Nach 54 Jahren als Wenzenbacher Gemeinderat ist für Rudolf Ebneth mit 79 Schluss – unfreiwillig

Als Rudolf Ebneth am 1. Juli 1972 Gemeinderat in Wenzenbach wurde, waren acht Räte des aktuellen Gremiums noch nicht einmal geboren – bei Bürgermeister Sebastian Koch sollten noch 15 Jahre ins Land ziehen. Als am Dienstag der neu gewählte Gemeinderat zusammentrat, fehlte Ebneth nach 19.660 Tagen im Gremium – nicht weil er sich mit 79 Jahren in den wohlverdienten Polit-Ruhestand verabschiedet hätte, sondern weil er die Wiederwahl für eine zehnte Amtszeit knapp verpasste. Nun stellt sich die Frage: Wie solls gehen, ohne Ebneths Erfahrung und Tatkraft?
Er hätte nicht nur gerne noch eine Amtszeit drangehängt – er wollte auch früher starten. 1966 wollte er bereits für den Gemeinderat kandidieren. Mit 19 war er aber zu jung, wählen lassen durfte man sich erst mit 21. 1972 wurde Ebneth dann Gemeinderat und direkt Fraktionssprecher. „Die erste große Bewährungsprobe war 1974 der Schulhausbau.“ Die Mittelschule, die heute abgerissen wird, wurde damals auf der grünen Wiese gebaut. „Bernhardswald war not amused, dass man ihnen die Hauptschule weggenommen hat“, sagt Ebneth. „Und die Wenzenbacher wollten die Schule mitten im Ort.“ Eine Standortwahl als Kompromiss.
Wie die Wenzenbacher Erfolgsgeschichte begann
1978 kam die Zäsur der Gebietsreform, Grünthal und Hauzenstein wurden eingemeindet. Als CSU-Fraktionsvorsitzender haber er sich lebhaft – „und ich glaube erfolgreich“ – für ein Zusammenwachsen der Ortsteile zu einer Einheit eingesetzt. Im Flächennutzungsplan wurden für Wenzenbach der Schwerpunkt Wohnen festgelegt, im Westen Grünthals Großbetriebe angesiedelt und in Hauzenstein die Landwirtschaft gestärkt.
In den 1980ern nahm die Gemeinde die „Grundstücksbevorratung“ auf. Etwa auf der Weißen Marter sorgte das für Unverständnis, was sich die Gemeinde in die Dorfentwicklung einmische. Dass für den Anschluss an den Abwasserkanal in Vorkasse gegangen werden musste, sorgte gar für „tumultöse Versammlungen“, wie Ebneth sagt. Durch den B16-Anschluss profitierte Wenzenbach vom Boom der Stadt und wurde zur „guten Stube von Regensburg“. Von den gekauften Flächen wurde in den 90er- und 2000er-Jahren gezehrt. „Was wir gesät hatten, haben wir dann geerntet. Man hätte aber auch wieder säen sollen“, sagt Ebneth.
Drohschreiben wegen Energie-Projekt
Ein Biomasse-Kraftwerk am Thanhof wurde zu einer der härtesten Prüfungen Ebneths. Da er sich zunächst für die erneuerbare Energie ausgesprochen hatte, erhielt er Drohschreiben, nachdem das Projekt „völlig aus dem Ruder gelaufen“ war. Als auch belastetes Holz in großen Mengen verbrannt werden sollte, zogen die Gemeinderäte – auch Ebneth – dem Projekt den Stecker. „Wir werden dich ausräuchern“, wurde ihm dennoch gedroht.
Finanzskandal erschüttert die Verwaltung
So ungemütlich wurde es erst wieder im Zuge des Finanzskandals 2013. Der damalige Verwaltungsleiter wirtschaftete jahrelang am Gemeinderat vorbei in die eigene Tasche. Das Ausmaß wurde erst ersichtlich, als Nachfolger Koch auf gerichtliche Anordnung die Bücher öffnete. Hätte der Rechnungsprüfungsausschuss nicht die Machenschaften aufdecken können? „Da mutet man dem Gemeinderat schon sehr viel zu“, sagt Ebneth.
