Sexistisch und frauenfeindlich? Diese Songs sollen auf Erlanger Volksfest nicht gespielt werden

Streit ist entbrannt um die Musikauswahl auf der Bergkirchweih in Erlangen. Die Stadtverwaltung hat die Festwirten in einem Schreiben gebeten, zwölf Lieder nicht zu spielen, da diese sexistisch und frauenfeindlich seien – darunter auch der 45 Jahre alte Gassenhauer „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang. Prompt wird Kritik aus der Politik laut. Um welche Lieder es geht und wie die Stadt ihre Bitte begründet, lesen Sie hier.
Dem Schreiben liegt eine Liste mit zwölf Titeln bei, bei denen die Stadtverwaltung Bedenken hat. Vorausgegangen war bereits im Jahr 2021 ein Erlanger Stadtratsbeschluss, der sich vor allem auf das „Donaulied“ bezogen hatte, in dessen Text Anspielungen auf eine mögliche Vergewaltigung gemacht werden.
Auch „Skandal im Sperrbezirk“: Diese Lieder sollen nicht gespielt werden
Die Pressestelle der Stadt Erlangen hat unserer Zeitung das Schreiben an die Wirte auf Anfrage zukommen lassen. Bei den Liedern handelt es sich um:
• „Layla“ von DJ Robin & Schürze (2022)
• „Nein heißt ja“ von G.G. Anderson (2000)
• „Donaulied“ Volkslied, verschiedene Versionen: u.a. Micki Krause (2012)
• „Baby Bell“ von Breitner (2025)
• „Joana (du geile Sau)“ von Peter Wackel (2007)
• „Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona“ von 3 Besoffskis, Cover: Micki Krause (1975; 1999)
• „20 Zentimeter“ von Mirja Boes (2000)
• „Die Glöcknerin von Dingolfing“ von Dorfrocker (2015)
• „Skandal im Sperrbezirk“ von Spider Murphy Gang (1981)
• „Geh mal Bier hol'n“ von Micki Krause (2014)
• „Deine Freundin“ von SPD
• „10 nackte Friseusen“ von Micki Krause (1999)
Kritik kommt aus den Reihen der AfD und FDP
Der Verein zum Erhalt bayerischer Wirtshauskultur, einst als Protestplattform gegen das Rauchverbot in Gaststätten gegründet und vom AfD-Landtagsabgeordneten Franz Bergmüller geleitet, echauffiert sich über den Brief. Bergmüller spricht von einem „Liederverbot“ und von „Musikzensur durch die Hintertür“. „Eine städtische Gleichstellungsstelle maßt sich an, Wirten vorzuschreiben, welche Lieder auf ihrem Volksfest gespielt werden dürfen und welche nicht“, ereifert sich der AfD-Mann.
Das ist überzogen woke Symbolpolitik auf Kosten der Steuerzahler – und Bevormundung mündiger Wirte, Bands und Festbesucher.Matthias Fischbach, FDP-Landesvorsitzender
Der FDP-Landesvorsitzende Matthias Fischbach schließt sich an. „Der eigentliche Skandal an dieser Liederliste ist, dass eine hochverschuldete Stadt mit Konsolidierungsauflagen offenbar noch Personalressourcen hat, um jahrzehntealtes Liedgut für ein kurioses Blacklisting zu scannen.“ Und weiter: „Das ist überzogen woke Symbolpolitik auf Kosten der Steuerzahler – und Bevormundung mündiger Wirte, Bands und Festbesucher.“
Stadt Erlangen: keine „Verbotsliste“
Die Stadt Erlangen ihrerseits macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass es sich nicht um eine Verbotsliste handele. „Die Liste ist als Orientierung und Sensibilisierung gedacht. Unser gemeinsames Ziel mit Wirtinnen, Wirten und Schaustellerbetrieben ist ein friedliches und respektvolles Fest für alle“, heißt es vom städtischen Liegenschaftsamt.
Sie bekommen nicht genug von Volksfesten? Eine Übersicht finden Sie in unserem Volksfestkalender
In dem Schreiben an die Wirte hat die Gleichstellungsstelle bei jedem Lied eine kurze Begründung beigefügt, warum dieses nicht gespielt werden soll. So heißt es beispielsweise zu „Skandal im Sperrbezirk“: „Das Lied stellt Sexarbeit als Unterhaltungsobjekt dar und enthält stereotype, abwertende Begriffe. Es verherrlicht Prostitution, objektifiziert Frauen und trägt zur Stigmatisierung von Sexarbeit bei.“
Ebenfalls auf der Liste ist das Lied „20 Zentimeter“ aus dem Jahr 2000, das sich über die Größe des Penis eines Mannes lustig macht. Dies wertet die Gleichstellungsstelle als „Body-Shaming/ Body-Mocking“, was als abwertend empfunden werden und Geschlechterklischees reproduzieren könne.
Lieder auf Volksfesten: Die Debatte ist nicht neu
Schon 2021 hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, eine Empfehlung gegen das „Donaulied“ auszusprechen. 2024 hat man sich mit Festwirten und Musiken darauf geeinigt, das inzwischen häufig von Neonazis gekaperte Lied „L„Amour Toujours“ nicht mehr zu spielen.
Die Frage, welche Lieder bei Volksfesten gespielt werden sollen, ist inzwischen zum Dauerthema geworden. Vor einiger Zeit hatte die Stadt Würzburg für Aufsehen gesorgt, als sie sich wegen sexistischer Inhalte gegen das Abspielen des Liedes „Layla“ ausgesprochen hatte.
Die Erlanger Bergkirchweih ist jedes Jahr zu Pfingsten eines der größten Volksfeste in Bayern und ist besonders bei den vielen Erlanger Studierenden ein beliebter Treffpunkt. Erstmals war sie 1755 ausgetragen worden. Jährlich pilgern Hunderttausende zu den Bierkellern am Burgberg der Stadt, um den herum eine ausgelassene Volksfestatmosphäre herrscht.