Der Regensburger Durchschnitts-Stadtrat wird bald 49 – Wie repräsentativ ist das Gremium?

Von Juliana Ried · 13. Mai 2026 um 05:00

19 neuen Stadträten wird an diesem Mittwoch Oberbürgermeister Thomas Burger den Eid abnehmen. Das entspricht mehr als einem Drittel des Gremiums, wie die bisherige OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer bei der Verabschiedung des alten Stadtrats betonte. Verjüngt hat es sich aber kaum, und auch deutlich mehr Männer als Frauen sind dort vertreten. Wie repräsentativ ist der neue Regensburger Stadtrat also?

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Der Durchschnitts-Regensburger war der städtischen Statistik zufolge Ende 2025 40 Jahre alt. Der Durchschnitts-Stadtrat ist deutlich älter: Der Altersschnitt liegt – ohne Oberbürgermeister Burger (SPD), der 55 ist – bei 48,88 Jahren. Der Stadtrat hat sich damit leicht verjüngt im Vergleich zu 2020, als die letzte Periode begann. Am Ende der Periode war er 55,14 Jahre alt. Wenn man sechs Jahre abzieht, landet man bei 49,14 Jahren.

Die Zahl der Frauen ist leicht gestiegen

In der Stadtbevölkerung lag der Frauenanteil Ende 2025 bei 50,8 Prozent. Im Stadtrat ist er deutlich niedriger: 20 Frauen gehören ihm an, das entspricht einem Anteil von 40 Prozent. Auch der 2020er-Stadtrat hatte mit diesem Wert begonnen, zuletzt gehörten ihm noch 19 Frauen an.

Nach der Wahl 2020 bewegte sich Regensburg in Relation mit den anderen bayerischen Großstädten beim Frauenanteil im Mittelfeld, zwischen Ingolstadt mit 28 Prozent und Erlangen mit 48 Prozent weiblichen Stadtratsmitgliedern; zu diesem Ergebnis kommt eine 2021 veröffentlichte Analyse der bayerischen Kommunalwahlen 2020, an der unter anderem Kommunalpolitik-Experte Martin Gross von der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt war. Zum Vergleich ein Blick in den Landkreis: Im neuen Hemauer Stadtrat sitzen vier Frauen, womit die Frauenquote lediglich bei 20 Prozent liegt.

Linken-Fraktion hat aktuell höchsten Frauenanteil

In Regensburg ist aktuell der Frauenanteil in der Linken-Fraktion am höchsten (drei von vier Sitzen). Über dem Schnitt liegt er auch in der in der CSU-Fraktion (sieben von 13 Sitzen) und in der Grünen-Fraktion (fünf von neun Sitzen). In der SPD-Fraktion (ohne OB) beträgt er ebenso 50 Prozent wie in den Zweier-Fraktionen Volt und ÖDP. Aber es gibt drei reine Männerriegen: die fünfköpfige AfD-Fraktion, die vierköpfige Brücke-Fraktion und das Freie-Wähler-Trio. Für zwei dieser Gruppierungen ist das nicht unüblich: Die bayernweite Wahlanalyse von 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass sich die „häufig kleinen Fraktionen der AfD, der FDP und der Freien Wähler“ in mehreren Großstädten ausschließlich aus Männern zusammensetzten.

Die Wählervereinigung Brücke wiederum hatte auf ihrer Kandidatenliste auch Frauen prominent platziert, die allerdings weiter nach hinten gewählt wurden. Da die Brücke zwei Stadträte verlor und die Wähler Joachim Wolbergs nach vorn häufelten, landete sie bei null Frauen. Ähnlich ging es den Freien Wählern, bei denen der ehemalige Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger deutlich mehr Stimmen bekam als die am besten platzierte Frau.

Fünf Stadträte haben einen Doktortitel

Erheblich höher als in der Bevölkerung in ganz Deutschland ist der Anteil der Stadtratsmitglieder mit Doktortitel: Mit Astrid Freudenstein (CSU), Helene Sigloch, Stefan Christoph (beide Grüne), Klaus Rappert (SPD) und Christoph Schießl (FW) sind fünf Mitglieder des Gremiums promoviert, was zehn Prozent entspricht. Mit OB Burger liegt der Anteil noch höher, was dem Städtevergleich von 2020 zufolge offenbar nicht ungewöhnlich ist: Damals war der Erlanger Stadtrat mit einem Doktor-Anteil von 22 Prozent der Spitzenreiter unter den bayerischen Großstädten. Der Zensus-Datenbank zufolge hatten 2022 1,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ab 15 eine Promotion als höchsten Abschluss; das ist die aktuellste Zahl, die dort zu finden ist, Daten zu Regensburg gibt es nicht.

Oberbürgermeister Burger sagt: Inhaltlich sei der Stadtrat vielfältig, „was allein schon die Anzahl der Gruppierungen zeigt“. Elf sind es. Neun davon wollen Fraktionen bilden, dazu kommen zwei Einzelstadträte, von FDP und Ribisl-Partie. Was das Geschlechterverhältnis angehe, sei das Gremium noch „nicht ganz ausgewogen“, was Altersstruktur und Berufe angehe, „in vielen Teilen gut aufgestellt“, so Burger. „Wir haben schon einen großen Querschnitt drin. Aber größtenteils haben es die Wähler in der Hand, von wem sie sich vertreten lassen wollen.“

Daten zum Regensburger Stadtrat

• 50 Mitglieder hat der Regensburger Stadtrat inklusive der zwei Bürgermeister, die am Mittwoch gewählt werden, aber ohne Oberbürgermeister. Dem gehört die 51. Stimme.

• 20 Frauen gehören dem neuen Regensburger Stadtrat an, das ist eine mehr als zuletzt. Damit liegt der Frauenanteil bei 40 Prozent und damit exakt bei dem Wert von 2020.

• Neun Fraktionen soll der Stadtrat zählen: CSU, Grüne, SPD, AfD, Brücke, Linke, FW , ÖDP und Volt. Das sind drei mehr als bisher, weil die Grenze auf zwei Stadträte sinken soll.

• 986,51 Euro (plus Zulagen) sollen die Stadträte als Entschädigung für ihr Ehrenamt im Monat erhalten, bisher waren es 856,29 Euro. Die Erhöhung orientiert sich an der Beamtenbesoldung.