Rudi Ebneth ging es immer auch um Antrieb und Schubkraft nach vorn für seine Heimatgemeinde.Sebastian Koch, Bürgermeister von Wenzenbach
Unter dem damals 26-jährigen Neu-Bürgermeister Koch hielt 2014 ein Kulturwandel Einzug, für manche auch ein Kulturschock. „Ich habe mich schnell umgestellt“, sagt Ebneth. „Die Zusammenarbeit muss funktionieren.“ Für Koch tat sie das. Die dynamische Entwicklung Wenzenbachs habe auch an Ebneths Wirken gelegen. Seine Erfahrung und sein Verständnis der Zusammenhänge seien eine große Bereicherung gewesen. „Es blieb aber nie nur bei dieser Rückschau, sondern Rudi Ebneth ging es immer auch um Antrieb und Schubkraft nach vorn für seine Heimatgemeinde – zumeist über Parteigrenzen hinweg“, dankt der SPD-Bürgermeister dem CSU-Ältesten. Ebneth gibt das Lob zurück: „Ich kann überhaupt nichts Negatives sagen.“
Was ein Gemeinderat braucht? Ebneth weiß es
Wobei, eines fällt ihm vielleicht doch ein: mehr Mut. Das gilt nicht nur für den Bürgermeister, sondern auch – und damit wäre man bei der Eingangsfrage, wie es bloß ohne Ebneth gehen soll – für den Gemeinderat. Drei Dinge wünscht sich der Ex-Gemeinderat mit der längsten Dienstzeit im Landkreis: Zum einen Tatkraft, dass auch unkonventionelle Lösungen zumindest erwogen werden. Zum anderen, dass der Gemeindekitt in Form des Gesellschaftlichen, des Vereinslebens weiter gefördert wird, auch wenn das Geld mal nicht so locker sitzt. Und drittens, der weiterhin ordentliche Umgang miteinander. „Ich war schon enttäuscht“, sagt Ebneth zum Wahlergebnis. Eine ganze Amtszeit hätte er vielleicht ohnehin nicht mehr gemacht. Er sei – oft auch wohlwollend – gefragt worden, ob er sich die Gemeinderatsarbeit noch antun wolle. Zu jung, zu alt – für Ebneth „eine blöde Diskussion“. Etwas Kompetenz müsse man mitbringen, Interesse, Kreativität, Zeit und Bereitschaft, sich in komplexe Themen einzuarbeiten.
98 Stimmen fehlen – aus Sorglosigkeit?
All das dürfte sich Ebneth bei aller Bescheidenheit selbst attestieren. „Den Einzug in den Gemeinderat – ich will nicht sagen, den habe ich vermasselt, aber ich war zu sorglos.“ Alle – er selbst eingeschlossen – seien von seiner Wiederwahl ausgegangen. Mit etwas mehr Wahlkampf hätte er die 98 Stimmen, die letztlich fehlten, schon eingeworben, ist er überzeugt.
Zwei Projekte hätte er noch gerne begleitet
Seis drum. „Ich habe meine Pflicht getan“, sagt Ebneth. Die Ehrenbürgerwürde in Wenzenbach, der Bayerische Verfassungsorden, das Bundesverdienstkreuz, die Verdienstmedaille der Universität Regensburg künden davon. Zwei Projekte hätte er aber noch gerne mit verwirklicht: die Ausweisung des Gewerbegebiets Thanhof, „da muss man dicke Bretter bohren“, und den Bau des Schulcampus. 1974 war der Bau der Mittelschule, die jetzt abgerissen wird, sein erstes großes Gemeindeprojekt. „Den Bogen hätten ich noch gerne geschlossen.“
Sag niemals nie.Rudolf Ebneth
Vielleicht kann er das sogar. Ebneth ist erster Nachrücker seiner Fraktion. Scheidet ein Parteifreund aus dem Gremium aus, kommt es noch zum großen Comeback des Rudolf Ebneth? Der lächelt nur und hält es mit James Bond: „Sag niemals nie.“