Vierstelliger Schaden und Feuerwehreinsatz wegen nicht genehmigter Böllerei in Regensburg

Bei einer Fahndung kontrolliert die Polizei zwei verdächtige Personen. Der SSV Jahn Regensburg geht am Tag nach dem ungenehmigten Feuerwerk auf Distanz zu Verstößen gegen die Sprengstoffverordnung und dem Vorfall in der Nacht auf Freitag.
Eigentlich war die Steinwegerin Susanne Hauer am Donnerstag um kurz vor 23 Uhr schon auf dem Weg ins Bett. An Schlaf war wenige Minuten später aber nicht mehr zu denken. Der Grund: Über der Altstadt ging ein Feuerwerk hoch, wie es hier nun schon etliche Jahre keines mehr gegeben hat. Minutenlang war das Explodieren der Feuerwerkskörper in vielen Teilen der Innenstadt zu hören. Über dem Welterbe stand Qualm, den die Pyrotechnik rot anleuchtete.
Hauer, die von ihrem Fenster aus auf die Stadtamhofer Hauptstraße und die Steinerne Brücke blicken kann, griff zum Handy und filmte das Szenario. Auf dem Video wird das riesige Ausmaß dieses Feuerwerks deutlich: Nur noch die Spitzen des Doms schauen aus den roten Wolken hervor. Die gleißenden Lichter ziehen sich einmal quer durch die Altstadt.
Fahndung der Polizei brachte zwei Verdächtige
„Das wirkte geordnet, wie aufgestellt und symmetrisch“, beschreibt Hauer ihre Eindrücke. Von wo aus das Feuerwerk abgefeuert wurde, habe sie aber nicht erkennen können. Was war das? „Nach derzeitigem Kenntnisstand handelte es sich bei dem Feuerwerk in der vergangenen Nacht um ein nicht genehmigtes Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände“, sagt Markus Reitmeier, Pressesprecher der Regensburger Polizeiinspektion Süd, am Freitag auf Nachfrage. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, bestätigt: Bei der Stadt liege keine Genehmigung über das Feuerwerk vor.

Internetveröffentlichungen deuten laut Reitmeier darauf hin, dass es sich um eine Aktion einer Ultragruppierung aus der Fanszene von Jahn Regensburg handelte. Bei der Fahndung konnten seiner Auskunft zufolge zwei Personen im Alter von 19 und 21 Jahren kontrolliert werden. „Sie stehen nun im Verdacht, an dem Abbrennen des Feuerwerks beteiligt gewesen zu sein. Gegen die beiden Personen wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen eines Verstoßes gegen die Sprengstoffverordnung eingeleitet“, so der Pressesprecher. Laut von Roenne-Styra musste gegen 23.45 Uhr die Berufsfeuerwehr ausrücken und mehrere Kleinbrände im Zusammenhang mit zurückgebliebenen Resten von Feuerwerksbatterien am Donauufer löschen. Der Einsatz sei um Mitternacht beendet worden.
Zu diesem Zeitpunkt war auch Internet-Regensburg hellwach: Auf Facebook wunderten sich die User über die Böllerei. Andere ärgerten sich über den Müll und den Lärm. Schließlich tauchte auf dem Fotoblog mit de Adresse jahnelfueberall.com ein Bild auf, das ein rot-weißes Feuerwerk auf beiden Seiten des Donauufers zeigt. Am Geländer der Steinernen Brücke ist ein Banner mit der Aufschrift „Ultras“ zu sehen.
Brandspuren und abgefackelte Bengalos
Ein trostloses Bild gab am Freitagmorgen die Eiserne Brücke ab. Hier lagen abgebrannte Bengalos und Feuerwerks-Batterien herum. Der Gehweg war an mehreren Stellen verkohlt. „Die Beschädigung auf der Eisernen Brücke, die durch das Feuerwerk in der gestrigen Nacht entstanden ist, wird von der Stadt zur Anzeige gebracht. Das Tiefbauamt geht von einer Schadenshöhe im vierstelligen Bereich aus“, kündigte von Roenne-Styra an. Weiterhin macht sie deutlich, dass ein illegales Feuerwerk eine Ordnungswidrigkeit darstelle und mit einer Geldbuße geahndet werde.

Der SSV Jahn ging am Freitag auf Distanz – und zwar grundlegend zu jeder Form von Verstößen gegen die Sprengstoffverordnung. Außerdem äußerte Pressesprecher Johannes Liedl: „Im konkreten Fall distanziert sich der SSV Jahn ausdrücklich davon, dass hierdurch Ruhestörungen und weitere Beeinträchtigungen durch das Verhalten von Jahnfans verursacht wurden.“ Er betont, dass der SSV Jahn weder Urheber der Aktion noch über sie informiert gewesen sei. Stattdessen befinde sich der Verein im Austausch mit seinen Fans. Dabei werde auch für Themen wie das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen sensibilisiert, erklärt Liedl. „Aufbauend auf den geschilderten Umständen ist es umso wichtiger, umgehend im Club-Fan-Dialog darauf einzugehen“, kündigt der Pressesprecher an.
In wenigen Tagen steht den Regensburgern wieder ein Feuerwerk ins Haus – ein genehmigtes. Es ist das Dultfeuerwerk am 22. Mai um 22 Uhr. Rechtsreferent Walter Boeckh hatte bei einer Pressekonferenz von 750 Schuss gesprochen und davon, dass es so umweltfreundlich ablaufen werde, wie ein Feuerwerk nur sein könne.