Sie lebt in Frieden, ihre Mutter in Angst: Berchingerin kämpft für ihre Heimat Mosambik

Ana Paula Chissano-Ameismeier wohnt seit über 20 Jahren im friedlichen Berching (Landkreis Neumarkt). In ihrer Heimat Mosambik dagegen werden Menschen erschossen, die Kritik an der Regierung äußern. Warum sich auch die 57-Jährige in der Oppositionspartei Anamola einbringt, obwohl sie damit ihre Mama in Gefahr bringt, erzählt die Berchingerin.
Ana Paula Chissano-Ameismeier hat ihr Glück gefunden. Mit ihrem Mann Gerd wohnt die 57-Jährige seit über 20 Jahren in Berching. In Frieden. In ihrem Heimatland Mosambik dagegen sieht die Welt anders aus. Dort werden Menschen erschossen, die sich negativ über die Regierung äußern, erzählt Chissano-Ameismeier. Ein Zustand, den die Mosambikanerin nicht akzeptieren kann.
Ana Paula Chissano-Ameismeier ist Mitglieder der Partei Anamola
Deshalb setzt sie sich für Frieden in ihrem Heimatland ein. Chissano-Ameismeier ist Mitglied bei Anamola. So lautet eine Oppositionspartei in Mosambik, die sich dort seit 2024 für Frieden, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einsetzt.
Mitglieder von Anamola kritisieren die Regierung in Mosambik, insbesondere weil dort Menschen unschuldig sterben müssen. „In Mosambik wird ohne Rücksicht auf Verluste gemordet“, sagt Antonio Simbine, der Generalkoodinator der Bewegung Anamola.
Simbine stammt aus Mosambik, lebt aber schon lange in Deutschland, aktuell in Düsseldorf. Er erzählt, dass ein Koordinator der Partei in Mosambik erschossen worden sei – weil er Teil von Anamola ist.
Das hält aber weder Simbine noch Chissano-Ameismeier davon ab, sich von Deutschland aus für ihr Heimatland bei Anamola einzusetzen. „Uns geht es in Deutschland gut. Wir müssten eigentlich gar nichts machen. Aber wir müssen unsere Stimme erheben, weil es wehtut, wenn Menschen so behandelt werden“, sagt Simbine.
Mosambikaner trafen sich im Hotel Post in Berching
Seit zwei Jahren ist Chissano-Ameismeier von Deutschland aus für die Finanzen von Anamola zuständig. Sie versucht, Geld zu organisieren, um die Partei zu unterstützen, etwa durch Spendenverkäufe.
Zuletzt kamen rund 80 Mosambikaner aus ganz Deutschland in Berching zusammen, um Koordinatoren der Partei offiziell in ihr Amt einzuführen. Die Koordinatoren kümmern sich in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Portugal um die Geschicke der Oppositionspartei in Mosambik.
Das Treffen fand im Hotel Post statt, weil Chissano-Ameismeier in Berching lebt. Seit über 20 Jahren. 2004 war sie das erste Mal in Berching zu Besuch. Deutschland kannte sie von ihrer Zeit als Vertragsarbeiterin in der DDR.
Die Deutsche Demokratische Republik hatte von 1979 bis 1989 ein Abkommen mit dem Staat aus Südostafrika. Die DDR erhielt günstige Arbeitskräfte, im Gegenzug erließ die DDR Mosambik Schulden für Waffen- und Warenlieferungen, die das arme Land sonst nicht hätte begleichen können.
In Mosambik wird ohne Rücksicht auf Verluste gemordet.Antonio Simbine
Und als Chissano-Ameismeier 2004 ein Visum für 90 Tage in Deutschland hatte, traf sie eines Tages den damals 30-jährigen Gerd Ameismeier in einer Kneipe in Berching. Da sich beide auf Anhieb gut verstanden haben, verbrachten sie mehr Zeit miteinander. Es folgten die Hochzeit im Juli 2005 und Chissano-Ameismeiers Umzug nach Berching.
Fünf Mosambikaner leben in Berching, zehn im Landkreis Neumarkt
Heute sind die 57-Jährige und der 53-Jährige glücklich verheiratet. Beide arbeiten bei der Firma Schabmüller. Chissano-Ameismeier freut sich, in Berching zu leben. Laut Einwohnermeldeamt der Stadt Berching sind in der Großgemeinde fünf Mosambikaner registriert, zudem zwei Personen mit deutsch-mosambikanischer Staatsbürgerschaft. Im Landkreis Neumarkt leben nach Angaben des Landratsamts insgesamt zehn Personen, die ausschließlich die mosambikanische Staatsbürgerschaft haben.
Nur mit Bodyguards auf die Straßen Mosambiks
In Berching genießt Chissano-Ameismeier vor allem die Ruhe. „Aber ich würde gerne öfter zu meiner Mama fliegen.“ Doch das sei für sie sehr gefährlich. Weil sie sich bei Anamola einsetzt, sei ihr Name in Mosambik bekannt. Deshalb lässt sie ihre 78-jährige Mutter von einem Bodyguard schützen.
Auch als Gerd Ameismeier vor zehn Jahren das letzte Mal in Mosambik war, traute sich die Gruppe nur mit Leibwächtern außer Haus. Dadurch, dass die Spanne zwischen Arm und Reich so groß sei, komme es zu Gewalt. Dass Menschen grundlos ermordet werden, will Chissano-Ameismeier verhindern – auch wenn es ein harter Kampf ist.