Für frische Haxn über die Alpen - Nach einer dreiviertel Stunde alles ausverkauft

Von Jochen Dannenberg · 18. Mai 2026 um 17:00

Einmal im Jahr wird im kleinen Dorf Sittling (150 Einwohner) groß gefeiert. Beim Dorffest helfen die Einwohner zusammen und bewirten einen Tag lang mehrere Hundert Gäste. Eine Spezialität sticht dabei besonders heraus. Dafür kommen sogar Gäste aus Italien.

Ganz zufällig ist der Besuch der Italiener in diesem Jahr jedoch nicht gewesen. Die rund 30 Personen gehörten zum Sportverein „Polisportivo Merendaore“ aus Neustadts italienischer Partnerstadt Recoaro Terme. Aber sie kamen nicht nur , um die Freundschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte zu feiern, sie kamen in diesem Jahr vor allem auch wegen den Schweinshaxn, für die das Dorffest inzwischen einen fast schon legendären Ruf genießt.

Es ist kalt an Christi Himmelfahrt. Nur elf, zwölf, dreizehn Grad sind es – je nachdem, ob sich gerade eine Wolke vor die Sonne schiebt oder es sogar regnet. Seit Jahrzehnten findet das Dorffest an diesem Feiertag statt. So kalt wie an diesem Tag war es selten, dennoch wird es auf dem Festplatz an der Jagdhalle gegen elf Uhr immer voller. Während noch Bierzeltgarnituren aufgestellt werden, bildet sich eine Schlange vor der Haxntheke. Dabei gibt es noch keine Haxn. Rasch wächst die Schlange auf 50, 60 Personen an. Alle warten geduldig. Anton Stadler, Vorsitzender der Sittlinger Feuerwehr, die das Fest, unterstützt von vielen Einwohner, organisiert, gefällt das. Er lacht und sagt: „Wenn zwei anstehen, bildet sich die Schlange. Das ist jedes Jahr so.“

Besucher eilen herbei, um die Haxn zu fotografieren

Und dann geht es mit einem Mal blitzschnell. Ein Lieferwagen rollt von hinten an die Jagdhalle, die Türen öffnen sich. Bratenduft strömt heraus. Etliche Besucher eilen herbei und machen Fotos von den Blechwannen, in denen die Haxn gebacken wurden. Rund 30 Stück liegen in jeder Wanne. Eilig werden die Wannen vom Lieferwagen zur Theke gebracht, der Verkauf kann beginnen.

Da ist es fast halb zwölf. Nur eine dreiviertel Stunde später hat sich die Schlange der Haxnfans aufgelöst. Alle 294 Schweinshaxn sind verkauft. Hungrig muss deshalb niemand nach Hause gehen, es gibt auch noch Currywürste und Steaks.

Die Besucher aus Italien, die extra für das Fest in Sittling mit mehreren Kleinbussen über die Alpen gefahren sind, sind begeistert. „Perfetto“, rufen sie ein ums andere Mal und recken die Daumen hoch. Giovanni La Cognato, Neustädter mit italienischen Wurzeln, übersetzt: „Die Mitglieder des Sportvereins sind begeistert. Sie freuen sich, dass sie so freundlich aufgenommen worden sind.“

Die Stimmung ist gut. Gegen die niedrigen Temperaturen wurde von den Helfern eine Pergola aufgebaut. Kinder nutzen den Spielplatz und den Bolzplatz gleich neben der Jagdhalle. Und am Nachmittag werden selbst gebackene Kuchen aufgefahren.

Sittling ist für einen Tag das Ziel der Region

So wird aus dem Dorffest ein Fest, bei dem die Sittlinger nicht unter sich bleiben. 600, 700 Besucher werden es am Ende – gemessen an den verkauften Mahlzeiten – wieder gewesen sein, die an Christi Himmelfahrt Sittling als Ziel hatten. Sittling ist damit an diesem Tag ein Hotspot in der Region.

Anton Stadler, Vorsitzender der Sittlinger Feuerwehr, war bei Dorffest auch als Helfer im Einsatz. - Foto: Jochen Dannenberg

Die Mitglieder des „Polisportivo Merendaore“ haben dabei gewissermaßen ein „Fest im Fest“ gefeiert. Für sie hatte die Brauerei Kuchlbauer aus Abensberg ein Fass Bier spendiert, das Anton Stadler, bis vor kurzem noch Stadtrat in Neustadt, unter Mithilfe seines Nachfolgers im Stadtrat, Alexander Sedlmayer, anzapfte.

Schließlich erzählt Alessandro Busselato (Spitzname: „Schulz“), Sekretär von „Polisportivo“, dass nicht nur Sittling seine Besonderheiten hat. In Mereandore, was ein Ortsteil von Recoaro Terme ist, feiert man jährlich ein Bierfest. Und vor kurzem fand ein großes Motorradtreffen in dem italienischen Bergdorf statt.

Sittling war Ziel der Mitglieder von „Polisportiva Merendaore“. - Foto: Jochen Dannenberg