Als „arbeitsscheu“ im KZ getötet: Erstmals Stolpersteine für die Verleugneten Regensburgs

Von Daniel Pfeifer · 7. Mai 2026 um 13:00

Sie waren für das NS-Regime „Schädlinge“ für die deutsche Volksgemeinschaft: Menschen ohne Arbeit, mit wechselndem Wohnort oder verbüßter Haftstrafe. Als „Asoziale“, „Berufsverbrecher“ oder „Arbeitsscheue“ kamen sie ab 1933 in Konzentrationslager. Neue Stolpersteine in Regensburg gedenken diesen „Verleugneten“, deren Schicksal lang vertuscht wurde. Die Standorte finden sie in unserer digitalen Karte.

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Als die NS-Opfer ab 1933 von Polizisten und SA-Leuten in Konzentrationslager geschafft wurden, hatte dies ein Ziel: Dass sie diese Lager nie mehr lebend verlassen würden. Viele überlebten nur wenige Monate. Es ist eine der ersten und wohl unbekanntesten Massenverhaftungen der NS-Zeit. Erst 2020 erkannte der Bundestag diese Schicksale an, die nach dem Krieg oft vertuscht und verleugnet wurden.

Von diesen NS-Opfern in Regensburg ist wenig bekannt

Auch in Regensburg gab es solche Opfer. Am Mittwoch haben die „Verleugneten“ zum ersten Mal Stolpersteine erhalten, die an sie erinnern. Die Pflastersteine mit gravierter Messingoberfläche erzählen die Geschichte von sechs Menschen, davon fünf Verleugnete und ein Zeuge Jehovas. Bei der Verlegung am Mittwoch wurden, begleitet vom berührenden Flötenspiel von Alberto Rosas, die Lebensdaten der NS-Opfer im Detail verlesen – so weit es überhaupt Details gibt. Über viele von ihnen ist kaum etwas bekannt, von keinem der sechs Männer existieren Fotos.

• Johann Sauer: Er lebte in der Haaggasse 13, war in drei Konzentrationslagern interniert und wurde 1943 getötet.

• Johann Mulzer: An den im Konzentrationslager Ermordeten erinnert ein Stein in der Silberne-Fisch-Gasse 11.

• Arthur Kirmse: Der geschiedene Vater lebte in der Obermünsterstraße 9a. Er starb 1944 im KZ Dachau.

• Gottfried Mack: Der laut Nazis „Gelegenheitsarbeiter“ lebte in der Keplerstraße 7 und starb 1944 im KZ Dachau.

• Ferdinand Schieber: Der Zeuge Jehovas wurde in der „T4-Aktion“ vergast. Sein Stein liegt am Georgenplatz.

• Josef Neuhierl: Der Schlosser lebte in der Holzgartenstraße 10, kam erst in eine Heilanstalt, dann ins KZ.

„Heute wollen wir sie dem Vergessen entreißen“, sagte Susanne Feichtmayer-Arnold von der Stolperstein-Initiative in Regensburg. Fast 300 Stolpersteine wurden in Regensburg bereits verlegt. Auch dieses Mal kamen wieder Dutzende Menschen, darunter Studenten, Stadträte und viele Schüler mit ihren Lehrerinnen. Einige entzündeten Kerzen oder legten Blumen nieder, nachdem die Angestellten des Tiefbauamts die Stolpersteine unverrückbar in das Pflaster vor den einstigen Wohnorten der Opfer einzementiert hatten.

Verleugnete und Zeugen Jehovas starben im KZ

„Das ist unsere Stadt, das sind unsere Straßen. Das ist auch unsere Geschichte“, sagte Regensburgs Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer. „Dieses Gedenken ist überfällig.“ Die Lebenswege der NS-Opfer überschneiden sich immer wieder. Es waren Männer mit Kindern und Ehefrau, wenn auch oft geschieden, die Berufe wie Schlosser, Elektroingenieur oder Metzger erlernt hatten. Oft sind Aufenthalte in Krankenhäusern und Pflegeanstalten bekannt, nach denen unklar ist, ob sie weiter arbeitsfähig waren. Viele waren in ihrer Vergangenheit schon einmal inhaftiert. Ihr Tod in Konzentrationslagern wurde meist unter der verschleiernden Ursache „Versagen von Herz und Kreislauf bei Ruhr“ beschrieben.

Neben den fünf Verleugneten wurde auch für einen Zeugen Jehovas ein Stein verlegt – an der Gedenkstele am Georgenplatz, inmitten der Bäume gegenüber des Museums der Bayerischen Geschichte. Ferdinand Schieber, ein gebürtiger Schwandorfer Kaufmann, Buchhalter und Bibelforscher, war als Zeuge Jehovas dem NS-Regime ohnehin ein Dorn im Auge. Als Mensch mit psychischer Erkrankung galt er darüber hinaus als „Gefahr für den Volkskörper“. Mehrmals war er in der Karthause bei Regensburg, wurde 1935 zwangssterilisiert und schließlich 1941 im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ in der Gaskammer ermordet.