Stadt Regensburg verlegt neue Stolpersteine

Von Michael Schneider · 25. März 2026 um 14:13

Am Platz der Einheit in der Regensburger Altstadt gibt es nun einen Gedenkort für Esther und Alfred Grünhut. Sie waren Teil der Stadtgesellschaft und damit Nachbarn und Mitbürger gewesen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten hat für sie die Ausgrenzung und Verfolgung begonnen.

Am Dienstag fand am Platz der Einheit eine Stolpersteinverlegung für Esther und Alfred Grünhut statt. Die Gedenksteine der Geschwister wurden mit den bereits vorhandenen ihrer Eltern Laura und Siegfried Grünhut vor dem letzten Wohnort der Familie zusammengeführt. Mehrere Schulklassen begleiteten die Veranstaltung mit Wortbeiträgen und Liedern. Außerdem sprachen Susanne Feichtmayer-Arnold, Sprecherin der Stolpersteininitiative, Sabine Kellner-Mayrhofer, Referentin für Bildung, und der aus den USA angereiste Sohn Esthers, Ilan Peer.

„Wir haben uns hier versammelt, um Menschen zu gedenken, die in den Jahren 1933 bis 1942 Bedrohung, Denunziation, seelische und körperliche Gewalt erdulden mussten“, erklärte Feichtmayer-Arnold. „Die beiden Geschwister haben so viel Leid erfahren und Alfred musste mit seinem Leben bezahlen.“

Eine Aktion gegen das Vergessen

Durch die Stolpersteine wolle man sie dem Vergessen entreißen und in Regensburg sichtbar machen. Außerdem sei es so möglich, die Familie Grünhut symbolisch wieder zusammenzuführen.

Die Anwesenheit so vieler Schulklassen finde sie großartig, sagte Feichtmayer-Arnold. „Dadurch wird den Schülern ermöglicht, dass sie mal andere Erfahrungen sammeln und auf diese Weise in Erinnerungskultur eingebunden werden können. Etwas sehr Wichtiges und ich hoffe, ihr vergesst diese Erinnerung auch nicht.“

„Diese Steine erinnern an Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. An ihrem letzten, frei gewählten Wohnort, mitten in unserer Stadt, mitten im Alltag“, fasste es Kellner-Mayrhofer zusammen. Esther und Alfred seien Teil der Stadtgesellschaft und damit Nachbarn und Mitbürger gewesen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten habe auch für sie ein Prozess der schrittweisen Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung begonnen.

Anders als geplant gelang nur Esther die Flucht über England nach Palästina und später in die USA. Alfred sei erst in ein Arbeitslager nach Kaisermühlen verschleppt und dann 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert worden. Sein genaues Todesdatum sei unbekannt. „Sein Schicksal steht stellvertretend für unzählige Leben, die ausgelöscht wurden“, sagte die Referentin. „Heute kehren Esther und Alfred Grünhut an diesen Ort hier zurück.“ Als Nachkomme Esthers verbinde die Anwesenheit Ilan Peers die Vergangenheit mit der Gegenwart. Die Stolpersteine seien keine großen Denkmäler, sondern lägen im Alltag im Pflaster der Straßen. Jeder von ihnen zeige ein Schicksal, hole die Opfer zurück ins Bewusstsein und konfrontiere die Menschen mit der Geschichte.

Erinnerung liegt in gemeinsamer Verantwortung

„Diese Form des Erinnerns macht deutlich: Erinnerung ist keine abstrakte Aufgabe. Sie ist lebendig, persönlich und sie liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung“, erklärte Kellner-Mayrhofer. Gerade heute sei das wichtiger denn je. Die Würde des Menschen und die Werte der Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten. Man müsse sie schützen und verteidigen.

An einem Tag wie diesem erkenne man wieder, wie groß die Verantwortung aller dafür sei, die nachfolgenden Generationen in die Erinnerung mit einzubeziehen, schloss Feichtmayer-Arnold. „Gerne möchte ich an euch eine Bitte richten. Wir haben heute erleben dürfen, wie wichtig das Erinnern und Nichtvergessen sind. Ihr seid unsere Zukunft. Bleibt dran an der Erinnerungsarbeit.“ Besonders solle man sich in Solidarität üben und denen helfen, die es in der Gesellschaft am meisten brauchen. Für Ilan Peer sei es ein bewegender und wichtiger Tag gewesen. Ihm persönlich gehe es in diesen Zeiten besonders darum, nach vorne zu blicken, nicht zu vergessen und den Frieden zu suchen.