch wieder aufzugeben, „sollten anhaltend schlechte Qualität und falsches Sammelverhalten dies rechtfertigen“. Die Zahl der Sammelstellen soll Lischka zufolge kontinuierlich mit dem tatsächlichen Bedarf abgeglichen werden: „Wir stehen in ständigem Austausch mit unserem Verwerter und können auch immer nachjustieren.“ Derzeit werden die Altkleider-Container von der FWS GmbH mit Sitz in Bremen über einen Subunternehmer in 14-tägigem Rhythmus geleert – bei besonderem Bedarf auch außer der Reihe.

„In die Altkleider-Container gehören ausschließlich noch intakte und verwertbare Kleidungsstücke. Verdreckte oder zerschlissene Kleidung muss über den Restmüll entsorgt werden.“Manuel Lischka, Pressesprecher am Landratsamt Schwandorf

Den Preisverfall auf dem Altkleidersektor sehen auch die Kolpingsfamilien mit Sorge. Mit dem Erlös aus ihren Sammelaktionen und Containern unterstützen sie seit langen Jahren soziale Projekte. Und bis auf weiteres soll sich an dieser liebgewordenen Tradition auch nichts ändern, wie Hans Pronath, der Vorsitzende des Kolping-Bezirksverbands Schwandorf, versichert. Konkret bedeutet dies, dass auch künftig zweimal jährlich Altkleidersammlungen der einzelnen Kolpingsfamilien stattfinden sollen. Und auch an den vorhandenen Altkleider-Containern, die vier der sieben Kolpingsfamilien betreiben, will man bis auf weiteres festhalten. Bei der Verwertung gebe es „aktuell immer noch eine Abnahmevereinbarung“mit Wittmann Recycling, dem langjährigen Partner von Kolping bei der Verwertung.

Damit die Altkleidersammlung auch künftig eine Perspektive hat, kommt es laut Pronath zunehmend darauf an, „qualitativ hochwertige Kleidung zu sammeln, für die es immer noch einen Absatzmarkt gibt“. Da trifft er sich mit Landkreis-Sprecher Manuel Lischka. Der wird nicht müde zu betonen: „In die Altkleider-Container gehören ausschließlich noch intakte und verwertbare Kleidungsstücke. Verdreckte oder zerschlissene Kleidung muss über den Restmüll entsorgt werden.“