SPD Furth im Wald trifft sich nach Wahl zum Wunden lecken und sucht Wege aus der Krise

Von Alexander Frimberger · 26. Mai 2026 um 05:00

Nur noch einen Sitz im Stadtrat, Fraktionsstatus verloren: Die Further SPD steckt in der Krise, deren Ortsvorsitzende Silke Schell ist ratlos. Jetzt haben sich die Drachenstadt-Genossen im Gasthaus Fellner getroffen und auf Spurensuche begeben. Vor allem Urgestein Sigi Ehrnböck fand deutliche Worte – auch in Richtung Ämtervergabe im neu gewählten Gremium.

Zunächst bedankte sich Schell bei allen Kandidaten für die Unterstützung.

Die Wahlkampfzeiten sind heute härter

Es sei nicht mehr so einfach, seine Person im Wahlkampf zur Verfügung zu stellen. Um so mehr hat sie das Wahlergebnis getroffen: „Ich bin tief enttäuscht, dass wir keinen zweiten Sitz mehr haben.“ Das würde das „rote“ Engagement der letzten sechs Jahre nicht widerspiegeln. „Wir waren immer da und haben uns eingebracht.“

Vier Wochen habe sie den Kopf in den Sand gesteckt und wollte Nichts und Niemanden sehen. „Inzwischen“, sagt die Ortsvorsitzende, „kann ich wieder lachen.“ Doch immer noch treibt sie die Frage nach dem Warum. Auch von Außen sei ihr immer wieder bestätigt worden, man habe eine gute Kandidatenliste und ein tolles Programm. „Ich weiß nicht, wo der Fehler lag, was wir hätten besser machen können.“

Ein möglicher Grund war schnell gefunden. Kai-Uwe Müller: Politik werde von oben nach unten projiziert. Das Ansehen der Bundes-SPD haben den Genossen vor Ort geschadet. So sah das auch Co-Kreisvorsitzende Monika Friedl: „Das war der erste Kommunalwahlkampf, bei dem man gesehen hat, dass die Bundespolitik uns abgestraft hat.“ Das sei bei der Wahl vor sechs Jahren und auch bei der letzten Landtagswahl nicht so gewesen.

Wera Müller hat außerdem Platz fünf auf der Vorschlagsliste als Problem ausgemacht. Bis die Leute dort angelangt seien, hätten sie die meisten Stimmen schon vergeben. Jennifer Dietl, die den Sprung in den Stadtrat nicht mehr geschafft hat, warf die Frage auf, ob man sich in Zukunft für Personen öffnen müsse, die nicht der Partei angehören.

Kreisvorsitzender Steve Brachwitz, der auch Mitglied im Landesvorstand ist, berichtete von einer Gesprächsrunde mit allen gewählten Rathauschefs. Die hätten ohne Ausnahme einen Personenwahlkampf geführt und die Partei in den Hintergrund gerückt. Für die Zukunft forderte er: „Wir müssen aus der Deckung herauskommen und unsere Galionsfiguren präsentieren.“

Ehrenvorsitzender Hans-Jürgen Bernhardt bescheinigte Schell, sie habe einen super Wahlkampf gemacht. Auch er fand: „Der reine Name SPD ist nicht gut angekommen.“ Man solle sich jetzt aber nicht entmutigen lassen und weiterkämpfen und durch Taten der Mitglieder Verknüpfungen zur SPD schaffen. Für Ehrnböck ist die Niederlage besonders bitter, „weil wir mit einer engagierten und starken Truppe angetreten sind.“ Mit Kandidaten, die sich seit Jahrzehnten in Vereinen, sozialen Einrichtungen, Gewerkschaft und kulturellen Organisationen ehrenamtlich einbringen. Auch bei der Landesgartenschau hätten SPD-Kandidaten tausende Stunden freiwillige Arbeit geleistet. Um so schwerer falle es ihm, das Ergebnis zu verarbeiten. „Der Wähler hat dieses Engagement wenig bis gar nicht honoriert.“ Stattdessen seien viele Stimmen an Unternehmer, Gastronomen oder Ritter gegangen.

Das müsse man akzeptieren, er wolle das nicht als Kritik am Wähler oder an den Kandidaten verstanden wissen. Aber das Ergebnis werfe die Frage auf, welchen Stellenwert das Ehrenamt in unserer Gesellschaft noch hat. Dennoch müssten die Further Genossen ihren Weg weitergehen und sich für das Ehrenamt stark machen. Eine Stadt lebe vor allem auch von Menschen, die sich uneigennützig für andere einsetzen. Florian Dobmeier griff in diesem Zusammenhang Brachwitz Gedanken auf und regte an, auch zu versuchen, Unternehmer, Gastronomen und Ritter mit ins Boot zu holen.

Kritik an der Anzahl der Bürgermeistervertreter

Deutliche Kritik äußerte Ehrnböck an der Entwicklung nach der Wahl. Es hinterlasse einen fahlen Beigeschmack, wenn inflationär Bürgermeistervertreter installiert und nach dem Gießkannenprinzip mit nicht unerheblichen Aufwandsentschädigungen bedacht würden. Noch dazu, wenn sie ausschließlich aus dem eigenen politischen Lager kämen.

Zuvor hatte Schell in der Runde noch einmal erklärt, warum sie eine Ausschussgemeinschaft mit Günter Stelzer eingegangen ist. An eine Zusammenarbeit sei natürlich nicht zu denken, man liege politisch meilenweit auseinander. Durch diesen Kniff könnten aber beide Ausschüsse besetzen. Außerdem könne sie an Fraktionsführerbesprechungen teilnehmen und dürfe auch eine Haushaltsrede halten.