Ein Jahr nach dem Brand in Erasbach: „Ich dachte, wir verlieren alles“

Den 17. Mai 2025 werden Tanja Braun und Marina Mosandl aus Erasbach (Landkreis Neumarkt) nie vergessen. An diesem Tag steht ihr Haus in Flammen. Ein Jahr danach bedanken sie sich bei allen Helfern und erzählen, welche positiven Aspekte sie aus ihrem persönlichen Albtraum ziehen.
Ein Jahr später sitzen die beiden auf Barhockern in ihrer neuen Küche und blicken auf einen Albtraum zurück, der für sie bittere Realität wurde. Doch bevor die beiden jungen Frauen über den Tag reden, der vieles verändert hat, betonen sie: „Wir wollen uns hier nicht als Opfer darstellen. Im Vordergrund steht für uns, dass wir uns bei allen Helfern bedanken.“ Deshalb wollen sie sich selbst auch nicht fotografieren lassen.
Braun und Mosandl wissen, dass alles viel schlimmer hätte enden können. Niemand wurde bei dem Brand verletzt, den finanziellen Schaden übernimmt die Versicherung. Die Polizei bezifferte ihn vor einen Jahr auf etwa 100.000 Euro.

Nach wie vor geht die Polizei davon aus, dass ein Funken einer Zigarette das Feuer ausgelöst habe, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Bevor Braun und Mosandl am Freitag vor dem Brand gegen 23 Uhr ins Bett gehen, drücken sie wie immer ihre Zigarette aus. Dass diese über sieben Stunden später das Feuer verursacht haben soll, können sie auch heute noch nicht glauben.
Wie auch immer: Die Bilder, die Mosandl und Braun an jenem Samstag sehen, haben sich bei ihnen eingebrannt. Als Mosandl um 6.21 Uhr die Tür zur Terrasse ihres Hauses in Erasbach öffnet, stehen die Rattan-Möbel im Garten in Flammen. Lichterloh.
Bewohner rennen schreiend aus dem brennenden Haus
Panisch versucht die 25-Jährige den Pin ihres Handys einzugeben, um die Feuerwehr anzurufen. Wie paralysiert steht Mosandl im Wohnzimmer, während sich das Feuer von der Terrasse den Weg ins Wohnzimmer sucht.
Mit der Gießkanne ist das Feuer längst nicht mehr in den Griff zu bekommen. „Also habe ich sie am Arm gepackt und wir sind aus dem Haus gerannt“, erinnert sich die 29-jährige Braun.
Zuerst versuchen Nachbarn, mit dem Gartenschlauch das Feuer im Zaum zu halten. „Am Anfang dachte ich, dass das Feuer nicht so krass ist“, sagt Braun. „Doch als wir im Schlafanzug draußen standen und die ganze Straße voller Blaulicht war, dachte ich, wir verlieren alles, was wir uns aufgebaut haben.“
Haus im Berchinger Ortsteil Erasbach gekauft
Braun, die aus Reichertshofen (Sengenthal) stammt, und Mosandl kaufen sich das Haus im Heimatort von Mosandl im Herbst 2022. Dann renoviert das Paar das alte Gebäude und freut sich, im Frühjahr 2024 einzuziehen. Gut ein Jahr später zerstört das Feuer ihr Eigenheim.
Innerhalb von wenigen Minuten müssen die beiden Frauen ihr Haus verlassen. Mit dem Nötigsten ziehen sie vorübergehend zur Familie, dann in eine Wohnung.
Wohnzimmer, Küche, Boden und Dach wurden erneuert
Währenddessen müssen Braun und Mosandl viel organisieren: Telefonate mit der Versicherung, Terminabsprachen mit Handwerkern und Möbelhäusern.
Wohnzimmer und Küche müssen komplett erneuert werden: Boden, Fenster, Sofa, Fernseher sowie alle Küchengeräte. Zudem müssen Teile des Dachs neu gedämmt und gedeckt werden.

Sieben Monate nach dem Brand können Braun und Mosandl wieder in ihr Haus in Erasbach ziehen. „Man schätzt das hier alles noch mal viel mehr wert“, sagt Mosandl und schaut sich im frisch renovierten Wohnzimmer um.
Gemeinsam mit Braun ist es ihr ein Anliegen, ein Jahr nach dem Feuer „Danke“ zu sagen. „Unser aufrichtiger Dank gilt der Freiwilligen Feuerwehr Erasbach, Berching und Pollanten, dem OGV Erasabch und allen Einsatzkräften, die damals so schnell vor Ort waren und mit großem Einsatz Schlimmeres verhindert haben“, teilen die beiden Frauen mit.
Besonders danken sie zudem Familie, Freunden, Nachbarn und der ganzen Gemeinschaft. „Da merkt man halt den Zusammenhalt in Erasbach. Das ist Dorfleben“, sagt Mosandl. „Die Hilfsbereitschaft, die wir erfahren durften, sei es durch tatkräftige Unterstützung oder einfach ein offenes Ohr, hat uns tief berührt und uns durch diese schwere Zeit getragen.“
Ein Jahr später blicken Braun und Mosandl mit großer Dankbarkeit zurück. „Ohne euch wäre vieles nicht möglich gewesen. Eure Unterstützung hat uns Kraft gegeben und uns gezeigt, wie stark Zusammenhalt sein kann“, sagen sie.
Der Brand habe ihnen viel genommen, aber er habe auch gezeigt, wie viel Wert in den unscheinbaren Momenten steckt. „Und vielleicht liegt genau darin eine stille Stärke - dass man nach so einem Einschnitt nicht nur wieder aufbaut, sondern auch anders weiterlebt. Aufmerksamer. Dankbarer. Und mit einem tieferen Verständnis dafür, was wirklich zählt.“